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Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Danke Hops! (3)

Hops und Rosa konnten aus ihrem Versteck unbemerkt fliehen. Trotzdem gestaltet sich ihre Flucht nicht problemlos. Plötzlich vernimmt Hops Schritte und kann auch hinter einem Baum ein Wesen erkennen, das sie eingehend beobachtet.

Rosa ist mucksmäuschenstill. Auch sie hat mittlerweile die Schritte vernommen. Da sie sich allerdings hinter Hops versteckt, sieht sie nicht wer ihnen nun geradewegs entgegen kommt. Sie fürchtet, es könnte das Ungeheuer vom Abend zuvor sein oder irgendeine andere furchteinflößende Bestie. Doch noch bevor sie sich die schlimmsten Vermutungen ausmalen kann, ruft Hops dem Wesen etwas zu.
„Hallo!!! Was machst du hier?“
Hops Frage klingt in Rosas Ohren kein bisschen ängstlich. Ja, eher sogar erfreut.
„Das ist doch gar nicht dein Revier!“, stellt der Hasenjunge jetzt fest.
Neugierig versucht nun Rosa einen Schritt neben ihren Beschützer zu treten, um ebenfalls einen Blick auf den ihr Unbekannten werfen zu können. Dieser ist groß und sieht sehr mächtig aus, aber sein Blick ist freundlich.
„Das wollte ich gerade dich fragen. Alle suchen dich, sind in großer Aufregung und Sorge um dich,“ erklingt eine tiefe Stimme. „Und wer ist das neben dir?“
„Wie ich hierher komme? Ach, das ist eine lange Geschichte, die ich dir aber gerne erzähle. Aber zuerst möchte ich euch gegenseitig vorstellen. Das ist Rosa, die ich selbst gestern erst kennengelernt habe. Und das, liebe Rosa, ist Helmut der Hirsch.“ Hops deutet von einem zum anderen und erkennt, dass sich die Beiden gegenseitig anlächeln und sich auf Rosas Gesicht Erleichterung ausbreitet.
Trotz der sichtlichen Entspannung der Lage schreckt das Hasenmädchen ganz schrecklich zusammen, als sie aus der Luft einen eigenartigen Laut vernimmt. Sie verkriecht sich sofort wieder hinter Hops und sucht seinen Schutz.
„Keine Angst“, vernimmt sie Helmuts beruhigende Stimme, „das ist Aurelia, die Eule.“
„Sie ist so etwas wie unsere Botschafterin und Kundschafterin“, erklärt nun auch Hops dem kleinen Hasenmädchen.
„Also tut sie uns nichts zu leide?“, fragt dieses noch immer etwas vorsichtig.
„Nein. Sie hat mir geholfen Euch zu finden“, berichtet Helmut der Hirsch.
„Und jetzt werde ich Eure Rückkehr im Osterhasendorf und bei allen, die euch suchen, ankündigen“, ruft es über ihren Köpfen, bevor sich Aurelia auf den Weg macht, um die frohe Botschaft zu verkünden.
Nachdem sich auch diese vermeintliche Gefahr entschärft hat, merkt Rosa wie sehr sie die ganze Aktion angestrengt hat. Dies bleibt auch den beiden anderen nicht verborgen.
„Du siehst müde aus“, meint Helmut zu dem Hasenmädchen. „Willst du dich auf meinen Rücken setzen, während ich euch zur Osterhasenfamilie bringe. Sie werden sich sicherlich sehr freuen.“
Dankbar nimmt Rosa dieses liebe und wohlgemeinte Angebot an. Kaum sitzt sie auf dem Rücken des Hirsches, fallen ihr auch schon die Augen zu.
Nachdem Hops seinem Freund Helmut alles ausführlich berichtet hat und von ihm für seinen Mut gelobt wurde, marschiert der stolze Hasenjunge neben dem Hirsch in das Osterhasendorf.
Durch Eule Aurelias Kundschaft von der Rettung der beiden Hasenkinder herrrscht im Osterhasendorf helle Aufregung. Alle haben sich auf dem Dorfplatz versammelt, um die drei Freunde mit Jubel im Osterhasendorf zu begrüßen. Auch Rosas Eltern sind herbeigeeilt.
„Hoch soll er leben!“, rufen sie Hops zu und gratulieren ihm. „Herzlich willkommen!“
Rosas Eltern sind überglücklich, dass sie ihre Tochter wohlbehalten in den Arm nehmen können. Der Mama kullern die Freudentränen aus den Augen und sie streicht Rosa immer wieder zärtlich über den Kopf.
„Danke Hops“, sagt Rosas Vater. „Dein Mut und deine Klugheit haben dich zum Retter unserer Tochter gemacht. Wir sind dir zu unendlichem Dank verpflichtet.“
Der Oberosterhasenlehrer, der ja auch gleichzeitig der Papa von Hops ist, klopft seinem Sohn stolz auf die Schulter.
„Das hast du wahrlich meisterhaft gemacht, wie ein richtiger Osterhase. Deshalb verleihe ich dir das goldene Band und ernenne dich nun feierlich zum Ehren-Osterhasengehilfen.“
Mit diesen Worten hängt der Oberosterhase dem strahlenden Hops das goldene Band um und flüstert ihm sichtlich gerührt ins Ohr:
„Das bisschen Eiermalen machst du doch mit links! Ich bin stolz auf dich, mein Sohn!“

 

Ich wünsche Euch allen ein frohes Osterfest und viel Spaß beim Ostereiersuchen!!!

Liebe Grüße 

von

Astrid Berg

 

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Die Abenteuer des kleinen Hops

Die Chance (2)

 

 

Die Chance (2)

Hops kann in dem Versteck nicht lange schlafen. Seine Gedanken kreisen selbst im Schlaf durch seinen Kopf und so ist er trotz Müdigkeit schon nach kurzer Zeit wieder hellwach. Außerdem hört er das leise Wimmern neben sich. Es kommt von dem kleinen Hasenmädchen, das sich zitternd an ihn gekauert hat.

„Nicht weinen“, versucht er es zu trösten. „Wir werden gerettet. Außerdem bin ich auch noch da und ich lasse mir etwas einfallen.“
Das Hasenmädchen schmiegt sich noch ein bisschen mehr an ihn und Hops weiß, dass er bald etwas tun muss, damit keine Panik ausbricht.
„Wie heißt du eigentlich?“, will er nun wissen. „Ich bin Hops aus der Familie des Oberosterhasens.“
„Oh“, hört er die erstaunte Stimme des Hasenmädchens. „Mein Name ist Rosa. Mein Vater heißt Robert und meine Mutter Sarah und für mich haben sie einfach jeweils die ersten beiden Buchstaben ihrer Namen zusammengefügt und dabei kam dann Rosa heraus.“
„Das klingt sehr hübsch!“, macht Hops ihr ein Kompliment und hat das Gefühl, dass Rosa lächelt. Nur sehen kann er dieses Lächeln wegen der Dunkelheit nicht.
Jetzt erst fällt ihnen auf, dass von draußen kein Laut mehr zu ihnen herein dringt. Vorsichtig lugt Hops nach draußen, wo es durch den Vollmond heller ist als drinnen in dem Baumstamm.
„Ich glaube, das Ungeheuer hat aufgegeben und hat sich verzogen. Ich werde einmal nachschauen!“
„Nein, bitte bleib hier, sonst bin ich doch ganz allein!“, bettelt Rosa.
„Das ist unsere einzige Chance zu entkommen. Wenn erst der Tag wieder anbricht, kommt vielleicht auch das Ungeheuer wieder.“
Nicht nur Rosa muss jetzt mutig sein, sondern auch Hops. Er atmet dreimal tief durch und dann schleicht er sich leise auf seinen Hasenpfoten hinaus. Vorsichtig schaut er sich um. Nichts! Alles ist still und ruhig, als würden alle außer ihnen schlafen.
Hops erkennt die Chance zu fliehen, doch niemals würde er das jetzt alleine tun. Seine neue Freundin Rosa kann und will er nicht im Stich lassen. Also hopst er wieder zurück zum Baumstamm und schlüpft durch die Öffnung. Drinnen wird er sehnsüchtig von einem zitternden Hasenmädchen empfangen.
„Wir müssen es wagen und unsere Flucht antreten. Ich hoppele voraus und du folgst mir ganz dicht. Ich werde dich beschützen. Hab keine Angst wir schaffen es!“, spricht er Rosa und ein kleines Bisschen auch sich selbst Mut zu.
Das Hasenmädchen hat tiefstes Vertrauen zu Hops und folgt ihm so dicht wie sie nur kann. Solange sie seine Wärme spürt, fühlt sie sich beschützt.
Der Mond meint es gut mit ihnen, denn er scheint nur für die Beiden zu leuchten. So finden sie problemlos ihren Weg und entfernen sich Minute für Minute mehr von ihrem Versteck. Doch plötzlich bleibt Hops erschrocken stehen.
„Pst!“, zischt er Rosa zu. „Da ist jemand! Ich kann Schritte vernehmen.“
Wie gebannt lauschen die Zwei mit angehaltenem Atem. Tatsächlich, da nähert sich ein Wesen.
Hops sucht mit seinen Augen die Richtung ab, aus der die Schritte kommen. Doch auf einmal ist es wieder still. Es ist unheimlich. Irgendwo muss sich ein Wesen verstecken.
„Nicht rühren!“, denkt Hops noch und ärgert sich, dass sein Herz so heftig pocht. „Hoffentlich kann das niemand hören“, überlegt er. „Da!“, flüstert er Rosa zu und zeigt mit seiner Vorderpfote zu einem Baum, der ungefähr fünfzig Meter vor ihnen am Wegrand steht.
„Was oder wer ist das?“, fragt er sich insgeheim.
Leider hat sich inzwischen eine Wolke vor den Mond geschoben und so stehen die beiden Häschen wieder einmal vollkommen in der Dunkelheit. Wie erstarrt verharren sie da und sind zu keiner Regung mehr fähig.
Zum Glück war es nur eine kleine Wolke, die schnell wieder abzieht und den Mond Stückchen für Stückchen erneut freigibt. Jetzt kann Hops auch erkennen, wer da hinter dem Baum hervorlugt und sie beobachtet …

