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Kleiderordnung

Auf die Idee zu meiner heutigen Geschichte brachte mich eine Radiomeldung, die ich allerdings nur am Rande vernahm. Doch das, was ich noch hörte, fand ich nicht nur witzig, sondern auch so direkt aus dem Leben gegriffen, dass es hier an dieser Stelle einen Platz finden muss. Da ich meinen Blog „lifetellsstories“ genannt habe, gehören Geschichten, die das Leben erzählt hierher. Selbstverständlich habe ich Ort, Personen und Ausschmückungen meiner Fantasie entspringen lassen und hoffe nun, dass Euch die Begebenheit genauso gut gefällt wie mir.
Hans ist Ende Zwanzig, arbeitet bei einer Firma in der Verwaltung und sitzt mit einigen seiner Kollegen in einem Großraumbüro, allerdings mit regem Publikumsverkehr. Ihm macht die Arbeit viel Spaß, da er den Kontakt zu Menschen ebenso liebt, wie die Büroarbeit. Er ist sehr ordentlich und auch gewissenhaft in seinem ganzen Tun. Hans ist kein Griesgram oder gar Besserwisser, sondern ein lustiger und fröhlicher Mensch, der schnell Kontakt findet und mit dem man sowohl privat als auch beruflich gut auskommt. Er ist bei seinen Mitarbeitern ebenso beliebt, wie bei seinen Vorgesetzten.
Seit einer Woche herrschen hochsommerliche Temperaturen, leider nicht nur außerhalb der Firma, sondern seit zwei Tagen auch innerhalb der Räumlichkeiten. Die Klimaanlage ist im gesamten Gebäude ausgefallen und muss erneuert werden. Somit ist sogar das Bleistiftstemmen eine schweißtreibende Arbeit. Alle stöhnen über die extremen Temperaturen.
„Wie gerne würde ich mir jetzt eine kühle Brise um die Nase wehen lassen“, sagt sein Arbeitskollege und öffnet das Fenster.
„Mach das schnell wieder zu!“, ruft eine Kollegin. „Das Öffnen der Fenster bringt nur noch mehr Hitze und Schwüle herein.“
So sitzen sie alle an ihren Schreibtischen und schnaufen.
„Die Frauen haben es echt gut“, meint Hans zu seinem Gegenüber. „Die Damen der Schöpfung haben sich luftige und chice Sommerkleider angezogen, wir Herren jedoch sitzen hier in unseren langen Hosen, mit Hemd und Krawatte.“
Hans findet von seinen männlichen Arbeitskollegen viel Zustimmung und von den weiblichen Mitarbeiterinnen erntet er nur ein mitleidiges Lächeln.
„Das ist einfach eine Ungerechtigkeit“, empört er sich.
Am nächsten Morgen beschließt er jedoch in kurzen Hosen und Poloshirt am Arbeitsplatz zu erscheinen.
„Es fühlt sich wesentlich angenehmer an, als in den langen Hosen und bei diesen Temperaturen wird wohl jeder Verständnis dafür haben“, sagt er zu seiner Freundin, als sie ihn stirnrunzelnd ansieht. „Zumal ich nicht in irgendwelchen abgewetzten Klamotten komme, sondern die Sachen aus einem angesagten Herrenbekleidungsgeschäft stammen. Alles ordentlich, sauber und modern“, fügt er noch hinzu, gibt seiner Freundin einen Abschiedskuss und beide setzen sich in ihre Autos, um in entgegengesetzter Richtung zur Arbeit zu fahren.
Kaum hat Hans seinen Computer angeschaltet, da steht sein Chef vor ihm. Hans kann schon an dessen Gesichtsausdruck ablesen, dass er etwas zu beanstanden hat. In Gedanken durchforstet er den letzten Tag und fragt sich, ob ihm irgendwo ein Fehler unterlaufen sein könnte. Doch da grollt der Donner schon auf ihn ein:
„Was bilden Sie sich ein?! Erscheinen hier in kurzer Hose! Was glauben Sie denn wo Sie sind? Im Schwimmbad, im Urlaub oder vielleicht auf der Strandpromenade? Herr Hans Hansen, Sie arbeiten in einer angesehenen Firma und da zeigt man den Besuchern nicht seine nackten Beine!“
„Ja, aber die Frauen haben doch auch …!“, will Hans zu bedenken geben, doch der Chef hat nur kurz Luft geholt und donnert weiter:
„Sehen sie zu, dass Sie verschwinden und in einer Stunde sitzen Sie hier wieder in angemessener Kleidung, auf jeden Fall nicht in kurzer Hose und T-Shirt!“
Hans ist so perplex, dass er es nicht wagt, zu widersprechen. Seine Arbeitskollegen räuspern sich und beginnen zu tuscheln, denn sie hatten schon gehofft am nächsten Tag ebenfalls in kurzer Hose und T-Shirt an ihren Schreibtischen sitzen zu können.
Hans jedoch sputet sich und fährt mit seinem Auto, in dem die Klimaanlage zum Glück funktioniert, nach Hause, um sich umzuziehen.
Ihm erscheint die ganze Sache etwas unlogisch und ungerecht. Warum in aller Welt, dürfen die Frauen sich in bunte, luftige Kleidchen werfen und ihre nackten Beine zeigen, aber die Herren müssen lange Hosen tragen.
„Nun gut“, denkt sich Hans. „Wenn es nur an den kurzen Hosen und dem T-Shirt liegt, so kann hier Abhilfe geschaffen werden.“
Zuhause angekommen, begibt er sich direkt zum Kleiderschrank. Allerdings öffnet er nicht die linke Seite des Schrankes, sondern …
Eine Dreiviertelstunde später erscheint Hans umgezogen wieder im Büro. Die Blicke nicht nur seiner Arbeitskollegen sind ihm sicher, das ist ihm schon klar als er durch die Eingangstür marschiert. Getuschel, Gekichere und breites Grinsen kommt ihm entgegen. Einer seiner Arbeitskollegen kann es nicht unterdrücken ihm einen anerkennenden Pfiff hinterher zu schicken.
„Wow!“, ruft seine Arbeitskollegin Ingrid aus.
Eine andere Arbeitskollegin mustert ihn von oben bis unten und klatscht dann freudig in die Hände. Begeistert meint sie:
„Immerhin kann sich der Chef jetzt nicht mehr über die kurzen Hosen beschweren. Elegant! Das muss ich schon sagen! Und Beine hast du!“
Eine Sekunde später ist das gesamte Büro mit schallendem Gelächter ausgefüllt und Hans dreht sich grinsend und beschwingt um die eigene Achse, bevor er wie auf dem Laufsteg zwischen den Schreibtischen entlang stolziert.
„Herr Hans Hansen, bitte sofort in mein Büro!“, tönt es da aus dem Lautsprecher.
Erschrocken verstummt das Lachen der Arbeitskollegen, doch Hans marschiert hochgehobenen Hauptes in das Büro des Chefs. Im Großraumbüro herrscht Totenstille. Alle versuchen zu lauschen, ob etwas aus dem Chefzimmer zu vernehmen ist. Bestimmt bricht gleich ein erneutes Donnerwetter herein. Doch nichts passiert.
Nach gefühlten zwei Stunden öffnet sich die Tür erneut und Hans tritt heraus.
Mit ernster Miene stellt er sich vor seine Arbeitskollegen und bittet um Ruhe, obwohl kein einziger Mucks im Raum zu vernehmen ist.
„Ich soll Euch vom Chef etwas ausrichten: Die Klimaanlage kann leider nicht mehr repariert werden und muss ausgetauscht werden.“
Die Kollegen beginnen zu stöhnen.
„Ich soll sofort verschwinden und das Kleid meiner Freundin wieder gegen eine Hose tauschen.“
Die Mitarbeiter drücken sichtliches Bedauern aus, können sich ein Grinsen jedoch nicht verkneifen.
„Eine kurze Hose!“, fügt Hans rasch hinzu. „Und ab der Mittagspause dürfen wir Männer alle in kurzen Hosen und Hemd erscheinen.“
Lauter Jubel bricht im Büro aus und aus dem Nebenzimmer ertönt die Stimme des Chefs:
„Dieser Sieg über die Kleiderordnung ist aber ein Ausnahmezustand und gilt nur solange bis die Klimaanlage wieder funktioniert!“
Mit diesen Worten tritt der Chef grinsend und ebenfalls in kurzen Hosen und Hemd in das Großraumbüro. Donnernder Applaus empfängt ihn.

