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Besuch vom Nikolaus 

Fabi, der eigentlich Fabian heißt, kuschelt sich in sein Bettchen. Die Mutter erzählt ihm die Geschichte vom Nikolaus, dem Bischof von Myra. Das tut sie schon zum gefühlten 50sten Mal. Auch im Kindergarten sprechen alle vom Nikolaus, der nun bald kommen soll.

Der kleine Junge freut sich riesig und am Abend des 5. Dezembers stellt er seine Nikolausstiefel vor die Wohnungstür, in der Hoffnung, dass der gute alte Mann auch Gaben für ihn dabei hat. 
„Wenn ich groß bin, will ich auch Nikolaus werden und alle beschenken“, gesteht er der Mutter und zaubert ihr damit ein Lächeln ins Gesicht. Sie gibt ihm einen Gutenachtkuss und streichelt ihm zart über seine braunen Haare.
„Bestimmt träumt Fabi heute Nacht vom Nikolaus“, meint sie zu ihrem Mann. „Sein Berufswunsch ist es neuerdings nämlich auch Nikolaus zu werden.“ „Da hätte ich eine Idee“, erklärt dieser seiner etwas verwundert schauenden Frau. „Ich muss nur mal schnell noch meinen Bruder anrufen.“

Am nächsten Tag rennt Fabi ständig zur Tür, um nachzusehen, ob schon etwas in seinen Stiefeln steckt. 
„Nichts drin!“, sagt er dann immer wieder enttäuscht.
„Vielleicht solltest du nicht so oft nachsehen, du störst den Nikolaus sonst bei seiner Arbeit“, erklärt ihm seine Mutter. Sie sieht ihrem kleinen Sohn an, wie schwer ihm das Warten fällt, daher versucht sie ihn mit Plätzchenbacken ein wenig abzulenken.
„Aber jetzt ist bestimmt was drin“, sagt er nachdem die Mutter das erste Backblech in den Ofen geschoben hat.
„Warte mal noch ein Weilchen“, versucht diese ihn zu vertrösten. „Ich denke nicht, dass der Nikolaus schon in unserer Nähe ist. Er hat viel zu tun.“
Verständnisvoll nickt Fabi, aber in seiner Ungeduld hüpft er von einem Bein auf das andere. 
„Vielleicht denkt er, ich bin bei Opa und Oma und bringt mir gar nichts hierher“, überlegt er laut.
„Dann wird ihm Opa schon sagen, dass du zu Hause auf ihn wartest“, erklärt ihm der Vater, der gerade von der Arbeit gekommen ist.
„Dann schlaf ich vielleicht schon“, sagt der Junge mit trauriger Stimme.
Einen Atemzug später klopft es laut an der Eingangstür. Fabi rennt erschrocken zu seinen Eltern und nimmt beide an der Hand.
„Ist er das?“, fragt er mit großen Augen.
„Keine Ahnung“, meint der Vater. „Wollen wir mal nachsehen?“
Stumm nickt der Junge und umklammert die Hände der Eltern noch fester, denn ganz geheuer ist ihm nun doch nicht zumute. So gehen sie alle Drei zur Wohnungstür, an der es schon wieder laut klopft. Während der Vater Fabis Hand loslässt, dieser mit der Mutter ein paar Schritte weiter hinten stehen bleibt, öffnet der Vater die Tür.
„Hallo!“, sagt eine tiefe Stimme, die von einem Mann im roten Mantel, roter Mütze und einem weißem Bart stammt . 
„Das ist der Nikolaus“, flüstert Fabi seiner Mutter zu und drückt sich fest an sie.
„Wohnt hier Fabian?“, ertönt die tiefe Stimme, die aber jetzt nicht mehr furchteinlösend klingt.
Fabi nickt. 
„Und wo ist er?“, will der Nikolaus nun wissen.
„Hier!“, sagt der Junge zaghaft.
„Aha! Dann bist du wohl auch der Junge, der später einmal Nikolaus werden will?!“
„Ja!“
„Na, da musst du aber noch Einiges lernen.“
„Ich bin ja auch noch klein“, wagt Fabi forsch zu seiner eigenen Verteidigung zu sagen.
„Naja, das stimmt, aber früh übt sich, wer einmal ein richtiger Nikolaus werden will“, erhält er von dem alten Mann zur Antwort. „Zuerst einmal musst du mutig sein und in den großen Sack hineingreifen, der neben mir steht. Schaffst du das?“
Fabi nickt stumm und geht ein paar Schritte vor. Er zieht die Mutter mit, so dass beide nun vor dem Nikolaus stehen.
„Das musst du schon alleine machen, wenn du dir aus dem Sack etwas herausholen willst. Das klappt doch, oder?!“
Wieder nickt Fabi, geht einen Schritt vor und schaut in den geöffneten Sack hinein. Ganz viele Nüsse und Äpfel kann er darin erkennen und auch seine eigenen gefüllten Stiefel.
„Na, trau dich und hol dir deine Nikolausstiefel heraus! Und auch ein paar Nüsse und Äpfel.“
Fabi schaut dem Nikolaus ins Gesicht. Die Augen kommen ihm seltsamerweise irgendwie vertraut vor, aber es bleibt ihm keine Zeit darüber nachzudenken. Er fasst seinen ganzen Mut zusammen, um in den Sack zu greifen und die für ihn bestimmten Gaben herauszuholen.
„Das hast du sehr gut gemacht“, lobt ihn der alte Mann mit dem weißen Bart. 
„Meinst du, du hast noch mehr Mut?“
Fabi traut sich nun auch noch mehr zu und nickt.
„Ich möchte nicht nur die Kinder beschenken, sondern auch die Tiere. Wenn du willst darfst du mitkommen, aber du musst deine Eltern mitnehmen, denn alleine darfst du niemals mit jemand mitgehen. Aber das weißt du ja!“
Fabi nickt wieder und blickt von der Mutter zum Vater, die ihm dies auch noch einmal sagen und ihr Mitkommen bestätigen.
Eine halbe Stunde später stapft der Nikolaus mit den Dreien durch den Schnee. Sie legen in die vielen aufgestellten Vogelhäuschen Futter und hängen Meisenknödel auf. 
Was der kleine Fabian allerdings nicht weiß, ist dass der Nikolaus eigentlich sein Onkel ist und sie sich im hinteren Teil von dessen sehr großen Garten befinden. Dort hat er nämlich wie jedes Jahr viele Vogelhäuschen aufgestellt.