Fortsetzung folgt…

 

 

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Hops hat eine Idee

Das fliegende Ei

 

Die Abenteuer des kleinen Hops (1)

Hops sitzt ein wenig traurig auf der Wiese und schaut zu, wie die Schüler aus der Osterhasenschule ihr Ehrenband als diplomierte Osterhasenhelfer erhalten. Er bekommt leider kein solches Band und das dazugehörige Diplom auch nicht. Nicht in diesem Jahr. Hops weiß, dass es seine eigene Schuld ist, denn er hatte letztes Jahr keine Lust zu lernen. So muss er nun die Klasse noch einmal wiederholen.

Er kann sich genau an die Worte des Osterhasenoberlehrers erinnern, der auch gleichzeitig sein Vater ist:

„Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr,

du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr.“

Allerdings trafen damals die Ermahnungen bei Hops auf taube Ohren. Man könnte es auch so ausdrücken: Vaters Worte gingen irgendwie bei dessen Sohn zum einen Osterhasenohr hinein und beim anderen Osterhasenohr wieder hinaus. Seinen Verstand erreichten sie damals nicht.
Inzwischen jedoch bereut er seine Faulheit und wäre gerne mit seinen Mitschülern geehrt worden.
Als die feierliche Zeremonie vorüber ist, hüpft Hopsina fröhlich zur großen Wiese. Sie will ihrem Bruder stolz das Zeugnis und das Ehrenband zeigen. Verwundert stellt sie aber fest, dass sie ihn nicht finden kann. 
„Wahrscheinlich macht er schon wieder irgendwelchen Unfug“, denkt sie. „Dann zeige ich ihm alles heute Abend. Bestimmt freut er sich mit mir.“
Schnell läuft sie wieder zu ihren Kameraden und spielt mit ihnen Nachlauf. Sie ist die Beste im Hakenschlagen, so steht es in ihrer Urkunde und diese Fähigkeit nutzt sie auch im Spiel nach allen Regeln der Kunst aus. Da es aber auf die Dauer langweilig ist, wenn man niemals gefangen wird, täuscht sie irgendwann eine verstauchte Pfote vor, um sich fangen zu lassen. Endlich ist sie nun die Jägerin und ihre Pfote ist auf wundersame Weise wieder voll einsatzfähig.
So kommt Hopsina froh und munter und auch ein bisschen abgekämpft nach Hause.
„Wo hast du denn Hops gelassen?“, empfängt die Mutter sie. „Wir waren in der Annahme er sei bei dir.“
„Nein, ich habe ihn seit heute Morgen nicht mehr gesehen und dachte er sei mit euch zusammen unterwegs“, antwortet sie überrascht.
„Hat der Lümmel denn immer noch lauter Unfug im Kopf“, ärgert sich der Osterhasenpapa. „Mittlerweile sollte er doch aus den Flegeljahren heraus sein und endlich mal den Ernst des Lebens erkannt haben.“
„Lasst uns ihn suchen“, schlägt nun die besorgte Mutter vor. „Ich habe die Befürchtung, dass ihm etwas zugestoßen sein könnte.“
Sofort beginnt Hopsina aus Angst um ihren Bruder zu weinen, doch der Vater erklärt ihr:
„Tränen bringen uns jetzt nicht weiter. Mutter hat schon recht, wir müssen ihn einfach suchen. Lasst uns jetzt gleich loshoppeln!“
Tja und so beginnt eine große Suchaktion. Alle seine Lieblingsplätze werden abgesucht und seine Spielkameraden befragt. Doch Hops bleibt auch nach Einbruch der Dunkelheit spurlos verschwunden. Jetzt macht sich der Osterhasenpapa ebenfalls große Sorgen.
„Hops ist zwar ein Lausebengel, aber er ist kein schlechter Hasenjunge und er würde uns niemals absichtlich Kummer bereiten wollen. Wir müssen unsere Suche ausweiten und jeden noch so kleinen Winkel durchforsten.“
Was die besorgten Familienangehörigen nicht wissen können, ist dass Hops nichts passiert ist, aber sein kleines Hasenherz trotzdem ziemlich heftig pocht. Und zwar aus zweierlei Gründen.
Der erste Grund ist ein kleines Hasenfräulein, das Hops plötzlich sieht, als er ein wenig traurig die Wiese verlässt. Sie steht auf einmal ganz unvermittelt vor ihm und lächelt ihn an. Er schmilzt sofort dahin und schickt ihr ebenfalls ein Lächeln.
„Sie sieht bezaubernd aus in ihrem rosa Kleidchen und der weißen Schleife am linken Hasenohr“, denkt er und zwinkert ihr kess zu.
Verlegen hoppelt das Hasenmädchen ein bisschen weiter und Hops läuft vorsichtig hinterher. Daraus entwickelt sich eine Art Spiel. Sobald Hops nahe genug an sie herankommt, läuft sie ein Stückchen weiter, versteckt sich hinter einem Baum oder schlägt ganz schnell einen Haken.
So entfernt sich Hops immer weiter von seiner heimatlichen Wiese und eigentlich auch von der Umgebung, in der er sich auskennt. Die Beiden sind so vertieft in ihr Spiel und die kleinen Neckereien, dass sie den streunenden Hund viel zu spät bemerken.
Erst als dieser laut bellend auf sie zurennt, nehmen sie ihn wahr. Das ist aber fast schon zu spät. Obwohl sie so schnell es ihre Hasenfüße zulassen, davonrennen und einen Haken nach dem anderen schlagen, ist er ihnen ziemlich dicht auf den Fersen.
„Schnell, schnell, der Hund zerfleischt uns, wenn er uns erst einmal gefangen hat!“, ruft Hops dem fremden Hasenmädchen zu.
„Ich habe Angst. Bitte beschütze mich!“, fleht ein weinerliches Stimmchen den Hasenjungen an.
„Wir müssen uns verstecken!“
Ja, nur wo sollen sich die zwei Häschen verstecken? Der Hund kommt immer näher und die Beiden rennen buchstäblich um ihr Leben. Nur noch wenige Meter trennen sie von dem zähnefletschenden Ungeheuer.
„Komm!“, ruft Hops atemlos. „Da drüben beginnt ein kleines Waldstück, dort werden wir bestimmt ein gutes Versteck finden.“
Inzwischen sind die Pfoten von dem Hasenmädchen schon wundgelaufen, bluten und schmerzen ganz fürchterlich.
„Ich kann nicht mehr!“, ruft es dem Hasenjungen zu. 
Hops erkennt die Situation und ermahnt:
„Du darfst jetzt nicht aufgeben, sonst sind wir verloren!“
Geschwind lässt er seinen Blick umherschweifen. Da sieht er plötzlich einen großen abgesägten Baumstamm am Boden liegen. Dieser scheint schon alt und krank gewesen zu sein. Am unteren Ende ist nämlich ein Loch erkennbar, nicht zu klein und nicht zu groß. Genau richtig, dass Hops und das Hasenmädchen in allerletzter Sekunde hineinschlüpfen können und somit der Bestie entkommen.
Doch nun sitzen sie zusammengekauert, zitternd und mit pochendem Herzen in dem dunklen Baumstamm. Davor hat sich der kläffende Hund aufgestellt, doch zum Glück kommt er mit seiner Schnauze nur ein winziges Stückchen in die Öffnung hinein. Da sich die beiden Häschen jedoch so weit wie möglich nach hinten geflüchtet haben, kann er ihnen nichts anhaben. Vorerst sind sie gerettet. Doch wie geht es mit ihnen weiter? Wird das Ungeheuer aufgeben? Werden die Familienmitglieder die Suche nicht aufgeben und sie retten? Oder müssen sie in ihrem Versteck elendig verhungern und verdursten?
„Bestimmt haben sie uns schon vermisst und werden uns suchen“, tröstet Hops das kleine Hasenmädchen. „Mein Vater ist der Osterhasenoberlehrer und er ist verdammt schlau. Lass uns ein wenig schlafen und wenn wir aufwachen ist die Rettung ganz sicherlich schon da!“
„Hoffentlich…!“, denkt Hops noch, bevor auch ihm die Augen vor Müdigkeit zufallen…