 

 

 

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Aus dem Leben meiner Küchenuhr

„Hat Astrid denn kein Schmuckkästchen?“

 

Schuld ist das Wetter

Ich glaube, ich leide heute an Überhitzung. Und nicht nur ich.
Gestern waren es schon einunddreißig Grad, heute am 20. Juni 2017 waren es zweiunddreißig und morgen werden wir wahrscheinlich wieder die Dreißiggradmarke knacken. Dabei können wir uns hier in Cottbus noch glücklich schätzen, denn in Frankfurt am Main ist das Thermometer am heutigen Dienstag tatsächlich auf 35 Grad gestiegen.
Bei solchen Temperaturen beginnt das Hirn zu qualmen und die Zahnrädchen drehen sich im Gedankengetriebe langsamer. Um es genau zu sagen, ist das Wetter schuld daran, dass ich nur ein wenig mit Euch plaudern möchte. Dabei kann man sich so schön entspannen und läuft keine Gefahr, dass irgendwelche Drähte in den Hirnwindungen durchschmoren.
Worüber ich mit Euch plaudern will?
Auf jeden Fall nicht über das Wetter, wie die Einleitung und die Überschrift vielleicht vermuten lassen. Obwohl…
Auch nicht über irgendwelche archäologisch wertvollen Stücke, was die Betrachtung des Beitragsfotos suggeriert. Obwohl…
Das Wetter ist schuld und mit Scherben hat die Begebenheit schon etwas zu tun.
Und dann auch noch mit meinem Mann:
Weil es den ganzen Tag über so extrem heiß war, gedachten wir den schönen lauen Sommerabend in einem Restaurant auf der Terrasse bei einem Gläschen Wein und einer leckeren Pizza zu genießen. Doch bevor wir mit dem Auto in die Innenstadt fuhren, eilte ich noch schnell in den Keller, um drei Plastiktüten zu holen. Diese hatte ich in den letzten beiden Tagen mit Kleidung gefüllt, die wir nun zum Altkleidercontainer bringen würden. Ich stellte die Tüten vor die Haustür und eilte noch einmal zurück ins Haus, denn ich hatte meine Handtasche vergessen. Gerade als ich mir den Riemen der Tasche über die Schulter hängte, hörte ich von draußen ein verdächtiges Geräusch. Irgendwie hörte es sich klirrend an. In mir wuchs sofort ein Verdacht heran, der auch sogleich durch einen Ausspruch meines Mannes bestätigt wurde:
„Ist nichts passiert!“, tönte seine Stimme an mein Ohr.
Dieser Spruch ist es, der mir jedes Mal bestätigt, dass genau dieses Nichts etwas hat zu Bruch gehen lassen. Ich bin mittlerweile 31 Jahre mit meinem Peter verheiratet und kenne ihn seit nunmehr 41 Jahren. Wenn er nach einem klirrenden oder krachenden Geräusch diesen Satz ausruft, weiß ich genau, dass etwas passiert ist.
So war es auch heute.
Bestätigt fühlte ich mich auch noch durch die anschließende Frage unserer Nachbarin: „Und ist sie kaputt?“
„Kann man wieder kleben! Alles halb so wild!“, hörte ich meinen Göttergatten antworten.
Jetzt war ich mir hundertprozentig sicher. Mein Mann hat etwas kaputt gemacht. Und ich wusste auch ziemlich genau, was es war.
Als ich meinen Kopf zur Haustür hinaus streckte, blickte mein Mann grinsend zu mir hoch.
„Ist nur die Gans. Ich hab nichts gemacht. Die Tüte ist mir aus der Hand gerutscht, auf die Gans gefallen und schon war sie hin. Taugt ja alles nichts mehr heutzutage. Aber sie ist nur in drei Teile zersplittert. Die lassen sich prima kleben. Alles halb so wild.“
„Ich weiß“, sagte ich. „Du kannst nichts dafür.“
„Schuld ist das Wetter!“, verteidigte die Nachbarin meinen Mann.
„Genau“, bestätigte mein Gatte, „bei dieser Affenhitze ist man ja schon richtig kraft- und saftlos. Da kann einem schon mal was aus der Hand fallen.“
Das war mir jetzt aber ganz egal, denn den schönen Sommerabend wollte ich mir nicht verderben lassen.

