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Das Glitzersternchen

Es war einmal ein kleines Glitzersternchen. Es lag mit vielen anderen Sternchen in einer Schachtel und diese stand in einem Schrank. Ganz hinten in der Ecke. Vor vielen Jahren hatte sie einst eine ältere Dame gekauft, dort abgestellt und vergessen. Niemand schenkte ihnen Beachtung. Manchmal wurden sie mitsamt der Schachtel ein bisschen nach links oder nach rechts verschoben. Kein Mensch hatte Interesse an ihnen, aber auch niemand entsorgte sie.

So verbrachten sie ihr ganzes Leben in Dunkelheit. Zwar waren sie alle beisammen, aber sie fühlten sich nutzlos. Sie waren dafür bestimmt gewesen Menschen durch ihre Anwesenheit Freude zu schenken. Sie wollten auf einem schön gedeckten Tisch erstrahlen, funkelnd auf Geschenken oder Karten kleben. Immer wenn sich die Schranktür öffnete, hatten sie die Hoffnung nun endlich ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt zu werden. Doch leider hatten sie die ältere Dame, die die Besitzerin des Schrankes zu sein schien, schon lange nicht mehr gesehen. Auch die Schranktür wurde seit geraumer Zeit nicht mehr geöffnet. 

Eines Tages jedoch leerten fremde Menschen den gesamten Schrankinhalt aus, doch die Packung mit den Sternchen hatten sie vergessen herauszunehmen.

Irgendwann begann der Schrank sich wie von Geisterhand zu bewegen und sie rutschten mitsamt der Packung im Inneren des Schrankes hin und her. Sie stießen aneinander und taten sich gegenseitig weh. Tumult brach unter ihnen aus, jeder beschimpfte den anderen, diese Schubserei mit Absicht zu machen. So zerstritten sich die Sternchen und waren alle sehr traurig. Und vor lauter Traurigkeit versanken sie in einen langen, tiefen, aber traumlosen Schlaf.

Eines Tages jedoch wurden sie durch eine Kinderstimme geweckt. Es war keine laute und schrille Stimme. Nein, sie klang fröhlich und freundlich. Sie gehörte einem etwa fünfjährigem Mädchen namens Lena. Nur so rief sie niemand. Jeder sagte einfach Lenchen zu ihr:

„Das ist aber ein hübscher Schrank, Mama.“

„Ja, ich bin froh, dass der freundliche Herr aus dem Haus gegenüber ihn uns geschenkt hat. Er wollte ihn schon morgen zum Sperrmüll stellen. Der Schrank hat seiner Mutter gehört, aber die ist nun leider gestorben. Weißt du, sie war schon sehr alt und krank.“

Lenchen nickte traurig, aber nach einer kleinen Weile sagte sie:

„Das war doch richtig nett von dem Mann, dass er uns den Schrank gegeben hat. Ja und geholfen hat er auch noch ihn in unsere Wohnung zu tragen. “

Lenchen war total begeistert und hüpfte aufgeregt um ihre Mutter herum.

„Lass uns den Schrank einräumen. Hilfst du mir dabei?“, fragte die Mutter.

Ja und so kam es, dass Lenchen plötzlich die Schachtel mit den Glitzersternchen entdeckte.

„Schau nur Mama, was ich gefunden habe. Darf ich die behalten?“

Und damit waren die Sternchen wieder aus ihrem tiefen Schlaf erwacht. Sie wurden aus der Schachtel geschüttet. Sie purzelten durcheinander und freuten sich endlich auf dem Holztisch zu liegen und ihn durch ihr Funkeln zu schmücken. Sie wussten, dass sie schon bald ihrer eigentlichen Bestimmung zugeführt werden würden und das machte sie froh. Doch ein einziges Sternchen wollte nicht aus der Schachtel heraus. Es hielt sich am Rand des Bodens fest. Erst als Lenchen es bemerkte, ließ es sich bereitwillig herausnehmen.

„Du bist aber ein besonders hübsches Sternchen“, meinte Lenchen und drehte den kleinen Stern behutsam zwischen ihren zarten Fingerchen. „Du glitzerst viel schöner als die anderen.“

Das Sternchen freute sich und gab sich alle Mühe besonders intensiv zu strahlen und zu funkeln. Lenchen legte es auf das Fensterbrett in ihrem Zimmer und immer wenn das Mondlicht oder ein Sonnenstrahl auf es fielen, dann glitzerte es so prächtig, wie es das Mädchen niemals zuvor gesehen hatte.

Lenchen beschloss dem Sternchen einen Ehrenplatz zu geben. Sie malte ein Bild, auf dem ein Mädchen, ein Mann, eine Frau und ein Hund zu sehen waren. Sie alle waren in einem Garten mit vielen bunten Blumen und Bäumen. Für Lena war dies der Inbegriff einer glücklichen Familie. Dem Hund schenkte sie den Glitzerstern für sein Halsband.

Das Bild hängte sie über ihr Bett an die Wand. Jeden Abend vor dem Schlafengehen betrachtete sie es stumm und schickte dem Herrgott die Bitte der Mutter einen guten Mann zu schenken. Denn dann wären sie wieder eine richtige Familie. So wie früher als Lenas Vater noch lebte.

Die Tage vergingen und das Jahr begann sich dem Ende zuzuneigen. Der Herrgott schien ihre Bitte nicht erhören zu wollen, denn immer noch gab es nur Mutter und Lenchen, die bescheiden in der kleinen Dachgeschosswohnung lebten. Die Mutter hatte es nicht leicht, sie musste alleine das Geld verdienen, das die Beiden zum Leben brauchten.