Fortsetzung folgt…

 

 

 

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Hops und die Osterhasenkunst

Heute möchte ich noch einmal einen Post vom letzten Jahr einstellen, um Euch an Hops, Hopsina, den Osterhasenpapa und die Osterhasenmama zu erinnern. Mein nächster Beitrag knüpft dann nämlich wieder an die Geschichten rund um die Osterhasenfamilie an.

 

„Hops, dein ständiger Unfug ärgert mich schon sehr,
du wirst ein richtiger Osterhase nimmermehr.
Für die Kinder solltest du Eier bemalen und auch verstecken,
hier, da und dort, auf Feld, Wiese und in allen Ecken.“

„Aber so höre doch, lieber Herr Papa“, Hops nun spricht,
„Familie Zwerghuhn von nun an, alle Arbeit für uns verricht’.
Sie legen ihre grünen Eier überall in Stadt und Land,
brauchen nicht des Osterhasens malende Hand.“

„Hi, hi!“, Hopsina die große Schwester lauthals lacht.
„Hops, was hast du dir da wieder mal ausgedacht?
Ostern wird dann lediglich ein großes Rühreifest!“
„Bitte“, Hops bettelt, „machen wir einen Test.“

„Mein lieber Junge, höre jetzt deiner Mama gut zu!“
Mutter Hoppel versucht zu vermitteln in aller Ruh’.
„Auch wenn des Zwergenhuhn Ei ist schön grün,
es ist roh, so sehr sich die Hühner auch bemüh’n.“

„Wir machen es zu einem Osterei voller Farbenpracht,
weil wir alleine wissen, wie man es richtig macht.
Dies wird weitergegeben von Generation zu Generation,
Rezept und Dekoration ist Osterhasentradition.“

„Auch die Kunst des Versteckens will gelernt schon sein“,
mischt sich Vater Hoppel in die Diskussion wieder ein.
„Dein Großvater hat es mir als Kind bereits gelehrt,
drum mach du jetzt nicht alles anders und verkehrt!“

„Nimm den Kindern weit und breit nicht die Freude,
zu machen bei der Ostereiersuche eine große Beute.
Sie streifen durch die Gärten, suchen die Osternester,
wetteifern, wer findet die bunten Ostereier als Erster.“

„Vielleicht“, so spricht Mama Hoppel bedacht und weise,
„solltest du dieses Jahr alles verfolgen still und leise.
Beim nächsten Osterfest wirst du viel klüger sein
und kannst erlernen die Osterhasenkunst präzise und fein.“

„Ich geh mal schaukeln und mich in die Lüfte schwingen,
hinterher übe ich noch ein bisschen das Springen,
auch noch das Hopsen und Haken schlagen,
nächstes Jahr werde ich das Ostereiermalen wagen.“

Hops ist froh den Ostervorbereitungen zu entkommen,
hat schon seines Freundes Rufen vernommen.
Beiden nicht nach Osterhasenkunst steht der Sinn,
viel eher nach Spiel, Spaß und allerhand Blödsinn.

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Im Garten

Jetzt können wir es gar nicht mehr abwarten,

die Sonne lockt uns alle hinaus in den Garten.

Glaubt mir, ich kann es beschwören,

dort kann man das Gras wachsen hören.

 

Neben ersten Blumen reckt sich etwas ins Licht,

ich erkenne, Unkraut vergeht einfach nicht.

Muss das Übel an der Wurzel packen,

mich bücken, zupfen und tüchtig hacken.

 

Weil sich niemand will in die Nesseln setzen,

darum weiß jeder diese Arbeit zu schätzen.

Noch ist kein Blumentopf gewonnen,

denn es kommt wieder,- unbenommen.

 

Ein Wink mit dem Zaunpfahl zum Nachbarn,

denn von ihm kann man Hilfreiches erfahr’n.

Lobt ihn dafür über den grünen Klee,

trinkt mit ihm ein Tässchen Kaffee.

 

Er sagt: „Nichts stiefmütterlich behandeln,

so wird sich alles in Pracht verwandeln!“

Sein Rat bei mir auf guten Boden fällt,

denn seine Empfehlung mir gefällt.

 

Mit den Nachbarn gut Kirschen zu essen,

gehört wohl zu beiderseitigen Interessen.

Gemeinsam blühende Fantasien haben

und sich an der Gartenpracht laben.

 

Wenn alles wächst und auch gedeiht,

sind wir voller Freude und Dankbarkeit.

Vergleichen Äpfel mit Birnen irgendwann,

genießen unser Gartenparadies sodann.

 

So hegen und pflegen wir die Pflanzen,

lassen die Bienen um die Blüten tanzen,

lauschen froh der Vögel Gesang

und sind mit der Natur im Einklang.

 

Geht geschwind in den Garten hinaus,

begrüßt die Natur mit großem Applaus.

Das Blatt hat sich gewendet,

die kalte Jahreszeit ist beendet.

 

 

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Lieber Wettermacher!

 

Der Anruf

„Ja, ja, der liebe April“, denke ich gerade, als ich meine Termine für diesen Monat in meinen Timer eintrage. „Eigentlich ist er gar nicht so ein beliebter Monat, denn man sagt ihm nach, dass er immer nur macht was er will“, überlege ich weiter. Es stimmt schon, er ist sehr eigensinnig. Normalerweise ist er doch der Monat, welcher uns dem Sommer ein Stückchen näher bringen soll. Aber so recht will das nicht klappen. Manchmal ist es in diesem Monat schon sommerlich warm und dann wieder herbstlich grau.