Aber Strafe muss schon sein, deshalb sitzt mein Peter jetzt ein paar Stunden später in der Küche und klebt die Gans wieder zusammen und ich fotografiere für Euch die ganze Sache.
Ohje, die Hitze schafft mich. Hab ich jetzt vergessen die Speicherkarte in die Kamera einzulegen bevor ich auf den Auslöser gedrückt habe?
Sie steckt in meinem Laptop.
Ach, Quatsch!
Ich habe sie erst aus der Kamera gezogen, nachdem ich die Fotos schon gemacht hatte.
Alles gut.
Nichts passiert.
Schuld an diesem ganzen Durcheinander ist das Wetter. Wer sonst?!

Ende gut,- alles gut!

Und jetzt seid Ihr an der Reihe mit der Plauderei:

Erzählt mal über das Wetter, …, ein Missgeschick, …, einen immer wiederkehrenden Ausspruch,…, über Scherben…, …

Ich freue mich mit Euch zu plaudern.

 

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Familienausflug

Familienausflug Teil 2

Knut Knopf

Darf ich mich vorstellen?!

Ich wünsche Euch allen einen wunderschönen Tag.
Wer ich bin, wollt ihr wissen?!
Schaut genau hin, dann könnt Ihr mich entdecken!
Ich bin das hübsche Kerlchen auf dem Beitragsfoto. Nein, nein, ich will dem Liebespaar nicht die Show stehlen, aber mal ehrlich ich passe doch hervorragend zu den Beiden. So ganz in Schwarzweiß. Mit meinen dunkel umrandeten Augen und den ebenso dunklen Schlappohren sehe ich ganz schön pfiffig aus. Und das bin ich auch!
Besser gesagt: Damals war ich ziemlich pfiffig.
Inzwischen bin ich schon im Hundehimmel und schicke Euch von dort liebe Grüße. Ich möchte heute ein bisschen aus meinem Leben plaudern, damit Ihr mich besser kennenlernt:
Also, mein Name ist Bazi und im Sommer 1958 hatte ich mich mal schnell zu Astrids Eltern gesetzt. Sie hatten am 12. Juli 1958 geheiratet und das Foto war einen Tag nach der Hochzeit im Garten von Astrids Opa entstanden. Er war mein Herrchen und bei ihm und seiner Frau, Astrids Oma, lebte ich.
Damals dürfte ich nach meinen Berechnungen zwei oder vielleicht auch schon fast drei Jahre gewesen sein. So genau lässt sich das heute nicht mehr feststellen, denn niemand erinnert sich mehr an mein Geburtsdatum.
Eigentlich war ich ein recht lieber Kerl. Klar, ein paar Flausen hatte ich auch im Kopf, sonst hätte man mir wohl nicht den Namen Bazi zugeteilt, was in Bayern soviel wie „durchtriebener Bursche“ heißt. Zumindest behauptet das das Internet (https://de.wiktionary.org/wiki/Bazi).
Meine erste größere Schandtat hatte ich dann wohl angerichtet, als die junge Frau, die Ihr auf dem Foto seht, schwanger war. Sie ging mit mir an der Leine spazieren. Naja, wie gesagt, ich war noch jung und flink. Ich wollte ein bisschen rennen. Mal hier hin und mal da hin. Leider konnte die werdende Mama mit meinem Tempo nicht so ganz mithalten. Ich dachte mir, dass ich sie hinter mir herziehen müsste, damit wir schneller voran kämen. Also zog ich ziemlich tüchtig an der Leine. Einmal habe ich es wohl übertrieben, denn ich habe ruckartig und ganz schön wild an der Leine gezogen. Sie schrie plötzlich auf und schimpfte wütend mit mir, weil es ihr durch mein Ziehen einen Stich im Bauch gegeben hatte. Und dann ist es passiert. Es tut mir ja noch heute leid, aber ich konnte es nicht mehr ändern. Sie erzählten mir, dass ich schuld daran wäre, dass Klein-Astrid zwei Wochen zu früh auf die Welt kam.
Ehrlich gesagt, verstand ich den ganzen Wirbel nicht und außerdem war ich froh, dass dieses kleine Wesen endlich da war. Nun konnte ich jemand beschützen.
Wenn sie im Kinderwagen lag und dieser im Garten stand, passte ich selbstverständlich auf. Ich verstand sofort, dass ich nicht von der Stelle weichen durfte, um sie vor möglichen Gefahren zu beschützen. Auch musste ich ganz fürchterlich leise sein, wenn sie schlief. Dann bewachte ich sozusagen ihren Schlaf.
Später als sie dann schon sitzen konnte und in ihrem Sportwagen saß, bedankte sie sich manchmal für diesen Dienst bei mir.
Wie, wollt ihr wissen?!
Sie hielt einfach ein Stückchen Brötchen oder einen Keks aus dem Wagen und ich schnappte mir die Leckerei. Selbstverständlich war ich ganz, ganz vorsichtig, denn kleine Kinderhände sind noch so zart und dürfen nicht verletzt werden.
Als sie schon laufen konnte, rannten wir manchmal in Großvaters Garten um die Wette. Aber ich sah sie dann nicht mehr so oft, nur manchmal an den Wochenenden, wenn sie mit ihren Eltern den Großvater, mein Herrchen, besuchten. Inzwischen war die Großmutter schon gestorben und mein Herrchen lebte alleine mit mir in seinem Haus.
Mein Schlafplatz war in der Küche unter dem Herd. Dort hatte er die untere Schublade herausgenommen, so dass für mich genügend Platz vorhanden war. Es war sehr gemütlich dort und vor allen Dingen war es immer kuschelig warm.
Mein Futter war auch super lecker. Nein, ich bekam kein Fro… oder wie das Zeug heißt. Ich habe auch keine Ahnung, ob es damals schon dieses Fertigfutter für Hunde gab. Ich bekam manchmal das, was vom Essen übrig blieb, aber auf jeden Fall Fleisch und Knochen vom Metzger. Mmh!!!
Auch gebadet wurde ich. Dafür hatte mein Herrchen eine Zinkbadewanne, die er im Sommer auf den Rasen stellte und in der ich dann plantschte. Ich wurde sogar einshampooniert, aber das war nicht so ganz mein Fall. Dann habe ich mich immer tüchtig geschüttelt. Ich bin auch schon mal in den Bach gesprungen und habe dort das kühle Nass genossen. Im Sommer war das immer sehr erfrischend.
Ich hatte ein schönes Leben. Doch irgendwann wurde ich sehr krank und niemand konnte mir mehr helfen. Deshalb bin ich dann im Hundehimmel gelandet. Hier geht es mir übrigens auch gut und ich habe viele Freunde gefunden, die mir aus ihrem Leben erzählen. Gemeinsam schauen wir dann nach unten auf die Erde und erinnern uns gerne an die schöne Zeit und an unsere geliebten Herrchen und Frauchen dort unten.
Ich weiß genau, dass das kleine Mädchen von damals noch immer an mich denkt. Das freut mich sehr, denn dann spüre ich wieder ihre kleine Hand, die ganz sanft über mein Fell streicht und höre, wie sie meinen Namen ruft:

„Bazi! Bazi!“

 

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Anton

Tim’s Wunsch

Immer rund herum

Was sagt man dazu?

Heute melde ich mich mal wieder kurz aus meiner Plauderecke, denn ich muss unbedingt etwas loswerden, was ich vor fast zwei Jahren erlebt habe. Ich habe zuerst überlegt, eine Geschichte daraus zu machen, kam dann aber zu dem Entschluss, dass es an dieser Stelle besser platziert ist. Also lasst uns darüber plaudern:
Ihr kennt bestimmt die Situation, wenn sich das Leergut so angesammelt hat, dass es endlich wieder einmal zum Händler gebracht werden muss, um Platz für neue gefüllte Flaschen zu schaffen. Ich bin jedesmal wieder erstaunt darüber, wieviel Geld da so im Keller herumsteht und freue mich, wenn ich dadurch an der Supermarktkasse meine Rechnung schmälern kann.
Das ist ja wohl auch der Anreiz, der geschaffen wurde. Man wirft sie nicht einfach weg, sie werden noch verwertet und erhält das gezahlte Pfand zurück.
Nun gut, langer Rede kurzer Sinn: Ich stand also wieder einmal am Flaschenrücknahmeautomaten, mit dem ich mich auch manchmal köstlich unterhalte, aber das ist eine andere Geschichte ( Zwischen Kampf und Unterhaltung ).
Insgesamt gab es zwei Automaten. Neben mir standen zwei Männer, die die Sache mit der Rückgabe der Flaschen sehr ernst nahmen. Sie schienen damit ihr Taschengeld aufzubessern, das sie scheinbar vom Heim bekamen. Sie waren nicht mit Taschen, sondern mit einem gefüllten Karren zum Automaten gepilgert. Auf dem Karren stapelten sich einige Kästen, aber hauptsächlich einzelne Flaschen. Zum großen Teil waren es Bierflaschen, aber auch Wasser- und Limonadenflaschen waren dabei.
Sie schoben also Flasche für Flasche in die vorgesehene Öffnung und freuten sich an dem steigenden Geldbetrag, der auf dem Display sichtbar wurde.
Es dauerte jedoch nicht lange, da stand ein Mitarbeiter des Supermarktes neben ihnen und verwies sie des Marktes. Sie mussten unverrichteter Dinge wieder gehen und durften auch nicht wiederkommen. Auch ihr Bitten half nichts.
Ich war sehr verwundert und fragte nach dem Grund des Verbotes. Als Antwort erhielt ich nur die Auskunft, dass die Flaschen bei einem Fußballspiel gesammelt wurden. Diese und andere Männer würden dies immer wieder tun und sie hätten schon in anderen Märkten Hausverbot. Ich erlaubte mir anzuführen, dass sie ja auch etwas bringen würden, sprich Leergut, wofür sie das Geld bekommen würden. Doch dieses Argument zählte scheinbar nicht, denn man erklärte mir nur, dass die Männer nichts oder nur wenig im Markt kaufen würden und man durch die vielen Flaschen nur mehr Arbeit hätte.
Die beiden Männer mussten mit ihrem gesammelten Leergut gehen und mir blieb sprichwörtlich die Spucke weg.

Was sagt Ihr dazu?

 

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Zwischen Kampf und Unterhaltung

Zwiegespräch

Das Blau des Himmels

Ahoi!

Heute folgt der zweite Teil unseres Urlaubsberichtes und ich möchte Euch wieder ein paar ganz besondere Fotos zeigen. Wenn wir uns am Meer aufhalten, dann gehört auch immer eine schöne Schifffahrt dazu. Ich lade Euch heute ein, uns zu begleiten.

