Für Kinder, Kurzgeschichten
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Wer oder was bin ich?

Mia ist bei den Großeltern zu Besuch. Sie haben geplant heute eine Wanderung zu machen. Gerade als sie aufbrechen wollen, beginnt es zu regnen und auch Donner und Blitz lassen nicht lange auf sich warten.

„Bestimmt scheint in einer Stunde wieder die Sonne und wir können einen wunderschönen Regenbogen bewundern“, versucht Opa die Enkelin zu trösten.

„Was haltet Ihr davon, wenn wir in der Zwischenzeit ein kleines Spiel machen?“, fragt Oma. „Vielleicht eine Art Rätselraten?!“

„Ich weiß ein Rätsel, das hat mir mein Großvater immer gestellt“, grinst Opa. „Es hängt an der Wand, macht tick-tack und wenn es herunterfällt dann ist die…“

„Uhr kaputt!“, ruft Mia. „Opa, das hast du mir schon hundertmal erzählt, als ich noch ein ganz kleines Kind war. Inzwischen gehe ich schon in die Schule und kann lesen und schreiben.“

Fast ist Mia ein bisschen empört über Opas Rätsel. Sie ist doch nicht dumm und kann wirklich schon schwere Rätsel lösen.

„Ich habe mir gerade ein Rätsel überlegt“, mischt sich nun Oma ein. „Leicht ist es aber nicht. Ich denke jedoch, dass ihr es lösen könnt. Ihr dürft auch nach jedem Hinweis Fragen stellen.“

„Na dann mal los!“, ermuntert Opa seine Frau und Mia klatscht aufgeregt in die Hände.

„Also:“, Oma holt tief Luft. „Ich bin ja mal gespannt, ob ihr wisst, wer oder was hier und jetzt zu euch spricht: Eigentlich müsstet ihr mich kennen, denn mich kennt im Grunde genommen jedes Kind.“

„Ich auch?“, fragt Mia.

„Ja natürlich!“, nickt Oma ihrer Enkeltochter zu und fährt dann fort: „Möglicherweise liegt das an meiner großen Klappe, die übrigens auch alle meine Verwandten haben. Also, wenn Ihr mir persönlich vielleicht noch nicht begegnet seid, dann aber ganz bestimmt einem Mitglied meiner Familie. Wir sind nahezu überall vertreten.“

„Wirklich überall , – auf der ganzen Welt?!“, will nun Opa wissen.

„Gut, ein paar Ausnahmen gibt es schon. In der Sahara und im Busch halten wir uns nicht unbedingt auf, aber nichts ist unmöglich.“

„Das ist aber echt schwer, Oma. Du musst uns noch mehr erzählen!“, bittet Mia.

„Okay, okay! Was gibt es noch von mir zu berichten?“, überlegt die Großmmutter angestrengt, doch dann fällt ihr wieder etwas ein, das zur Lösung des Rätsels beitragen könnte:

„Einsam bin ich eigentlich nicht, denn ich bekomme jeden Tag Besuch, manchmal sogar mehrmals täglich. Gerne empfange ich meinen Besuch vor der Haustür, gegebenenfalls auch im Haus selbst.“

Jetzt hat Opa auch eine Frage, die er unbedingt loswerden muss: „Bringen die Besucher auch etwas mit?“

„Na aber sicher!“, betont Oma. „Diese Geschenke verwahre ich hinter Schloss und Riegel, denn sie sind mir wichtig und ich muss sie sicher aufgehoben wissen.“

Es entsteht eine Pause und alle denken angestrengt nach. Opa ist derjenige, der das Schweigen unterbricht:

„Bist du ein Mensch oder ein Ding?“

„Ein Ding!“, antwortet Oma kurz und knapp. Zwei Hinweise habe ich noch für euch: Ich kenne euren Geburtstag, weil ich euch die Glückwünsche überbringe.“

Opa kratzt sich nachdenklich am Kopf und Mia will wissen: 

„Kannst du sprechen? Weil du uns doch die Glückwünsche überbringst!?“

„Nein, das kann ich nicht! Aber denkt mal an meine große Klappe…!“

Wieder herrscht Stille und man könnte ein Blatt fallen hören. Plötzlich springt Mia auf: „Ich hab’s! Ich hab’s!“

„Psst! Ich komme schon noch drauf! Allerdings sollte mir jetzt Mia auch einen Hinweis geben. Anscheinend weiß sie ja, um was es sich handelt“, schlägt der Großvater vor.