Aber auch wenn sich der April schon manchmal ein bisschen unbeliebt bei uns macht, er ist doch guten Willens. Trotzdem nimmt er uns immer wieder auf den Arm, d.h. er macht sich ein bisschen lustig über uns mit seinem ewigen Hin und Her. Aber nicht nur der Monat April erlaubt sich Scherze, nein auch wir nutzen speziell den Monatsanfang, um uns zu amüsieren.
„Weshalb heißt es eigentlich, dass wir jemand in den April schicken, wenn wir eine Person mit einem kleinen Scherz überraschen?“, frage ich urplötzlich meinen Peter, der gerade mein Arbeitszimmer betritt.
„Was? Wie?“, fragt er verblüfft zurück. „Keine Ahnung!“ Obwohl seine Antwort kurz und knapp war, erwacht plötzlich seine Erinnerung.
„Ich denke, es gibt kaum jemand, der nicht schon einmal einem Aprilscherz erlegen ist“, meint mein Mann und grinst.
„Das stimmt, denn obwohl man genau weiß, dass der 1. April hierfür bekannt ist, fallen wir doch genau in diesem Moment auf den Scherz herein, wenn wir gerade nicht auf der Hut sind“, überlege ich laut.
„Denk doch mal an deine Mutter“, erinnert mich Peter. „Das ist zwar schon lange her und wir kannten uns erst kurz, aber es war total lustig.“ Mit diesen Worten verlässt er mein Arbeitszimmer und mich mit meinen Erinnerungen, die ich auch sofort zu Papier bringe:
Vor fast 40 Jahren ereignete sich eine kleine Geschichte, an die sich meine Mutter noch heute mit einem Schmunzeln erinnert. Damals hatten wir zwar schon ein Telefon, aber man benutzte es doch eher selten, im Gegensatz zu heute. Es existierten noch keine Callcenter und Werbeanrufe und solche von verschiedenen Firmen zwecks Umfragen oder ähnlichem waren noch nicht erfunden. An einem Vormittag klingelte also bei meiner Mutter das Telefon:
„Einen schönen guten Tag wünsche ich Ihnen“, sagte eine junge männliche Stimme am anderen Ende.
„Guten Tag“, grüßte meine Mutter freundlich zurück.
„Hier ist das Schuhhaus Blackelsberg**“, sprach die Stimme weiter. „Spreche ich mit Frau ABC?“
„Ja, da sind Sie richtig verbunden!“
„Da bin ich aber froh, denn wir haben da ein kleines Problem.“
Meine Mutter wunderte sich jetzt schon ein wenig, denn das Schuhhaus vor Ort trug einen anderen Namen und was hatte sie mit den Problemen eines unbekannten Geschäftes zu tun?!
„Wie kann ich Ihnen denn behilflich sein?“, erkundigte sie sich trotzdem.
„Na es geht hier um eine Bestellung…“
„Ich habe keine Bestellung gemacht“, erklärte sie sofort mit starker Verwunderung und einer Überzeugung in der Stimme, die eigentlich keinen Zweifel aufkommen lassen sollte.
„Sie sind aber doch Frau ABC, wie Sie mir vorhin schon sagten!“
„Mmh!?“
„Sie haben bei uns 30 Paar Schuhe bestellt und ich wollte nur Bescheid sagen, dass sich die Lieferung noch einen kleinen Moment verzögert“, erläuterte der junge Mann.
„Moment mal“, protestierte meine Mutter. „Ich habe nichts bestellt! Und schon gar nicht 30 Paar Schuhe! Was soll ich damit? Ich habe nur 2 Füße.“
„Uns liegt aber eine Bestellung von Ihnen vor!“
Meine Mutter wurde immer stutziger, aber auch immer nervöser.
„Wie soll das Schuhhaus noch einmal heißen?“, fragte sie, um zum einen Zeit zu gewinnen und zum anderen, um die Stimme des Gesprächspartners noch einmal zu hören. Irgendetwas war ihr nämlich an dieser Stimme seltsam erschienen. Sie konnte nur noch nicht genau sagen, was das war. Vielleicht weil diese Stimme sich etwas gekünstelt anhörte, aber da konnte man sich ja täuschen.
„B l a c k e l s b e r g!“ Der Mann am anderen Ende ließ sich förmlich das Wort auf der Zunge zergehen. Er sprach es deutlich, ganz langsam und etwas langgezogen aus. Nur seltsam, dass er sogleich anscheinend einen Lacher unterdrücken musste. Das entging meiner Mutter jedoch nicht.
Sie hatte das ganze Gespräch über schon so eine Ahnung gehabt, die sie jedoch noch nicht in Worte hatte fassen können. Aber dieses kurze fast unterdrückte Lachen brachte sie auf einen ganz bestimmten Verdacht, der sich zusehend verhärtete. Sollte sie den Vorstoß wagen oder irrte sie sich mit ihrer Vermutung?

Meine Mutter setzte alles auf eine Karte und …

… traf damit ins Schwarze.

„Peter?“, fragte sie vorsichtig. „Bist du das?“
„April, April!“, tönte es fröhlich aus der Telefonmuschel.
„Na, du bist mir aber Einer!“, lachte meine Mutter hörbar erleichtert. „Das war aber ein gelungener Aprilscherz! Wie bist du denn auf die Idee gekommen?“

„Diese Frage konnte ich deiner Mutter damals nicht so genau erklären.“
Erschrocken blicke ich auf, denn ich habe nicht bemerkt, dass mein Mann wieder das Zimmer betreten hat.
„Das kam mir einfach so in den Sinn, würde ich mal sagen“, kommentiert Peter meine Aufzeichnungen, als er mir beim Tippen über die Schulter schaut.
„Aber, was meinst du? Sollte ich es dieses Jahr noch einmal mit diesem Aprilscherz versuchen“, grinst er.

 

Na, dann viel Spaß!

 

 

 

* Der Name ist frei erfunden.

Knöpflein

Flori ist sechs Jahre und besucht die erst Klasse. Seit ein paar Tagen darf er den Schulweg ganz alleine gehen. Zuerst hat ihn die Mutter immer bis zur Schule begleitet, dann bis zur großen Kreuzung und gewartet, bis er ordnungsgemäß den mit einer Ampel versehenen Fußgängerüberweg überquert hat. Dann aber hat sie gesagt:

„Flori, ich möchte jetzt wieder halbtags arbeiten. Und weil ich schon vor dir aus dem Haus gehen werde, musst du von nun an alleine zur Schule marschieren. Du kennst den Weg und weißt, wo man besonders gut aufpassen sollte und auch wann du dort sein musst.“

„Endlich hat sie kapiert, dass ich inzwischen ein großes Schulkind bin“, hat Flora sich gedacht und ihr versprochen nicht zu trödeln und immer pünktlich zu sein.

Fünf mal wöchentlich geht er nun den selben Weg, der ihn an einer Baustelle vorbeiführt. Das Haus jeen Tag ein bisschen mehr und er winkt den Bauarbeitern immer freundlich zu. Aber er bleibt nie stehen, denn er hat es ja eilig.

Eines Tages jedoch ist die Baustelle verlassen, das Haus erst halb fertig. Man erzählt sich, dass es einen Baustopp gegeben hat. Warum weiß Flora nicht, aber er versteht, dass das Haus vorerst nicht fertig gebaut wird. 

Auf seinem Heimweg bleibt er stehen und schaut neugierig durch den Bauzaun. An der Hauswand neben der Eingangstür ist ein rundes kleines Loch zu sehen und hier entdeckt er etwas.

„Da schaut ja ein kleines Mäuschen heraus. Ob es dort wohnt?“, überlegt Flori. 

„Hey!“, ruft er und lächelt.

Das Mäuschen scheint ihn gehört zu haben, denn es schaut in seine Richtung, verschwindet dann aber ganz schnell in seinem Versteck.

Auch am nächsten und am übernächsten Tag geht es so. Allerdings bleibt das Mäuschen immer ein bisschen länger stehen und schaut Flori aus seinen kleinen süßen Augen an, bevor es sich wieder versteckt.

„Ach komm doch wieder hervor! Ich tu dir doch nichts!“, ruft Flori.

Und tatsächlich lugt es nochmals vorsichtig hervor.

„Morgen bringe ich dir ein Stück Käse mit“, verspricht Flori. „Du hast doch bestimmt Hunger, jetzt wo alle Bauarbeiter weg sind und niemand mehr ein Krümelchen fallen lässt.“

Als am nächsten Morgen die Mutter das Haus verlässt, stibitzt Flori einen Käsewürfel aus dem Kühlschrank und steckt ihn in seine Hosentasche. 

„Das ist für Köpflein!“, denkt er sich.

Weil ihm die schönen kleinen Knopfaugen des Mäuschens so gut gefallen haben, hat er ihr insgeheim den Namen „Knöpflein“ gegeben.

Auch heute ist Knöpflein wieder da und schaut aus seinem Versteck, als würde es auf Flori warten.

„Schau mal, was ich dir mitgebracht habe!“, ruft der Junge und versucht den Käsewürfel dem Mäuschen zuzuwerfen. Aber durch den Bauzaun hindurch geht es nicht so gut und so landet das Stückchen Käse kurz hinter dem Zaun und weit weg von Knöpflein.