Jetzt bleibt mir nur noch übrig „Ahoi!“ zu rufen und Euch aufzufordern schnell an Bord zu kommen, denn gleich legt unser Schiff ab:

Wir starten von Palmanova und schippern ein wenig die Küste entlang.

Malerisch schaukeln die Boote auf dem traumhaft blauen Meer.

Wir kommen an kleinen …

und großen Felsen vorbei, …

an verborgenen Stränden,…

an anderen Häfen,…

an lauschigen Plätzen, ganz oben auf den Felsen, …

an wunderschönen Villen…

und an Formationen.

Selbstverständlich ging an einer Stelle das Schiff vor Anker und es durfte in das kühle Nass gesprungen werden. Einer Dame ging dabei der Sonnenhut verloren. 

Mein Mann eilte als edler Retter des Sonnenhutes zur Hilfe.

Zum Abschluss noch ein Blick nach oben in den ebenfalls tiefblauen Himmel und zu den Möwen, die sich von der seichten Meeresbrise durch die Lüfte tragen lassen.

Ich hoffe Euch hat unsere kleine Schifffahrt gefallen und Ihr konntet die Schönheiten meiner Lieblingsinsel Mallorca genießen.

 

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Kommt mit!

Wir waren mal eben ganz kurz entschlossen für elf Tage über Pfingsten auf meiner Lieblingsinsel    Mallorca. Nun sind wir wieder zurück und ich möchte Euch ein wenig an der Schönheit dieser Insel teilhaben lassen.

Wir waren in einem schmucken kleinen Bergdorf, das ich Euch unbedingt zeigen muss. Es heißt Fornalutx. Dieser Name ist für uns deutschsprachige ein regelrechter Zungenbrecher. Ich jedenfalls muss meine Zunge ziemlich verbiegen, um den Namen einigermaßen korrekt (oder auch nicht korrekt) aussprechen zu können.

Obwohl wir schon mindestens fünfzehnmal auf dieser Insel waren, führte uns unser Weg zum ersten Mal in dieses Bergdorf. Ungefähr fünfhundert Menschen leben hier, hegen und pflegen diesen Ort, so dass er schon seiner Schönheit wegen Auszeichnungen erhalten hat. Häufig bezeichnet man den Ort als das schönste Dorf.*

Kommt einfach mit und lasst Euch verzaubern:

Fornalutx liegt laut Wikipedia * „im Gebirgszug der Serra de Tramuntanna“.

Wir marschieren zunächst zu dem zetralen Platz, auf dem sich das Leben abzuspielen scheint. Hier kann man auf einer der Bänke ausruhen oder sich in eines der Cafés oder Restaurants setzen.

Aber auch sonst ist hier für die täglichen Bedürfnisse alles in erreichbarer Nähe.

Da es sich um ein Bergdorf handelt, gehen wir nun ständig bergauf und bergab.

Wir kommen in kleine Gassen, von denen eine schöner  und verträumter wirkt als die andere.

Im Schein der Sonne erhält alles einen ganz besonderen Zauber.

Man spürt sofort, dass jeder einzelne Einwohner bemüht ist, das Dorf noch schöner zu machen. Überall grünt und blüht es.

Wir werfen noch einen letzten Blick nach oben zum Gebirgszug und nach unten zum Treiben in den  Straßen und Gassen.

Dann verlassen wir den schmucken Ort mit seinem unvergleichbaren Zauber und überlegen schon, welches Fleckchen dieser Insel wir am nächsten Tag zu entdecken gedenken.

 

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In den Schuhen des Anderen

 

 

 

*https://de.wikipedia.org/wiki/Fornalutx

Sei gegrüßt

Sei gegrüßt lieber Morgen,
du strahlst mir freundlich entgegen.
Wird der Tag bringen Sorgen oder Segen?
Noch ist er hinter dir verborgen.

Der Vögel lieblicher Gesang,
erweckt mich aus süßem Traum.
Zarter Blumenduft erfüllt den hellen Raum.
Der Tag nimmt langsam seinen Anfang.

Vom Himmel schickt die Sonne
mir golden leuchtende Strahlen herab.
Hält der Tag, was er versprach vorab?
Stunden voller Freude und Wonne?

Frohgemut und voller Elan,
starte ich nun in den Tagesablauf.
Nehme auch so manche Hürde in Kauf,
lebe nach Plan oder ganz spontan.

Des Abends besonderer Glanz,
birgt Ruhe und Geborgenheit,
ist als Ausklang die perfekte Tageszeit.
Gibt uns Entspannung voll und ganz.

Die Nacht bricht heran,
die Sterne leuchten vom Himmelszelt.
Schöpfer hab Dank für meine Welt.
Beschütze uns alle jetzt und dann.

Möge auch das Morgen,
bringen nur Gutes für Jung und Alt.
Frieden auf Erden und keine Gewalt,
Freude, Sonnenschein und keine Sorgen.

Wir gehen mit Zuversicht,
begrüßen hoffnungsvoll jeden neuen Tag,
der sich als lebenswert erweisen mag
und uns mit seinem Glanz besticht.

 

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Mein Verhältnis zu meinen beiden Lieblingsschränken

Gerümpel und Kostbarkeiten

Peinlich, peinlich…

Huch!

