Alle Artikel mit dem Schlagwort: Cafe

Tante Frieda

Immer wieder sonntags geschieht das selbe Spiel und man muss zugeben, Tante Frieda hat Stil. Sie holt ihr bestes Kleid aus dem Schrank, es passt ihr immer noch, Gott sei Dank. Legt um ihren Hals die kosbare Perlenkette, denn damit macht sie Eindruck, jede Wette. Fehlen darf auch nicht der chice große Hut, sie weiß, dieser kleidet sie besonders gut. Erhobenen Hauptes schreitet sie von dannen, biegt dann ab bei den drei großen Tannen. Der Bus bringt sie in die lebhafte Stadt, dort ein ganz bestimmtes Ziel sie hat. Hier gleich neben der Kirche auf dem Marktplatz, ist Tante Friedas angestammter Sonnenplatz. Sie ist bei allen beliebt und wohlbekannt und wird nur „Frau Gräfin“ dort genannt. Der Ober weiß, was sie sich gedenkt auszusuchen, ein Tässchen Kaffee, dazu ein Stückchen Kuchen. Und obendrauf gehört zum guten Schluss noch ein Tupfen Sahne, welch ein Genuss. „Frau Gräfin wünscht noch einen kleinen Likör?“, fragt geschwind der Ober, dieser nette Charmeur. Zu einem Glas Eierlikör sagt sie nicht nein, egal ob bei Regen oder bei Sonnenschein. Gut gelaunt …

Ach du liebe Zeit!

Erschöpft lässt sich Lara auf den Sessel plumpsen. Sie schließt die Augen und denkt erleichtert: „Geschafft! Das war die letzte Umzugskiste!“ Sie ist fertig und kann es kaum glauben. Ein bisschen Stolz mischt sich zu den Gefühlen der Freude und Erschöpfung. Na klar, sie hat auch Helfer gehabt. Gute Freunde gingen ihr die letzten Tage zur Hand und unterstützten sie tatkräftig. Das Auspacken der Umzugskisten wollte sie jedoch alleine bewältigen. Am Anfang machte es ja auch noch Spaß, aber sie hat wohl die Anzahl der Kisten unterschätzt und den Kleinkram, den sie zu Tage förderte ebenso. Aber jetzt ist es endlich geschafft.  Als sie einen Blick zum Fenster hinaus wirft, stellt sie fest, dass es ein herrlicher Spätsommertag ist, den man nicht drinnen verbringen sollte. Schnell hüpft sie unter die Dusche, schlüpft in eine saubere Jeans und eine weiße Bluse, zieht ihre Pumps an und macht sich auf den Weg zur Altstadt. Dort sucht Lara sich in einem hübschen Straßencafe einen unbesetzten Tisch in der Sonne. Sie genießt die vermutlich letzten wärmenden Sonnenstrahlen dieses Sommers ebenso …

Astrid, Opa und das Eis

Wir schrieben das Jahr 1963 und ich hatte gerade meinen 3. Geburtstag gefeiert. Meine Oma war bereits seit ungefähr einem Jahr schon im Himmel und schaute sicherlich auf uns herab. Mein Opa wohnte jetzt in seinem Haus alleine und ich, Klein-Astrid, durfte ab und zu mal bei ihm übernachten. Ich war gerne bei meinem Opa. Ich hatte nur diesen einen Opa, den Vater meines Vaters. Zu meinem Erlebnis gibt es keine Fotos. Manches weiß ich aus Erzählungen, an einige Dinge meine ich mich tatsächlich noch zu erinnern. Ich habe beispielsweise das kleine Café noch fest in meinem Kopf verankert, obwohl es schon seit Jahrzehnten nicht mehr existiert und nichts mehr daran erinnert. Auch die Kreuzung, die nahegelegene Molkerei und die Tankstelle gibt es nicht mehr. – Versetzen wir uns also zurück an den Anfang der Sechziger Jahre: Ich bin über das Wochenende bei meinem Opa, spiele in seinem Garten, streichele seinen Hund Bazi und gehe mit meinem Opa in die Stadt. „Komm Astrid“, fordert er mich auf, „wir gehen ein bisschen spazieren!“ Mein Opa setzt …

Zeitreise

Am Wochenende haben wir wieder einmal einen Ausflug in den Spreewald gemacht. Und zwar führte uns unser Weg nach Burg und dort marschierten wir gezielt zum alten Spreewaldbahnhof, der sich mitten im Ort befindet. Nein, wir wollten nicht mit dem Zug verreisen. Dieser Bahnhof ist schon längst stillgelegt und seit 1995 befindet sich in dem historischen Gebäude ein Gasthaus und eine Pension. Aber unser Ziel war ein anderes: Wir steuerten direkt auf ein Café der besonderen Art zu, um uns hier auf eine Zeitreise in die Vergangenheit zu begeben und zwar innerhalb von Reklame und Verpackung. Dieses „Reclamecafé“, wie es vom Inhaber genannt wird, zeichnet sich durch eine Ladenstraße aus, die sich im oberen Stockwerk des Gebäudes direkt vor dem Spreewaldbahnhof befindet. Diese Art eines Cafés ist einmalig in Deutschland. Werner Motzek, wie der Inhaber heißt, hat 45 Jahre gesammelt und zusammengetragen, um dieses einzigartige Reclamecafé mit alter Ladenstraße entstehen zu lassen. Er hat Schilder, Dosen, Behältnisse,   alte Ladeneinrichtungen, Möbel, Fenster, Türen etc. von alten Geschäften aufgekauft und restauriert, die sonst nach der jeweiligen Geschäftsaufgabe vergessen …