„Hol dir den Käse!“, ruft Flori. Aber das traut sich das Mäuschen nicht. Es schaut immer wieder zwischen dem Jungen und dem Käse hin und her, bleibt aber in seinem Versteck.

„Morgen bekommst du wieder Käse“, verspricht der Junge und setzt seinen Heimweg fort.

„Hoffentlich holt sich Knöpflein das Stückchen und hoffentlich wird es davon satt.“

Flori ist ganz besorgt, dass die niedliche Maus verhungern könnte. Und so bringt er auch am nächsten und an allen weiteren Tagen ein Stückchen Käse mit. Immer wenn Flori wiederkommt, ist der Käse vom Vortag verschwunden und das Mäuschen erwartet ihn. Allerdings traut es sich auch jeden Tag ein bisschen weiter an den Bauzaun heran. So erwartet Knöplein Flori eines Tages direkt hinter dem Zaun. Die Beiden sind inzwischen richtige Freunde geworden und Flori hat sogar das Gefühl, dass das Mäuschen ihn ebenso mag wie er sein Knöpflein. Sogar auf den Namen hört es schon. Sollte Flori mal ein bisschen früher oder später an der Baustelle vorbei kommen, dann braucht er nur leise zu rufen und schon kommt Knöpflein angetrippelt.

Doch eines Tages gehen die Arbeiten an der Baustelle weiter. Das Haus wird verputzt und Knöpflein ist in seinem Versteck nicht mehr sicher, deshalb hat es sich irgendwo anders versteckt. Traurig schaut die Maus Flori an, als sie sich nur getrennt vom Zaun gegenüberstehen.

„Ich werde dir helfen, damit du ein neues Zuhause hast“, gibt Flori dem kleinen Mäuschen das Versprechen.

Den ganzen restlichen Tag grübelt Flori und kann sich gar nicht auf seine Hausaufgaben konzentrieren.

„Was ist denn mit dir los?“, fragt der Großvater, der Floris Mathematikhausaufgaben nachschaut. „Du rechnest doch sonst alles fehlerfrei!“

Da bricht es aus Flori heraus und er vertraut dem Großvater seine Sorgen an.

„Warte mal!“,meint der Opa. „Ich glaube, ich hab‘ da eine Idee!“

Langsam geht der Großvater die Kellertreppe hinunter. Flori weiß, das bereitet seinem Opa große Mühe, denn sein Knie mag keine Treppen mehr steigen und schmerzt bei jeder Stufe. 

Nach einer Weile kommt der Großvater mit einem kleinen Vogelbauer wieder zurück. 

„Was anderes habe ich in der Eile nicht gefunden, aber es müsste seinen Zweck erfüllen.“

Mit mehreren Käsestückchen bewaffnet, laufen Flori und sein Opa zur Baustelle. 

„Knöpflein!“, ruft Flori. Doch erst nach mehrmaligen Rufen sehen sie das Mäuschen hinter einem Stein hervorlugen. 

„Komm! Wir bringen dich in dein neues Zuhause! Hab keine Angst! Alles wird gut!“

Es dauert ziemlich lange, doch endlich traut sich Knöpflein vor den Zaun und lässt sich mit Hilfe des leckeren Käse dazu verlocken in den Vogelbauer zu schlüpfen. Flori redet dem Mäuschen den ganzen Weg über gut zu und versucht ihm die Angst zu nehmen.

Zuhause angekommen, gehen sie gleich in den Garten. Dort hat der Großvater in einer Ecke ein Rohr hingelegt. Das war eigentlich am alten ausrangierten Briefkasten befestigt gewesen. Hierin hatte der Briefträger immer die Zeitungen abgelegt. Jetzt ist es mit ein bisschen Gras ausgelegt und soll nun als Unterschlupf für Knöpflein dienen. 

Flori öffnet den Vogelbauer und ehe er sich versieht, entschlüpft Knöpflein seinem Gefängnis und versteckt sich in dem Rohr. Hier fühlt es sich sicher und nach ein paar Minuten schaut das Mäuschen mit strahlenden Augen wieder heraus.

„Hier wohne ich jetzt!“, scheint es Flori und dem Großvater zuzublinzeln. „Danke für mein neues Zuhause!“

Dreibein & Co

 

Heute habe ich eine Geschichte eingestellt, die ich vor langer Zeit geschrieben habe und die ich Euch nun vorstellen möchte:

Wir frühstücken auf unserer Terrasse. Es ist Wochenende und die Sonne strahlt vom Himmel. Ich träume noch ein bisschen vor mich hin, da meint mein Mann:

„Hier ist ganz schön was los!“
Verwirrt schaue ich ihn an. Irgendwie scheine ich gerade etwas verpasst zu haben.
„Hörst du nichts?“
Ich lausche! Schulterzucken! Kopfschütteln!
„Hör einfach genau hin!“
Wieder lausche ich. Es ist kein Krach oder Lärm zu vernehmen, weder der Rasenmäher unseres Nachbarn noch das Motorgeräusch eines Autos ist zu hören. Nichts! Jedenfalls nichts Außergewöhnliches. Und jetzt erkenne ich plötzlich was mein Mann meint:
Dort oben im Baum zwitschert ein Vogel, davor sitzt lauernd unsere Katze Lottchen und macht gurrende Laute. Aus unserem Teich, der nebenbei bemerkt etwas mehr ist als eine überdimensionale Pfütze, höre ich einen Frosch quaken. Eine Wespe ist gerade im Anflug auf mein Nutellabrötchen, im Gras zirpst eine Grille und gerade kommt ein kleines Wollknäuel, Nachbars Mischlingshund, schwanzwedelnd und freudig bellend auf mich zu gerannt. Unser Lottchen, das sich vorsichtshalber in eine andere Ecke verkrochen hat, erhält auch Besuch, nämlich von Kater Samy, den wir liebevoll Dreibein nennen, da ihm ein Bein amputiert werden musste.
„Ja“, sage ich, „hier ist tatsächlich was los! Das reinste Biotop!“
Ich habe noch nicht ausgeredet, da klingelt auch schon das Handy meines Göttergatten und er verzieht sich ins Haus. Mir ist jedoch gerade ein Gedanke gekommen:
„Fehlt nur noch eine Schlange!“
Aber das hatten wir ja auch schon. Damals spielte unser Sohn T. mit den Nachbarjungs vor dem Haus, mein Mann war ebenfalls draußen zugange und ich kümmerte mich um das Mittagessen. Plötzlich klopfte es am Fenster und gleichzeitig klingelte es an der Haustür.
„Was ist denn? Ich kann gerade nicht!“, rief ich und rührte weiter in meinem Gulasch.
Jetzt klopfte es auch noch an der Terrassentür im Esszimmer. Leicht genervt ging ich hin und sah Peter gestikulierend draußen vor der Scheibe stehen.
„Da!“, rief er aufgeregt. „Eine Schlange!“
„Immer diese Spielchen“, dachte ich und zeigte ihm einen Vogel. Als ich mich gerade umdrehen und weggehen wollte, klopfte er abermals, aber mittlerweile sehr energisch.
Inzwischen waren unser Sohn und die Nachbarjungen ins Wohnzimmer gestürmt und suchten in allen Ecken.
„Seid ihr gerade auf Großwildjagd oder was ist los?“, fragte ich sie.
„Nein“, erklärte mir das Nachbarskind. „Frau Berg, hier ist eine Schlange drin!“
Ich kam zu keiner Antwort mehr, denn schon stürmten sie alle in eine Ecke und tatsächlich lag dort eine Schlange. (Sie war durch die gekippte Terrassentür hereingekrochen und dabei von meinem Mann und den Jungs beobachtet worden.)
„Geht mal alle zurück!“, rief ich besorgt. „Es könnte eine Giftschlange sein, die aus einem Terrarium ausgebüxt ist.“
Während T. nach oben in sein Zimmer gerannt war, um sein Tier- und Pflanzenbestimmungsbuch zu holen, erschien mein Mann mit einer Schaufel in der Hand. Ich hatte es allerdings auch vorgezogen einige Schritte zurückzutreten, aber Peter nahm mutig, wie mir in diesem Moment schien, den Kampf mit der Schlange auf. Er nahm sie auf die Schaufel, ging auf uns zu und hielt sie uns unter die Nase. Sie lebte und bewegte sich. T., der mir das aufgeschlagene Buch unter die Nase hielt, meinte:
„Sieht aus wie die hier!“
„Schaff die aus unserem Wohnzimmer raus und nach draußen!“
„Ist doch ganz harmlos!“, meinte jetzt auch der Nachbar, der alles mitbekommen und ins Haus gekommen war.
Ja, ich hatte es inzwischen selbst erkannt, es war nur eine Ringelnatter, doch die wollte ich auch nicht im Wohnzimmer haben.
Ebenso wenig mag ich die Mäuse im Haus haben, die Lottchen fängt. Zum Glück bringt sie uns keine, denn wir haben eine schlaue und lernfähige Katze. Peter, der Mitleid mit den armen Mäuschen hat, nimmt sie ihr nämlich jedes Mal ab. Daher bringt unser Lottchen die Mäuse seither zur Nachbarsfamilie.
Manchmal missglückt eine solche Rettungsaktion allerdings auch, wie zum Beispiel die mit dem armen Maulwurf. Selbst sofortige Reanimationsversuche meines Gatten schlugen fehl und wir mussten dem kleinen Kerl neben unseren beiden Kaninchen und den beiden Meerschweinchen ein Grab schaufeln und ihn würdevoll beerdigen.
Oder die zu rettende Maus wehrte sich mit allen Leibeskräften, die ihr zur Verfügung standen. Nachdem Peter sie aus Lottchens Fängen befreit hatte und sie behutsam in eine andere Ecke des Gartens tragen wollte, biss sie ihn aus lauter Panik in die Hand. Das wiederum hatte zur Folge, dass er sie mit sofortiger Wirkung auf die Erde setzte und sie um ihr Leben lief. Ob sie sich vor unserer Katze in Sicherheit bringen konnte, entzieht sich meiner Kenntnis. Peter jedenfalls stellte für die Maus keine Gefahr mehr dar.
Peters Körperteile haben schon des Öfteren die Selbstverteidigungsmechanismen verschiedener Tiere zu spüren bekommen. So beispielsweise an unserer Hochzeit. Wir waren gerade mal ein oder zwei Stündchen vermählt und befanden uns im Kurpark zum Fototermin. Der Fotograf machte in dieser schönen Natur, mitten im Sommer, bei strahlendem Sonnenschein Aufnahmen von uns. Doch plötzlich schrie Peter auf:
„Au! Verflixt! Was war das jetzt?“
Eine Biene hatte sich unbemerkt auf meinem Brautkleid niedergelassen und als Peter seinen Arm um meine Taille legte, fühlte sie sich bedroht und stach zu.
Dieses Körperteil schwoll damals zwar etwas an, bereitete aber ansonsten keinerlei Probleme. Ganz im Gegensatz zu dem Körperteil, das sich Jahre später ein anderes Tier aussuchte:
Ich kann mich nicht mehr erinnern, welches Ersatzteil wir für unser Auto benötigten. Auf jeden Fall wollte Peter dieses Teil von einem Schrottplatz holen, um es dann selbst einzubauen. Der Eigentümer des besagten Platzes erklärte uns, dass er dieses vorrätig habe, allerdings müsse mein Mann es sich aus einem alten Auto erst ausbauen. So ging er voran, Peter hinterher und dahinter lief der Schäferhund des Schrottplatzbesitzers. So liefen sie im Entenmarsch über den Platz. Aus heiterem Himmel, ohne dass sich mein Mann etwas zu Schulden kommen hätte lassen und ohne Vorwarnung, biss der Hund ihn einfach in seinen Allerwertesten.
„Au!“, schrie er auf. „Der hat mich gerade gebissen!“
„Quatsch!“, antwortete das Herrchen. „Der beißt nicht!“
Der Schäferhund schaute lässig von einem zum anderen, als könne er kein Wässerchen trüben.
„Na, doch! Er hat mich aber gerade gebissen!“
„Kann überhaupt nicht sein! Schauen Sie sich ihn doch an, der ist total lieb!“
„Ist ja möglich, aber trotzdem hat er mich in mein Hinterteil gebissen.“
So kam es, dass mein Mann außer dem Ersatzteil vom Schrottplatzbesitzer auch noch eine Tetanusspritze vom Arzt bekam.
Aber nicht immer waren unsere Begegnungen mit fremden Tieren von Schmerz und Pein überlagert, wir hatten oft auch schon viel Spass mit folgenden (vierbeinigen) Lebewesen. Ich will hierbei gar nicht von meinen Ritten auf einem Esel, Kamel oder Elefanten erzählen, obwohl die sehr lustig waren und von vielen Schreien meinerseits begleitet wurden. Ich denke hierbei eher an zwei Ereignisse auf der schönen Insel Mallorca:
Unser Sohn war noch im Grundschulalter, als wir auf unserer Lieblingsinsel Urlaub machten. Wir hatten einen Mietwagen und fuhren auf der Insel kreuz und quer. So kamen wir auch zu einem Safaripark. Die Tiere liefen frei herum und wir fuhren im Auto über das Gelände. T. freute sich riesig, die Löwen, Zebras oder Kängurus neben, vor und hinter uns in freier Wildbahn zu sehen. Wir waren ja im Inneren des Wagens gut geschützt. Doch wir hatten nicht mit den Affen gerechnet. Die sprangen nämlich auch auf das Auto und nicht nur auf die Motorhaube.
„Achtung, Papa!“, schrie T. auf einmal voller Panik. „Die sind auf dem Dach!“
„Ja und?“
Wir schauten nach oben. Oh, verflixt! Wir hatten vergessen das Schiebedach zu schließen.
„Los, alle Mann zu machen!“, befahl Peter.
Mit vereinten Kräften zerrten wir am Schiebedach von innen, aber gleichzeitig zerrten auch zwei Affen von außen. Jetzt war die Frage, wer war schneller, beziehungsweise, wer hatte die größte Kraft. Wir siegten!!! Zum Glück schafften wir es, bevor einer der Affen in das Innere des Wagens dringen konnte. Da hätte der Spaß nämlich ein Ende gehabt.
Spaß hatten mein Mann und ich auch viele Jahre später, als wir ohne unseren inzwischen erwachsenen Sohn diese Sonneninsel besuchten. Wir waren zur kulturellen Besichtigung auf dem Privatgut „La Granja“ und standen auf einmal etwas abseits des Weges vor einem Hundezwinger. Der süße Mischling kam auch sofort wedelnd an das Zwingergitter und ließ sich durch die Stäbe hindurch streicheln.
„Du bist aber ein süßer kleiner Hund!“, sprach Peter auf ihn ein.
Der Hund signalisierte ganz deutlich, dass er gerne rauskommen wollte.
„Ich darf dich nicht rauslassen“, redete mein Mann weiter. „Aber die Tür kann ich ein bisschen aufmachen, das Schloss ist nämlich offen.“
„Lass das lieber!“, rief ich noch aus, aber da war es auch schon zu spät.
Peter hatte die Tür nur einen Spalt breit geöffnet, das reichte jedoch aus. Der Hund schlüpfte schnell hindurch. Zack, war er weg und Peter rannte hinterher. Das ging eine ganze Weile so, denn wir versuchten ihn dazu zu bewegen, wieder zurück in den Zwinger zu laufen. Leider vergeblich. Er entwischte uns! Aber da er auf das Gut gehörte, kannte er sich aus und fand alleine wieder zurück.

„Du sitzt ja immer noch hier draußen!“, stellt mein Mann fest, als er sein Telefonat beendet hat und wieder in den Garten kommt.
„Ach“, entgegne ich. „Mir sind da gerade ein paar Erinnerungen in den Sinn gekommen.“

 

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Hilfe!

Familienzuwachs

Besser oder schlechter?

 

„Früher war alles besser“, sagt der Mann,

„nicht immer, aber so dann und wann.

Die Welt scheint komplizierter geworden zu sein,

vieles ist heutzutage nur noch Schein.

 

Der Mensch ist geworden zum Konsument,

der die wahren Werte nicht erkennt.

Jedermann ist tagein, tagaus in ständiger Eile,

oft fehlt die Zeit zu rasten eine kleine Weile.