Auch heute melde ich mich wieder aus meiner Plauderecke. Es hat mir das letzte Mal sehr viel Spaß gemacht, mit Euch zu plaudern und Eure Erinnerungen zu lesen, die Ihr mir geschickt habt. Jetzt geht es weniger um Erinnerungen, als um Eigenarten.
Kein Mensch ist perfekt und das ist auch gut so. Ich denke, dass jeder von uns eine oder mehrere Eigenarten hat, die mehr oder weniger ausgeprägt sind. So auch ich.
Ich habe festgestellt, dass sich diese Eigenarten nicht „verwachsen“, wie man so schön sagt. Jedenfalls ist dies bei mir der Fall. Entdeckt hat sie zum ersten Mal ein Lehrer, der mich selbst erst darauf aufmerksam gemacht hat. Noch heute stellt sie mein Mann immer wieder aufs Neue bei mir fest. Ich darf also stolz behaupten, dass ich dieses Wesensmerkmal schon seit der Schulzeit (kurz nach der Grundschule) mit mir herum trage und voraussichtlich auch niemals ablegen werde. Ich könnte vielleicht an mir arbeiten und sie auszumerzen versuchen, aber sie ist schon ziemlich fest in meinem Wesen verankert. Außerdem taucht diese Eigenart immer total überraschend auf und ich wage zu behaupten, dass sie einer Art Instinkt gleicht.
Mit dieser Eigenart schade ich keinem anderen Wesen und auch nicht mir selbst. Im Gegenteil, sie beschützt mich. Eventuell könnte sich der eine oder andere Mitmensch kurzzeitig darüber ärgern oder eher darüber belustigen.
Nun gut, langer Rede, kurzer Sinn. Ich werde nicht mehr um den heißen Brei herum reden, sondern Euch verraten, worum es geht. Nur noch soviel vorneweg: Ausgelöst ist diese Eigenart durch Angst.
Und nun folgt mein Geständnis:
Ich habe Angst vor Bällen. Nein, nicht vor allen Bällen, nur vor diesen, die plötzlich und von mir unerwartet direkt auf mich zugeflogen kommen.
Entdeckt hat dieses mir eigene Wesensmerkmal mein ehemaliger Sportlehrer. Er meinte nämlich:
„Immer wenn ein Ball auf Astrid zugeflogen kommt, reißt sie die Arme hoch und hält sie schützend vor das Gesicht, anstelle den Ball zu fangen.“
Ich kann mich nicht erinnern, jemals negative Erfahrungen bezüglich fliegender Bälle gemacht zu haben, aber ich muss meinem damaligen Sportlehrer recht geben. Und noch mehr: Bis zum heutigen Tage schnellen meine Arme reflexartig in die Höhe und überkreuzen sich vor meinem Gesicht, wenn ein Ball oder ähnliches auf mich zugeflogen kommt.
Erst gestern machte sich mein Mann wieder einen Spaß daraus, als er mir den Schlüsselbund zuwerfen wollte.
„Achtung!“, rief er aus. „Ich werfe! Einfach nur auffangen!“
„Nein! Nicht!“, rief ich aus und sah im Geiste auch schon dieses Etwas auf mich zufliegen.
Mein Mann, der meine Eigenart nur zu gut kennt, begann zu lachen, als er sah, wie sich meine Arme in die Lüfte schwangen und vor meinem Gesicht schützend überkreuzten. Gleichzeitig hielt er in seiner Wurfbewegung inne und streckte mir seine Hand hin, in der sich die Schlüssel befanden, die er mir geben wollte. Als ich nach diesen greifen wollte, umklammerte er sie wieder mit seinen Fingern und zog die Hand zurück.
„Komm, wir üben noch mal! Fang sie einfach auf!“, sagte er vertrauenserweckend.
„Okay!“, willigte ich ein.
Zack! Schon kamen die Schlüssel durch die Luft geflogen und landeten sanft in meiner Hand, die sie einfach und ohne Problem aufgefangen hatte.
„Na also, geht doch!“

 

„Welche Eigenart habt Ihr? Wollt Ihr sie ausplaudern?“

 

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*Bei dem Beitragsbild handelt es sich um ein Graffiti, das ich abfotografiert habe. Leider ist mir der Künstler nicht bekannt.

Großvaters Haus

Heute möchte ich eine neue Kategorie auf meinem Blog eröffnen. Ich nenne sie „Meine Plauderecke“. Hier wird sozusagen ein bisschen aus dem Nähkästchen geplaudert. Es gibt viele Gedanken, die mir manchmal so durch den Kopf schwirren, aus denen ich momentan keine Geschichte machen möchte, aber trotzdem sind sie es wert festgehalten zu werden. Sie sollen in der Plauderecke ihren Platz finden.
Als erstes Thema an dieser Stelle habe ich mir folgende zwei Worte
ausgesucht:
„Klein und Groß“

