Alle Artikel mit dem Schlagwort: Zeit

Im Sauseschritt

  Wie doch die Zeit ist verronnen, wieder hat eine neue Woche begonnen. Sie hat keine Zeit zu verweilen, darum müssen wir uns immerzu beeilen. Im Nu ist es dann Wochenmitte, es geht vorwärts im schnellen Schritte. Ein Tag nach dem anderen verstreicht und geschwind ist das Monatsende erreicht. Der September dann von uns geht, Oktoberwind uns um die Nase weht. Laub sich verfärbt, Drachen steigen, bunte Blätter im Tanz durch die Lüfte gleiten. Doch die Zeit bleibt nicht stehen. Der goldene Oktober wird vergehen, dem Regen im November weichen, dem kalten Dezember die Hand hinreichen. Drum sollten wir jetzt innehalten, jeden Augenblick uns schön gestalten. Vorüber ist nämlich weder diese Woche, noch Monat, Jahr oder gar diese Epoche.       Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen: Herbstgedanken Mister Tremblehand Sommerabschiedsgruß Liebeserklärung *Dieses Gedicht habe ich bei Rostrose und ihrer Aktion ANL verlinkt https://rostrose.blogspot.com/2018/09/anl-33-warum-bio.html

Steine der Erinnerungen

Meine Mutter sitzt in der Küche und blättert in einer Zeitschrift. Sie sucht das Kreuzworträtsel, denn sie hat das Rätseln als ihr Hobby auserkoren und ist auch sehr gut darin. Ich schaue ihr über die Schulter und sehe, die aufgeschlagene Seite, allerdings handelt es sich hierbei nicht um die Rätselseite. „Lass doch mal sehen“, sage ich. „Das sind ja alles Heilsteine!“ „Willst du den Artikel dazu lesen?“, fragt sie mich, als ich mich über die Doppelseite beuge. „Nein, lass mal. Mach du erst einmal dein Kreuzworträtsel.“ Mir ist in diesem Moment nämlich etwas in den Sinn gekommen und ich muss sofort nach oben und danach suchen. Es dauert auch nicht lange und ich halte das besagte Etwas in den Händen. Sofort flitze ich wieder nach unten zu meiner Mutter. „Schau mal, was ich hier habe.“ „Oh!“, sagt sie. „Das ist aber ein hübsches Silberarmband. Woher hast du das?“ Anscheinend kann sie sich nicht mehr daran erinnern, aber es ist ja auch schon ziemlich lange her. Es muss wohl so in meiner Pubertät gewesen sein oder …

Ach du liebe Zeit!

Erschöpft lässt sich Lara auf den Sessel plumpsen. Sie schließt die Augen und denkt erleichtert: „Geschafft! Das war die letzte Umzugskiste!“ Sie ist fertig und kann es kaum glauben. Ein bisschen Stolz mischt sich zu den Gefühlen der Freude und Erschöpfung. Na klar, sie hat auch Helfer gehabt. Gute Freunde gingen ihr die letzten Tage zur Hand und unterstützten sie tatkräftig. Das Auspacken der Umzugskisten wollte sie jedoch alleine bewältigen. Am Anfang machte es ja auch noch Spaß, aber sie hat wohl die Anzahl der Kisten unterschätzt und den Kleinkram, den sie zu Tage förderte ebenso. Aber jetzt ist es endlich geschafft.  Als sie einen Blick zum Fenster hinaus wirft, stellt sie fest, dass es ein herrlicher Spätsommertag ist, den man nicht drinnen verbringen sollte. Schnell hüpft sie unter die Dusche, schlüpft in eine saubere Jeans und eine weiße Bluse, zieht ihre Pumps an und macht sich auf den Weg zur Altstadt. Dort sucht Lara sich in einem hübschen Straßencafe einen unbesetzten Tisch in der Sonne. Sie genießt die vermutlich letzten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Sommers ebenso …

Die zwei Alten

  Schaut nur, wo wir sind gelandet, neben Müll und Zigaretten gestrandet. Undank, so sagt man, ist der Welten Lohn, man erntet nur noch Spott und Hohn. Einst wir waren neu, chic und fein, kosteten gar manchen großen Schein. Bewundernde Blicke wir erhielten von allen Seiten, standen im Regal trotzdem ganz bescheiden. Eines Tages dann kam er vorbei, der unser Herr von nun an sei. Sportlich und fit, er war von Statur, ihm fehlten die passenden Schuhe nur. Umschlossen seine Füße geschmeidig und weich, so dass er uns zu lieben begann sofort und gleich. Stolz und glücklich schaute er uns an, wir sollten ihn begleiten jetzt und dann. Stets und alle Zeit wir ihm zu Diensten waren, vor Blasen und Schwielen konnten ihn bewahren. Auf Schritt und Tritt wir haben ihn begleitet, damit er auch ja keine Qualen erleidet. So manche Narben und Schunden, Schrammen, Löcher und auch Wunden haben wir in all den Jahren leider erhalten, doch wir haben uns immer treu und fair verhalten. Eines Tages war es dann endgültig soweit, vorbei war …