„Ich sage nur…“, beginnt die Enkelin. „Mama hat am Samstag Geburtstag. Ich muss ihr unbedingt eine Glückwunschkarte schicken, weil ich da ja noch bei euch bin.“

Als hätte Opa plötzlich der Blitz getroffen oder besser gesagt, die Erleuchtung. Der Großvater schlägt sich vor die Stirn und ruft freudig aus:

Na klar! Es ist ein Br………“

 

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Brief an die Oma

Oma Schmidt braucht Hilfe

 

8 Kommentare

  1. Liebe Astrid, sei herzlich gegrüßt.
    Bin wieder da.
    Rätselspiele machten wir früher auch mit unseren Jungs.
    AllesGute, tschüssi Brigitte

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Brigitte,
      es ist schön, wieder von Dir zu „hören“.
      Rätselspiele sind in jedem Alter interessant und machen Spaß. Wir haben als Kinder gerne Beruferaten gemacht oder „Montagsmaler“ ( nach der gleichnamigen Sendung) gespielt.
      LG
      Astrid

  2. Liebe Astrid,
    das ist wahrlich ein hübsches Spiel und ich habe auch selber gerne mitgespielt. Ab dem Hinweis „Einsam bin ich eigentlich nicht, denn ich bekomme jeden Tag Besuch, manchmal sogar mehrmals täglich. Gerne empfange ich meinen Besuch vor der Haustür, gegebenenfalls auch im Haus selbst“ hatte ich den dringenden Verdacht, dass es sich um einen Briefkasten handeln muss 😊.
    Herzlichen Dank für deinen Kommentar per Mail; ich habe ihn bei meinem vorigen Blogbeitrag veröffentlicht und dir dort auch eine Antwort hinterlassen.
    Herzliche Pfingstmontagsgrüße
    Traude 🌸😘
    https://rostrose.blogspot.com/2020/05/fruhlingstage-in-haus-und-garten.html

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      entschuldige bitte, dass ich erst jetzt auf Deinen Kommentar antworte, aber ich war mit der Familie unterwegs (in meinem neuesten Beitrag berichte ich davon).
      Du scheinst eine geübte Rätselraterin zu sein, denn Du hast die richtige Lösung gefunden 😀.
      Genieße das Wochenende und sei herzlich gegrüßt.
      Astrid

  3. Moin liebe Astrid,
    … ein Briefkasten?
    Solche Spiele haben wir auch immer mit den Kindern und Enkeln gemacht.
    Sie machen Spaß und vertreiben die Langeweile.
    Als die Kinder noch zuhause wohnten gab es bei uns öfter mal einen Spieleabend.

    Hab eine schöne Woche.
    Liebe Grüße
    Biggi

    • Astrid Berg sagt

      Perfekt, liebe Biggi! Man merkt, Du hast Übung im Rätselraten 😀. Da wir noch keine Enkel haben, stehen uns solche Spielrunden noch bevor 😉.
      Ich wünsche Dir schon jetzt schöne Pfingsten .
      LG
      Astrid

  4. Nur eines der kleinen Dinge die uns der derzeitige Zustand der Abstände und Isolation als Geschenk überrecht ist dies Rätsel und viele andere Spiele die man miteinander sogar am Telefon, über das Internet, die Multi media Seiten oder über den Gartenzaun hinweg miteinander machen kann.
    Miteinander spielen und sich beschäftigen fördern den Zusammenhalt, und die Gemeinsamkeit und dies nicht nur in der Familie.
    eine sehr hübsche Geschichte, die anzeigt wie schön man sich doch die Zeit miteinander vertreiben kann..
    lieben Gruß Angelface

    • Astrid Berg sagt

      Spiele sorgen für Abwechslung und ein Gemeinschaftsgefühl, allerdings sollte man im Falle des Falles auch ein guter Verlierer sein können.
      Danke für Deinen netten Kommentar und liebe Grüße in den Vogelsberg.
      Astrid

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