Ich sah neulich ein kleines Kind an der Hand der Mutter eine Treppe erklimmen und mir wurde bewusst, wie hoch diese Treppenstufen doch für ein Kind dieser Körpergröße sein müssen. Ja und auf einmal machten meine Gedanken einen riesigen Sprung zurück in meine eigene Kindheit. Das Kopfkino startete und schon liefen Bilder vor meinem geistigen Auge ab, von denen ich Euch berichten möchte.
Ich fand mich nämlich plötzlich im Haus meines Großvaters wieder. Leider steht es heute nicht mehr, sondern an seinem Platz wurde ein neues Haus von mir fremden Menschen erbaut. Dieses Haus ist tatsächlich wesentlich größer, als das Haus meines Großvaters war.
Würde ich heute durch die Räume der großväterlichen Wohnung spazieren, so wäre ich sicherlich erstaunt darüber, dass sie größenmäßig nicht mit meinem Eindruck von damals übereinstimmen würden. Es kommt eben immer auf die Sichtweise an. So erscheinen für ein Kleinkind beispielsweise Treppenstufen hoch, Räume groß und weit, aber für uns Erwachsene wirken sie wahrscheinlich gar nicht so gigantisch.
Wenn ich heute in Gedanken durch die Räume des Hauses meines Großvaters gehe, so schreite ich als Kind hindurch und sehe es mit meinen Kinderaugen:
Um das Haus betreten zu können, musste man einige Treppenstufen hoch steigen und gelangte auf ein Podest. Hier habe ich manchmal meine Schultafel aufgestellt und mit meinen Freundinnen, die schon in die Schule gingen, gespielt. Sie zeigten mir, wie man die Buchstaben schreibt und auch was sie gerade im Rechenunterricht gelernt hatten. Das war wohl schon der erste Schritt zu meiner Lehrerausbildung.
So und nun öffnen wir die Haustür:
Man betrat einen Flur, der recht geräumig geschnitten war, zumindest in den Augen eines Kindes.  Linkerhand war das Badezimmer und auf der rechten Seite befand sich eine Holztreppe, die nach oben zu den Schlafräumen führte. Unter der Treppe gab es noch einen kleinen Abstellraum, den man durch eine Tür betreten konnte. Wenn ich recht überlege, weiß ich nicht, ob man sich beim Eintreten bücken musste. Ich musste es sicherlich nicht, aber die Erwachsenen vermutlich schon.
Durchschritt man den Flur und ging einfach geradeaus, kam man in die Wohnküche. Ich erinnere mich an einen Esstisch mit Stühlen und unter dem Fenster stand ein Sofa, von dem ich Euch schon einmal berichtet habe. Dann gab es noch einen Küchenschrank und einen alten gußeisernen Herd, der die Stube beheizte und auf dem gekocht wurde. Opas Hund, genannt Bazi, hatte seinen Platz unter dem Herd, wo es immer schön warm war.
Ein Spülbecken befand sich ebenfalls in der Küche, über dem ich meine beiden Lieblingspuppen auf den Namen Moni und Rita getauft habe.
Der an die Küche angrenzende Raum war das Wohnzimmer. Ich erinnere mich an den Wohnzimmertisch und die Stühle, jedoch nicht mehr an den Schrank. Es gab einen Ölofen, eine Couch und einen Fernseher. In einer Ecke stand ein Sessel und an der Wand hing ein kleines Regal. Hierauf stand ein Bild meiner Omi, die leider als ich ungefähr zwei Jahre alt war, verstorben ist.
Vom Wohnzimmer aus konnte man ein weiteres Zimmer betreten. Hierin stand ein Bett, wahrscheinlich auch ein Schrank, doch ich sehe nur noch das Bett. Hier lag meine Oma während ihrer schlimmen Krankheit, die ihr viele Schmerzen bereitete, so dass sie Morphium bekam.
In das obere Stockwerk kam man über die Treppe im Flur, was ich ja schon erwähnt habe. Oben angekommen, befand sich geradeaus der Dachboden, den ich genauso ungern betrat wie den Keller des Hauses, der sehr niedrig und dunkel war und wo mein Opa eine kleine Bastelwerkstatt hatte.
Links und rechts vom Dachboden befanden sich nur noch zwei Schlafräume.
Möglicherweise gab es in dieser Etage noch eine kleine Abstellkammer, die aber nur gebückt betreten werden konnte. Hierbei bin ich mir allerdings nicht mehr ganz so sicher, ob diese Kammer tatsächlich existierte.
Das Haus selbst war in einem zarten Grünton gestrichen und befand sich auf einem Grundstück mit Hof und Garten. Außerdem gab es noch ein großes Nebengebäude, wo sich auch in den ersten Jahren die Toilette befand.
Egal, ob das Haus groß oder klein war, es war das Haus meines Opas und ich habe mich dort wohlgefühlt, bin dort gerne ein und aus gegangen. Ich habe dieses Haus einfach gemocht und ich bedauere noch heute, dass es nicht mehr existent ist. Wenn ich durch die Straße laufe, so schaue ich zwar hin, doch nur vor meinem geistigen Auge steht noch das Haus meines Großvaters.

 

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Kindheitserinnerungen

 

*Das Beitragsfoto habe ich in Erfurt in einem Schaufenster fotografiert. Der Künstler der Holzfigur ist mir unbekannt.

Und so geht es weiter…

Da mein Blog in den letzten Tagen auf einen neuen Server umgezogen ist, kann ich erst heute die Fortsetzung meiner Fliegengeschichte einstellen. Auch die Kommentare, die mich in der Zwischenzeit erreicht haben, werde ich versuchen heute noch zu beantworten.

 