Am Silvesterabend brachte die Mutter eine Packung Wunderkerzen mit nach Hause. Feuerwerk, so wie es in vielen Familien üblich war, konnte und wollte sie sich nicht leisten. Die Raketen waren zu teuer und das Geld zu schade, um es einfach in den Himmel zu schießen. Doch Lenchen war ein genügsames und dankbares Kind. Sie freute sich als die Mutter sie kurz vor Mitternacht weckte, ihr die Wunderkerzen gab und mit ihr hinunter auf die Straße ging, wo sich die Menschen versammelten, um das neue Jahr mit einem großen Feuerwerk zu begrüßen.

„Schau nur Mama!“, rief sie begeistert aus. „Es schneit und gleich wird das Feuerwerk beginnen!“

Die Turmuhr schlug zur Mitternachtsstunde und noch bevor der letzte Glockenschlag verklungen war, stiegen die ersten Raketen in den Nachthimmel auf und erhellten ihn in den buntesten und prächtigsten Farben.

„Oh, ist das schön! Und dort drüber das ist noch viel schöner! Nein, das hier ist noch tausendmal schöner!“

Lenchen kam gar nicht aus dem Staunen heraus.

„Prosit Neujahr!“, rief sie mit den Menschen um die Wette, hüpfte und tanzte vor Freude im Schnee, der mittlerweile die gesamte Straße bedeckte.

„Hoppla, junge Dame! Nicht so wild, sonst fällst du noch hin!“, hörte sie plötzlich eine sympathische Männerstimme, die sie aufblicken ließ.

„Mama, das ist doch der nette Herr, der uns den wunderschönen Schrank geschenkt hat!“, rief Lenchen aus und sah, wie die Mutter und der Mann sich die Hände reichten und sich gegenseitig ein gutes neues Jahr wünschten. Das Mädchen bemerkte, wie dabei ein Strahlen über das Gesicht der Mutter huschte und sie fast ein wenig verlegen aussah. Und noch etwas bemerkte Lenchen: Der nette Herr hielt einen niedlichen Hund an der Leine, an dessen Halsband ein kleiner glitzernder Stern baumelte.

Da wusste Lenchen ganz sicher, dass das neue Jahr ein gutes Jahr werden würde.

 

Happy New Year!!!

Ich wünsche Euch allen ein gesundes neues Jahr!!!

 

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12 Kommentare

    • Astrid Berg sagt

      Ich grüße Dich herzlich und hoffe, dass Du einen guten Start ins neue Jahr hattest.
      Bleib gesund!
      Alles Gute
      Astrid

  1. Ach ist das wieder eine schöne, rührende Geschichte. So mag ich es, wenn am Ende alles gut wird und sich Wünsche und Träume erfüllen.
    Solch kleine Sterne habe ich in Gold zum Aufkleben. Letztes Jahr habe ich sie auf die Weihnachtspost geklebt.
    Alle guten Wünsche für dich für das neue Jahr liebe Anna-Lena.
    Viele Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Kerstin,
      ich habe silberne Sternchen, die ich auf den festlich gedeckten Tisch streue. Dazu noch der silberne Kerzenständer mit fünf Kerzen darin, das macht sich immer gut.
      Auch ich wünsche Dir ein gesundes und entspanntes Jahr, das hoffentlich wieder mehr Normalität bringt. Aber erst müssen wir wohl noch durch die Verlängerung des Lockdowns.
      LG
      Astrid

  2. Moin liebe Astrid,
    jetzt schauen wir mit voller Hoffnung auf das Jahr 2021.
    Ich wünsche Dir und Deinen Lieben ein frohes und vor allem gesundes neues Jahr!
    Passt gut auf Euch auf!
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Ohja, das wünsche ich Dir und Deiner Familie auch. Es muss sich einfach alles wieder zum Guten wenden. Die Gesundheit steht über allem, das wird uns Menschen auf der ganzen Welt in diesen Zeiten sehr bewusst.
      Liebe Neujahrsgrüße von
      Astrid

  3. Platz Lore sagt

    Liebe Astrid mit dieser schönen Geschichte hast du uns ein Glitzersternchen der Hoffnung für das nächstes Jahr geschenkt. Danke.
    Ich wünsche dir und deiner Familie ein gutes und vor allem gesundes neues Jahr.
    LGLore

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Lore,
      ich hoffe, Du bist gut in das Neue Jahr gekommen. Das Jahr 2021 muss einfach besser werden, als es das vergangene Jahr war. Ich wünsche Dir vor allen Dingen Gesundheit!!!
      Liebe Neujahrswünsche und -grüße von mir zu Dir.
      Astrid

  4. Liebe Astrid, ich wünsche Dir einen fröhlichen Übergang in ein vielversprechendes neues Jahr. Bleib gesund und alles Gute, tschüssi Brigitte.

    • Astrid Berg sagt

      Dankeschön, liebe Brigitte. Wollen wir hoffen, dass sich alles zum Guten wendet.
      Dir ebenfalls alles Liebe und Gute.
      Herzliche Grüße
      Astrid

  5. Liebe Astrid,
    gehen wir mit den gleichen zuversichtlichen Augen wie Lenchen ins neue Jahr. Möge es ein gesseres und vor allem ein gesundes Jahr werden.
    Mit diesen Wünschen grüß ich dich herzlich.
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Ich danke Dir liebe Traudi und wünsche auch Dir ein gesundes neues Jahr.
      Ich bin schon gespannt, welche Schlösser und Kirchen Du uns in 2021 vorstellen wirst. Die meisten der bereits gezeigten habe ich noch nie gesehen und gerade das macht Deinen Blog für mich so interessant.
      LG
      Astrid

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