 

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8 Kommentare

  1. eine schöne Geschichte 😉
    ja.. Nikolaus wäre doch ein schöner Beruf.. nur einmal im Jahr etwas zu tun .. hihi

    ein „richtiger“ Nikolaus kam nicht zu uns

    bei meinem Mann und seiner Schwester kam einmal der Nachbarsjunge (etliches älter ) als Nikolaus verkleidet
    mein Mann merkte aber schnell wer dahinter steckte und zog ihm am Bart..
    das ist der Heinz..
    und der lief heulend davon..
    …die verstehen auch keinen Spaß ..
    mein Mann hatte ihn an den Schuhen erkannt 😉

    so kann es auch gehen

    liebe Grüße
    Rosi

    • Astrid Berg sagt

      Mein Mann spielte mal den Nikolaus in der Klasse unseres Sohnes. Ein Freund unseres Sohnes erkannte ihn auch, aber er hielt „dicht“ und hat ihn nicht verraten.
      Liebe Grüße
      Astrid

  2. Solche Geschichten sind immer schön. Und wenn man selbst eine ähnliche erlebt hat, so vergisst man sie nie.
    Mein Vater hatte sich mal verkleidet und durch die Glastür ins Kinderzimmer geschaut. Nachher hat er abgestritten, dass jemand da war, er habe nichts bemerkt.
    Heut lachen wir drüber, damals war uns als kleinen Mädchen bange.
    Liebe Grüße in den Tag von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Ein Nachbarsjunge hat als Kind an Hl Abend durch das Schlüsselloch ins Wohnzimmer geschaut. Er sah nur etwas Weißes und dachte es sei das Christkind. Es war allerdings nur das Hemd seines Vaters, aber psst😉.
      Liebe Abendgrüße
      Astrid

  3. Das ist eine schöne Geschichte, liebe Astrid. Sie liest sich spannend und ich bekomme Erinnerungen zurück, als mich das erste Mal der Nikolaus besuchte. Ich war etwa 4 oder 5 Jahre alt und saß zitternd vor ihm auf einen Schemel in der Stube bei meiner Oma. Er schenkte mir meinen ersten Adventskalender. Und ich durfte gleich am ersten Tag 6 Türchen öffnen.
    Ich wünsche dir einen schönen 1. Advent.
    Liebe Grüße
    Traudi

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traudi,
      solche Erlebnisse behält man im Herzen und erinnert sich auch Jahrzehnte später noch daran. Ich freue mich, Dir diese Erinnerung mit meiner Geschichte zurückgebracht zu haben.
      Die Zeit scheint zu rennen, nun zünden wir morgen schon die zweite Kerze an.
      Ich wünsche Dir eine schöne Adventszeit und schicke Dir liebe Grüße.
      Astrid

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