 

Geld regiert die Welt, so erkennt man,

jeder jagt ihm nach, so schnell er kann.

Früher gab’s kein Handy, kein Internet zwar,

niemand war ständig erreichbar, na klar.“

 

„Doch manche Dinge“ sagt die heutige Frau,

„sind besser, hilfreich und auch schlau.

So hilft Tante Google immer und überall weiter,

dank Internet ist unsere Sicht weltweiter.

 

Früher war der Haushalt so aufwendig,

Mann fühlte sich dafür nicht zuständig,

das ist heutzutage viel, viel besser, ja klar!

Das kannst du nicht bestreiten, das ist wahr!

 

Mit dem Flugzeug geht es auf Reisen,

Oma und Opa können noch verreisen. 

Ferne Länder will man heute erkunden

und die Welt einmal im Leben umrunden.“

 

Besser oder schlechter?  Wer kann es wissen?

Das Schlechte wird wohl niemand vermissen.

Das Gute wird ein jeder immer nur loben

und vieles hat sich einfach nur verschoben.

 

Drum wir alle zu einem Fazit kommen:

Das Gute sei herzlich willkommen!!!

Was wir wirklich brauchen in dieser Welt,

ist Frieden unter dem Himmelszelt!!!

 

 

 

Mit Schaufel und Eimer

Wenn ich dieses Foto betrachte, muss ich lachen, denn vor meinem geistigen Auge tauchen plötzlich viele schöne Erinnerungen auf. Ich überlege, wie wohl unser inzwischen erwachsener Sohn damals diesen Urlaub erlebt hat. Hätte er zu diesem Zeitpunkt schon schreiben können, hätte sich sein Urlaubsbericht vielleicht so gelesen:

Kurz nach meinem 2. Geburtstag sagten meine Eltern zu mir:
„T., wir machen bald eine weite Reise mit dem Auto. Wir fahren nach Spanien!“
„Kenn ich nicht“, sagte ich und steckte mir ein Kaubonbon in den Mund.
„Aber Autofahren ist schön“, dachte ich mir, „da kann man immer so schön schlafen und träumen und natürlich die Geschichten von Benjamin Blümchen hören.“
„Da gibt es ganz viel Sand und Wasser“, erklärte mir meine Mutter.
„Ach, ein neuer Spielplatz“, dachte ich. „Mal sehen, ob er mir gefällt!“
„Dort ist es immer schön warm, weil jeden Tag die Sonne scheint. Du kannst im Wasser plantschen, im Sand Burgen bauen und Kuchen backen“, erzählte sie weiter.
„Noch besser“, überlegte ich, „ein Schwimmbad mit einem großen Sandspielplatz. Hört sich gut an!“
„Kommt K. auch mit?“, wollte ich wissen.
Mit meiner Sandkastenfreundin, spielte ich jeden Tag und unsere Mamas unterhielten sich.
„Bestimmt kommen alle mit“, überlegte ich mir.
„Nein“, sagte Mama, „sie fährt mit ihren Eltern woanders hin“.
Das fand ich ein bisschen schade.
„Komisch, wir geh’ n doch sonst immer gemeinsam auf den Spielplatz“, dachte ich.
Ich hatte die Sache schon vergessen, da rannten eines Tages meine Eltern kreuz und quer in der Wohnung herum, packten ganz viele Sachen aus dem Kleiderschrank in eine Kiste, die sie Koffer nannten, luden alles ins Auto und forderten mich auf meinen Eimer, die Förmchen und meine Schaufel ebenfalls in den Kofferraum zu packen. Soviel wie ich verstanden hatte, wollten wir am nächsten Tag zu dem großen Sandspielplatz fahren. In der Nacht habe ich schon geträumt, dass mir jemand mein Schäufelchen weggenommen hätte.
Und dann ging es los.
Das Schwimmbad war riesengroß und der Sandkasten auch, – eigentlich war alles nur Wasser und Sand. Mama nannte das Schwimmbad „Meer“ und den Sand „Strand“.
Dann bekam ich „Flügel“ zum Schwimmen. Das war ganz schön lustig damit zu schwimmen, fast wie fliegen. Ich brauchte nur mit den Armen und Beinen zu zappeln und schon kam ich ein kleines Stückchen voran und ging nicht unter. Trotzdem schluckte ich manchmal ein bisschen Wasser. Das hat aber ganz anders geschmeckt als mein Badewasser zu Hause. Irgendwie schmeckte es nach Zucker. Nein, ich glaube Mama hat mir erklärt, dass es nach Salz schmeckt.
Mama und Papa durften ohne diese Schwimmflügel ins Meer, sie können nämlich schwimmen. Sie sagten sogar, dass ich das auch bald lernen würde, aber eigentlich wollte ich das gar nicht. Sie mussten sich ständig mit den Armen und Beinen bewegen, ich aber konnte mich auch ganz einfach mal ausruhen, von den Wellen schaukeln lassen und ging trotzdem nicht unter.
Später gab Mama mir ein paar trockene Brotstückchen, obwohl ich gar keinen Hunger hatte, aber ich sollte sie auch überhaupt nicht essen. Zum Glück! Ich sollte sie ins Wasser werfen.
„Komisch, zu Hause darf ich kein Brot ins Badewasser werfen und im Schwimmbad auch nicht. Wieso darf ich das hier?“, überlegte ich, aber Mama erklärte es mir:
„Schau mal, jetzt kommen die Fischchen und holen sich das Brot, sie haben großen Hunger.“
Tatsächlich, plötzlich schwammen ganz viele kleine Fische um mich herum. Manchmal kitzelten sie mich sogar an den Beinen. Ich erschrak kein bisschen, aber sie ganz fürchterlich, denn sie schwammen schnell ein Stückchen weiter. Mit dem nächsten Brotkrumen waren sie aber wieder da.
Jetzt hatte ich auch Hunger, aber keine Krümelchen mehr, doch Mama hatte ein paar Kekse für mich.
Irgendwann gingen wir dann alle am Strand entlang und suchten Muscheln. Bald war mein Eimerchen fast voll und ganz schwer.
Papa hatte eine Idee: „Jetzt bauen wir eine schöne große Sandburg und schmücken sie mit deinen Muscheln!“
Sogleich nahm ich mein Schäufelchen und legte los. Weil ich mein Schippchen nicht hergeben wollte, rannte Papa zum nächsten Geschäft und kaufte sich eine eigene viel größere Schaufel. Meine war aber trotzdem viel schöner, fand ich jedenfalls. Sogleich begann Papa den Strand umzugraben.
Inzwischen war ich aber müde geworden und hatte keine Lust mehr. Ich kuschelte mich zu Mama unter den Sonnenschirm und schlief auch gleich ein.
Papa schaufelte aber währenddessen voller Tatendrang weiter. Als ich wieder aufwachte, war Papa weg, jedenfalls konnte ich ihn nicht sehen. Ich fragte Mama und sie ging mit mir zu einem tiefen Loch, in dem Papa mit seiner Schaufel total verschwunden war. Er schaute nur noch mit dem Kopf heraus.
„Bestimmt will er sich bis nach China durchgraben“, dachte ich mir. „Der Junge in meinem Bilderbuch wollte das auch!“
Aber vorher füllte ich immer wieder mein Eimerchen mit Wasser und schüttete es hinein. Jetzt hatte ich einen See, auf dem ich mein Schiffchen schwimmen lassen konnte, das mir ein Mann und eine Frau geschenkt hatten, die beim Essen bei uns am Tisch saßen.
Am nächsten Tag waren das große Loch und mein See leider wieder verschwunden. Doch Papa nahm begeistert seine Schaufel, sorgte für ein neues tiefes Loch und freute sich über die bewundernden Blicke der anderen Urlauber. Sandburgen haben wir auch gebaut, aber mal ehrlich: Löcher graben konnte mein Papa besser!
„Nächstes Jahr im Sommer verbringen wir unseren Urlaub wieder am Meer“, beschlossen Papa und Mama bei der Abreise.
Ich freue mich schon riesig darauf, obwohl ich eine Sache ziemlich doof fand, nämlich das Eincremen mit der blöden Sonnencreme. Mama sagt aber, das muss sein und Mama weiß das. Ich hasse die Eincremerei und meistens habe ich mich gleich danach in den Sand geworfen. Mama und Papa sagten, ich würde aussehen wie ein paniertes Schnitzel, – keine Ahnung, was sie damit meinten.