Gedankenverloren

Nachdem wir in unserem Haus treppauf und treppab gerannt sind, alle Taschen und Koffer gepackt und im Kofferraum des Autos verstaut haben, sitzen wir nun endlich im Wagen. Eigentlich könnte es jetzt losgehen, doch mein Mann macht keinerlei Anstalten den Motor zu starten. „Jetzt fahr doch endlich!“, sage ich schon etwas leicht genervt. „Oder hast du was vergessen?“ „Ich? Nee!“ „Worauf wartest du denn dann?“, frage ich kopfschüttelnd. „Ich dachte nur, ich gebe dir noch ein bisschen Zeit zum Nachdenken.“ „Was soll ich denn nachdenken. Irgendwie sprichst du in Rätseln!“ „Naja, hast du alle Fenster zu? Ist die Vorder- und auch die Hintertür abgeschlossen?“, fragt mich mein Mann ab. „Das schon!“, antworte ich ihm. „Aber weißt du, ob in der Ankleide das Licht aus ist?“ „Als ich mir meine Jacke geholt habe, war es aus. Wenn du allerdings noch einmal drin warst…“ „Ich habe mein Tuch gesucht, das zu meiner Jacke gehört“, überlege ich laut. „Ob das jetzt vor dir oder nach dir war, kann ich nicht sagen.“ „Dann steig einfach noch einmal aus und …

Brief an die Oma

Wie Ihr ja wisst, krame ich gerne mal in meinen Erinnerungskisten. Neben den üblichen Fotoalben besitze ich nämlich auch noch kleine Aufbewahrungskartons mit verschiedenen Fotos, die niemals eingeklebt wurden. Aus welchen Gründen auch immer sie dort gelandet sind, aber auf jeden Fall waren sie zu wertvoll, um sie zu entsorgen. Weiterhin gibt es auch noch ein paar Sammelmappen mit alten Postkarten, Briefen und dergleichen mehr. Und hier bin ich wieder einmal fündig geworden. Ich habe eine kleine liebevoll gestaltete Postkarte gefunden, die mir sofort ein Lächeln ins Gesicht gezaubert hat. Auf ihr wird ein Ereignis aus dem Leben unseres Sohnes festgehalten, das ich Euch nicht vorenthalten möchte. Es ist ein kleiner neuer Lebensabschnitt, der durch dieses Ereignis beginnt. Es ist im Grunde genommen nichts, was die Welt aus den Angeln hebt. Aber trotzdem ist es für jede Familie mit einem Kleinkind immer wieder etwas Besonderes und doch irgendwie etwas Einmaliges. Warum sonst hätte ich damals diese Zeilen stellvertretend für unseren Sohn an seine Oma geschrieben?! Und so sieht die Vorderseite der Karte aus: Unterhalb dieser …

Verdammt lang her!

„Kinder, wie die Zeit vergeht.“ „Verdammt lang her.“ Diese Aussprüche hört man oft und sagt sie auch manchmal selbst. An den eigenen Kindern kann man dies am deutlichsten feststellen. Gerade erst gestern fand zum Beispiel ein wichtiger Abschnitt im Leben unseres Sohnes seinen krönenden Abschluss. Aber nicht nur Menschen zeigen uns auf, wie die Zeit vergeht und wie lange gewisse Begebenheiten schon zurückliegen. Selbst an leblosen Dingen nagt der Zahn der Zeit, doch auch hier ist gute Pflege das beste Mittel gegen das Altern.  Ich halte gerade ein Foto von einem Schrank in den Händen, der zwar immer noch in meinem Arbeitszimmer steht, aber auch schon in unserer ersten Wohnung vor fast 33 Jahren einen Platz hatte. Und das ist auch der Grund dafür, dass ich Euch heute von unserer ersten gemeinsamen Wohnung erzählen möchte, denn jedes einzelne Möbelstück hat seine ganz eigene Geschichte. Mein Mann studierte noch in Darmstadt und ich war gerade mit meinem Lehramtsstudium an der Justus-Liebig-Universität in Gießen fertig. Da wir uns immer nur am Wochenende sehen konnten, war es jetzt unser Wunsch …

