Gedichte
Kommentare 1

Tante Frieda

Immer wieder sonntags geschieht das selbe Spiel
und man muss zugeben, Tante Frieda hat Stil.
Sie holt ihr bestes Kleid aus dem Schrank,
es passt ihr immer noch, Gott sei Dank.

Legt um ihren Hals die kosbare Perlenkette,
denn damit macht sie Eindruck, jede Wette.
Fehlen darf auch nicht der chice große Hut,
sie weiß, dieser kleidet sie besonders gut.

Erhobenen Hauptes schreitet sie von dannen,
biegt dann ab bei den drei großen Tannen.
Der Bus bringt sie in die lebhafte Stadt,
dort ein ganz bestimmtes Ziel sie hat.

Hier gleich neben der Kirche auf dem Marktplatz,
ist Tante Friedas angestammter Sonnenplatz.
Sie ist bei allen beliebt und wohlbekannt
und wird nur „Frau Gräfin“ dort genannt.

Der Ober weiß, was sie sich gedenkt auszusuchen,
ein Tässchen Kaffee, dazu ein Stückchen Kuchen.
Und obendrauf gehört zum guten Schluss
noch ein Tupfen Sahne, welch ein Genuss.

„Frau Gräfin wünscht noch einen kleinen Likör?“,
fragt geschwind der Ober, dieser nette Charmeur.
Zu einem Glas Eierlikör sagt sie nicht nein,
egal ob bei Regen oder bei Sonnenschein.

Gut gelaunt beobachtet sie das bunte Treiben
und gedenkt noch ein Stündchen zu bleiben.
Doch das Leben ist manchmal gemein,
sie muss noch vor der Dunkelheit heim.

So haucht der Ober beim Abschied zum Schluss,
ihr auf die dargereichte Hand einen zarten Kuss.
„Gräfin, beehren Sie uns bald wieder!“
Tante Frieda senkt beglückt die Augenlider.

Am nächsten Sonntag geschieht das selbe Spiel.
Das Café am großen Platz ist ihr liebstes Ziel.
Der Ober längst hat erobert ihr Herz,
er hofft, es ist Liebe und kein Scherz.

 

 

*Diese schöne Figur fand ich vor einem Restaurant in der Dresdener Innenstadt nahe der Frauenkirche. Ich konnte nicht anders, musste sie einfach fotografieren und ihr ein Gedicht widmen. Selbstverständlich handelt es sich hierbei um eine erfundene Geschichte. Mir ist weder diese Dame oder ihr mögliches Ebenbild, noch der Erschaffer dieser Figur bekannt. Gedicht und Inhalt entspringen meiner Fantasie und haben nichts mit lebenden oder verstorbenen Personen, bzw. stattgefunden Ereignissen oder dem betreffenden Restaurant zu tun. Mir hat diese Figur einfach nur gefallen und meine Fantasie beflügelt.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Auch das bin ich

Sachen gibt’s, die gibt’s gar nicht!

Vom Winde verweht

1 Kommentare

  1. ein weitergeleiteter Kommentar von meiner Mama:

    Liebe Astrid,

    da gibt es nix zu erfinden, daß passiert immer mal wieder, wenn gepflegte Dame auf einen einsamen und höflichen Ober trifft. Die Frau Gräfin hätte mir jedenfalls auch sehr gut gefallen und ich hätte meine Kamera ebenfalls bemüht, sie festzuhalten. Schön ein Gedicht daraus zu machen, der Kuchen mit Kaffee und das Likörchen hätten mir auch geschmeckt. Sollte ich noch jemals nach Dresden reisen, werde ich der Frau Gräfin einen Besuch abstatten und mit ihr bei dem netten Herrn Ober ein Käffchen schlürfen.
    Hach wie schön ist so eine Kaffeestund, ich liebe diese Gelegenheiten.
    Danke für das schöne Gedicht und die Idee dazu.

    Liebe Grüße von der Helga

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

* Die Checkbox für die Zustimmung zur Speicherung ist nach DSGVO zwingend.

Ich akzeptiere