Zu verschenken

 

Ich habe nichts zu verschenken,

wird gar mancher Mensch jetzt denken.

Doch es ist kein Geld und kein Gut,

man braucht dazu noch nicht einmal Mut.

 

Es ist nicht groß, eher recht winzig,

du kannst es geben auch noch mit neunzig.

Diese Gabe macht nicht arm, aber reich

und zwar im selben Moment und sogleich.

 

Gib es Menschen, die du kennst,

aber auch solchen, die du Fremde nennst.

Du bekommst es sicher zurück,

es schenkt allen ein Stückchen vom Glück.

 

Sogar du kannst dich beschenken,

selbst dann wird es dir niemand verdenken.

Zu jeder Stund’ und Tageszeit

es ist willkommen überall und sogar weltweit.

 

Jeder wird es sofort verstehen,

Keine Bedenken: Es wird nicht schiefgehen.

Es ist in dir selbst verborgen,

drum beginne damit schon am frühen Morgen.

 

Ein kleines Lächeln ist es nur,

gib dir einen Ruck und sei nicht so stur.

Es tut dir gewiss nicht weh,

ist zart und rein wie der Kuss einer Fee.

 

Drum lächele jeden einzelnen Tag,

es allen Freude und Kraft zu geben vermag.

Ich schicke mein Lächeln zu Dir,

gib es weiter, so kommt es auch wieder zu mir.

 

Astrid Berg

Die Bank

 

Verlassen steht die Bank dort,

unbeachtet an einem grünen Ort.

Bald wird Leben erwachen

und im Garten alles prächtig machen.

 

Bald werden sie alle kommen,

Hast du sie schon vernommen?

Sie zwitschern ihre Lieder,

putzen auf ihr das bunte Gefieder.

 

Katzen sich unter ihr verstecken,

ihre Glieder in der Sonne recken.

Genüsslich sie leise schnurren,

während Tauben in der Ferne gurren.

 

Alt und Jung auf ihr sitzen,

Verliebte Initialen in sie ritzen,

gemeinsames Glück erträumen

und sich küssen unter den Bäumen.

 

Man wird sie wieder pflegen,

ihr einen neuen Anstrich geben.

So lockt sie alle zum Verweilen,

und Aufmerksamkeit ihr zu erteilen.

 

Von der Arbeit großer Last,

gewährt sie eine kurze Rast.

So allseits beliebt und geschätzt,

man sich hier gerne zusammensetzt.

 

So vergeht Jahr für Jahr,

auch sie wird altern, fürwahr!

Wird noch viele gute Dienste leisten,

bevor sie dann gehört zum alten Eisen.

 

 

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Auf Reisen

Einst waren wir sehr angesagt,

niemand hat sich über uns beklagt.

Man hat uns gerne genutzt,

nach jeder Reise gepflegt und geputzt.

 

Nun sind wir hier gestrandet,

sozusagen auf dem Abstellgleis gelandet.

Einfach nur noch zur Zier,

stehen wir nun schon lange Jahre hier.

 

Ertragen Sonne, Regen, jedes Wetter,

und sind doch dankbar unserem Retter.

Verweilen wir auf dem Bahnhof,

somit bleibt uns erspart der Müllhof.

 

Zu finden uns vor dem Gebäude,

bereitet gar Manchem große Freude.

Man bestaunt uns interessiert,

jeder uns immer gerne fotografiert.

 

Sind nicht die neusten Modelle,

doch der Hit an dieser Außenstelle.

Wir bezeugen und auch beweisen,

dass man mit uns ging viel auf Reisen.

 

Mit unserer stillen Anwesenheit,

erinnern wir an eine vergangene Zeit.

Sind zwar nicht für die Ewigkeit,

trotzdem eine kleine Sehenswürdigkeit.

 

 

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Die Radiomeldung

Wir sind mit dem Auto unterwegs. Die Autobahn auf der wir uns befinden, ist um diese Zeit nicht so sehr befahren, also kommen wir eigentlich gut voran. Während mein Mann am Steuer sitzt, lese ich in einer Zeitschrift. Nebenbei trällert Musik aus dem Radio. Doch plötzlich wird diese durch den Verkehrsfunk unterbrochen.

So genau höre ich nicht hin, aber trotzdem dringen Bruchstücke an mein Ohr. Genau im entscheidenden Moment, als der betreffende Streckenabschnitt durchgesagt wird, beginnt mein Mann zu reden.
„Pst!!!“, zische ich ihm zu, denn inzwischen hat etwas meine Aufmerksamkeit erregt. Wahrscheinlich war dieses „Pst“ nicht energisch genug, denn Peter überhört es einfach und plappert munter weiter.
Als sein Redefluss endlich versiegt ist, hat auch der Sprecher seine Ansage beendet. Da ich vergeblich versucht habe dem Radiobericht zu folgen, habe ich auch nicht den Ausführungen meines Göttergatten gelauscht, was er allerdings bemerkt hat.
„Du hörst mir überhaupt nicht zu“, beanstandet er.
„Kein Wunder“, gebe ich leicht pampig zurück. „Mich hat auch gerade in diesem Moment die Verkehrsnachricht interessiert. Da du jedoch nicht zu stoppen warst und weiter erzählt hast, konnte ich nichts verstehen.“
„Wird schon nicht so wichtig gewesen sein. Ich hingegen habe dir gerade etwas absolut Interessantes erzählt“, gibt er mir ein wenig beleidigt zu verstehen und fügt gleich noch eine Wiederholung dessen an, was zuvor an meinen Ohren vorüber ging. Wir befinden uns also im angeregten Gespräch, als nochmals das Musikprogramm wegen einer Verkehrsmeldung unterbrochen wird.
„Hast du das gehört? Jetzt müssen wir aufpassen, denn gleich kommen wir zu der Stelle, die sie gerade genannt haben“, sage ich zu meinem Mann.
„Bist du sicher, dass es auf unserer Fahrbahn ist oder vielleicht doch in der Gegenrichtung?“, erkundigt er sich.
„Keine Ahnung, das habe ich wieder nicht verstanden, weil wir geredet haben. Aber eigentlich müssten doch irgendwo Polizeiautos zu sehen sein. Immerhin muss eine solche Gefahrenstelle abgesichert werden.“
Die Meldung hat in uns eine Erinnerung hervorgerufen, die uns nun weit zurück in die Vergangenheit führt. Wir befinden uns nämlich gedanklich wieder in unserer Studienzeit.
„Du hattest doch schon einmal ein solches Hindernis vor dir, als du bei mir warst und bei Dunkelheit noch nach Darmstadt gefahren bist.“
„Stimmt“, bestätigt Peter. „Ich hatte einen Kommilitonen mit im Auto und als wir nichtsahnend mit meinem VW Käfer um eine Kurve bogen, stand plötzlich dieses gewaltige Hindernis vor uns. Zum Glück war ich nicht schnell unterwegs und konnte rechtzeitig stoppen.“
„Was habt ihr dann eigentlich unternommen. Immerhin gab es damals noch keine Handys.“
„Ich erinnere mich nur noch dunkel“, gibt mir Peter zu verstehen, „aber ich glaube, das nächste Auto angehalten und den Fahrer um Mithilfe geben zu haben. Keine Ahnung, aber auf jeden Fall kam recht zügig der betreffende Besitzer vorbei und hat das Hindernis aus dem Weg geräumt.“
Erneut erklingt aus dem Lautsprecher eine Durchsage, der wir nun beide interessiert lauschen. Es handelt sich allerdings nicht mehr um die vorangegangene Meldung, was uns eine gewisse Beruhigung verschafft.
„Damals hat der Bauer die entflohene Kuh, die sich mitten auf der Straße befand, auch kurzerhand wieder auf die Weide geführt. Also mach dir keine Gedanken. Die Polizisten sitzen bestimmt schon längst zu Hause vor dem Fernseher und die Kühe stehen wieder im Stall“, erklärt mir Peter und hat anscheinend auch recht damit, denn wir können unsere Fahrt ungehindert fortsetzen ohne einer Kuh zu begegnen. 

 

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