Sonne, Mond und Sterne

Diese Gestirne kann man von überall auf der Welt sehen. Doch unsere kleine Reise nach Rostock, das von uns ungefähr drei Autostunden entfernt liegt, präsentierte uns Sonne, Mond und Sterne in einer ganz anderen Gestalt. Ich fand sie in der dortigen St.-Marienkirche und sie soll sich Euch heute in ihrer ganzen Pracht und Schönheit selbst vorstellen und erklären: „Ich bin eine astronomische Uhr und stehe hier in der St.-Marienkirche in Rostock. Mit Stolz kann ich von mir behaupten, dass ich weltweit die älteste Uhr dieser Art bin, die noch mit dem Originalwerk funktioniert. Und das sogar sehr zuverlässig. Meine Entstehung wird auf das Jahr 1472 beziffert und mein Erbauer war Hans Düringer. Er hat mich nach dem Vorbild einer noch  älteren Uhr von Nicolas Lilienfeld aus dem Jahre 1379 erbaut. Ich bin nicht in einem Stück entstanden, sondern in mehreren Etappen. So wurde z. B. erst 1641/42 ein Renaissance Rahmen erstellt, das Glockenspiel und der Apostelrundgang, von dem ich noch erzählen werde, wurden hinzugefügt. 1974 bis 1977 wurde ich von Grund auf von dem Berliner …

Kurztrip (3): Zeit erleben

Heute sind wir schon beim dritten Teil der Berichterstattung über unseren Kurztrip nach Dresden und Umgebung angekommen. „Kinder, wie die Zeit vergeht.“ Jeder von uns kennt diesen Ausspruch. Manchmal wünscht man sich die Zeit würde stillstehen, manchmal rennt die Zeit uns einfach davon und hin und wieder, wenn man auf etwas wartet, hat man das Gefühl, dass sie gar nicht vergeht. Doch sie läuft stetig und gleichmäßig weiter. Und hier kommt die Zeitmessung ins Spiel.  Südlich von Dresden liegt das kleine Städtchen Glashütte, welches weltweit bekannt ist. Seit über 165 Jahren hat in diesem Städtchen die deutsche Uhrmacherkunst ein bedeutendes Zentrum gefunden. Und ich möchte Euch heute an unserem Besuch im Deutschen Uhrenmuseum in Glashütte teilhaben lassen. „Mit der Gründung der ersten Manufakturen in der Mitte des 19. Jahrhunderts beginnt die Geschichte der Uhrenindustrie in Glashütte. Mit Leidenschaft, Können und unternehmerischen Geschick verwirklichen talentierte Uhrmachermeister wie Ferdinand Adolph Lange, Julius Assmann, Moritz Großmann und Adolf Schneider ihren Traum von einer eigenständigen sächsischen Uhrenindustrie und begründen den weltweiten Ruf des Ortes. So bilden Unternehmergeist und Hingabe …

Ein schönes Geschenk

Am dritten Adventswochenende haben wir uns kurzentschlossen in den Trubel gestürzt. „Lass uns nach Berlin fahren und uns dem Rausch des Weihnachtsshoppings hingegeben“, habe ich meinem Mann vorgeschlagen. Es war einfach nur unbeschreiblich und schon ein bisschen  seltsam, wenn anscheinend alle zur gleichen Zeit auf die gleiche Idee kommen. Menschenmassen strömten durch die Straßen Berlins hinein in das Getümmel in den Kaufhäusern und den Weihnachtsmärkten.  Vom ersten Stock des Alexa aus konnte ich den Menschenstrom beobachten, der sich durch die weit geöffnete Tür auf der einen Seite den Weg nach innen und auf der anderen Seite nach außen bahnte. „Der Mensch ist tatsächlich ein Herdentier!“, dachte ich mir und mischte mich ebenfalls unter das Volk. Überall nur Schlangen, vor den Eingangstüren der Kaufhäuser, an den Kassen, an den Ständen, vor den Parkhäusern und selbstverständlich vor den Toiletten. „Warum tun wir Menschen uns dies nur jedes Jahr immer wieder an? Werden wir denn nicht schlauer?“, frage ich mich insgeheim. Eigentlich schon. Man nimmt es sich jedenfalls vor, doch das vorletzte Wochenende vor Weihnachten packt uns dann …