Und so geht es weiter…

„Sie wollen mich nicht im Haus haben“, denke ich enttäuscht, als ich durch die sperrangelweit offen stehende Haustür fliege.
„Aber ich will die Hausbewohner noch ein bisschen ärgern! Also, was mache ich? Ich biege einfach nach links ab und fliege zum geöffneten Küchenfenster wieder ins Haus“, entschließe ich mich spontan.
So, jetzt sitze ich auf der Küchenarbeitsplatte und freue mich schon auf die erstaunten Gesichter der Hausbewohner, wenn sie mich sichten. Ich brauche gar nicht lange zu warten, da wird auch schon die Küchentür aufgemacht und die Hausherrin marschiert siegessicher herein.
„Was … ist … das?“, stottert sie .
Das Entsetzen ist ihr ins Gesicht geschrieben und ich freue mich im wahrsten Sinne des Wortes tierisch über meine gelungene Überraschung. Jetzt könnte ich ja das ganze Spiel noch einmal von vorne beginnen, aber irgendwie hat mich die Lust verlassen. Bevor ich den Abflug mache, lasse ich es mir nicht nehmen, noch ein paar mal um ihren Kopf herum zu schwirren und meinen Motor ordentlich in den lautesten Tönen brummen zu lassen.
„Du keines Biest!“, ruft die Hausherrin erbost aus und versucht mich zu erwischen. Mit beiden Händen fuchtelt sie aufgeregt in der Gegend herum, ohne mich auch nur ein bisschen zu berühren. Falls sie glaubt, mir damit Angst einzujagen, dann hat sie sich aber gewaltig getäuscht. Abgesehen davon langweilt mich dieses Spiel inzwischen so entsetzlich, dass ich einfach laut brummend durch das geöffnete Küchenfenster das Weite suche.
„Ein ruhiges und sicheres Plätzchen, wo ich ein wenig dösen und mich erholen kann, wäre jetzt richtig“, denke ich müde durch das ewige Hin und Her.
Meine Müdigkeit lässt mich nur knapp über dem Boden fliegen. Plötzlich schlägt eine Tatze nach mir und versetzt mich in Todesangst. Mit letzter Kraft flüchte ich in die höheren Gefilden.
„Hilfe!!!“ , rufe ich aus. „Beinahe hätte mich die Katze erwischt.“
Direkt vor dem Haus steht ein Cabrio. Das Dach ist geöffnet und der Motor ist aus. Ich umflattere zunächst einmal das Auto, um sicher zu gehen, dass im Inneren keine weiteren Gefahren auf mich warten.
„Perfekt“, denke ich.
Nachdem ich alles ausgekundschaftet und keine Gefahren gesichtet habe, lasse mich in der Ritze zwischen Rückenlehne und Sitzbank im hinteren Teil des Wagens nieder.
„Hier findet mich so schnell niemand. Nicht einmal die Katze“, überlege ich noch zufrieden, da hat mich die Müdigkeit auch schon derartig übermannt, dass ich sofort in einen tiefen und traumlosen Schlaf falle.
Ich erwache erst, als mir der Fahrtwind um die Flügel weht. Zu meinem Entsetzen stelle ich fest, dass die Hausherrin und ihr Gemahl sich auf den beiden Vordersitzen befinden und mit Karacho die Straßen entlang donnern.
„Hilfe!!!“, rufe ich nun schon zum zweiten Mal aus und versuche mich so tief es geht in der Ritze zu verschanzen.
„Hoffentlich entdecken sie mich nicht!“, bete ich zu unserem Fliegengott und nehme mir vor: „An der nächsten Ampel mache ich die Flatter.“
Der gute Wille ist ja da, doch die Umstände lassen es nicht zu. Es beginnt nämlich zu regnen und an der nächsten Ampel schließt sich das Dach über mir und den menschlichen Insassen. Ich will noch schnell entwischen, doch die Angst durch das sich schließende Dach zerquetscht zu werden, lässt mich meinen Fluchtversuch abbrechen und das Schicksal befördert mich direkt in die geöffnete Handtasche der Frau. Hier wimmelt es von vielen interessanten Sachen. Sogar ein Stückchen Schokolade entdecke ich, an dem ich auch sogleich ein bisschen herum knabbern muss.
„Mmmh! Schmeckt das köstlich!“
Ich bemerke nicht, dass die Frau ihre Handtasche wieder an sich nimmt, sie verschießt und mit ihr und mir davon marschiert. Das ist ein Gewackel und Gehopse, das ich jetzt über mich ergehen lassen muss. Ich werde von einer Ecke in die andere geschleudert, so dass es mir ganz schwindelig und schlecht wird. In meinem Kopf dreht sich alles und ich kann weder klar denken, noch kann ich in dieser Dunkelheit etwas erkennen. Es ist auch ziemlich stickig hier drin. Ich bekomme kaum noch Luft. Außerdem scheint auch das Parfüm der Frau ausgelaufen zu sein, denn es beginnt bestialisch zu stinken hier in meinem Gefängnis, woraufhin ich das Bewusstsein verliere.
Ich komme erst wieder zu mir, als der Reißverschluss geöffnet wird und eine Hand im Innern herumwühlt. Ich muss mich ganz in die Ecke verkriechen, damit ich nicht von der Hand gefangen oder zerquetscht werde.
„Wo sind denn nur schon wieder meine Haustürschlüssel?“, ertönt die Frauenstimme.
Kurz darauf höre ich es klappern und ich fliege mit der Tasche in hohem Bogen durch die Gegend. Dann herrscht Totenstille. Es ist schon fast unheimlich.
Vorsichtig wage ich mich aus der Tasche. Ich schaue mich um und stelle fest, dass ich mich schon wieder in der Küche befinde, in der mich die Hausherrin gejagt hat, beziehungsweise in der ich die Hausherrin bis zur Weißglut geärgert habe. Ich danke dem Fliegengott, dass ich anscheinend alleine im Raum bin.
„Oh, was liegt denn dort Leckeres?“, frage ich mich und krieche leise und vorsichtig die Küchenarbeitsplatte entlang.
Ich fühle mich der Köstlichkeit schon ganz nahe und kann ihren süßen Duft auch schon vernehmen, da passiert es:
Ein Glas stülpt sich über mich und schließt mich ein. Ich renne um mein Leben, aber es gibt nirgends eine Öffnung durch die ich flüchten könnte. Irgendetwas wird mir von unten unter meine Fliegenbeine geschoben.
„Da hab ich dich endlich, du keines Biest! Mich wirst du nicht mehr ärgern!“, sagt die mir schon bekannte Frauenstimme.
„Jetzt hat mein letztes Stündlein geschlagen“, denke ich resigniert.
Doch es kommt anders:
Die Hausherrin trägt das Glas mit mir zur Haustür, entzieht mir den Boden unter den Füßen und schleudert mich in die Luft. In Panik beginne ich die Flügel zu schlagen und steige in die Lüfte.
„Wage dich nicht mehr zurück!“, ruft die Frau mir nach.
Ehrlich gesagt, auf diese Idee würde ich auch nicht kommen. Jetzt genieße ich meine Freiheit und schwöre niemals wieder eine Menschenseele zu ärgern.
Obwohl! –
Steht dort drüben in der Nachbarschaft nicht ein Fenster offen?

 

 

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Jetzt geht’s richtig los!

Kaum schickt die langersehnte Sonne die ersten wärmenden Sonnenstrahlen vom Himmel, geht es wieder richtig los. Es summt und brummt in allen Ecken des Gartens. Gerade umschwirrt mich draußen auf der Terrasse ein dicker Brummer. Ich sehe ihn nicht, aber ich kann ihn hören. Da sein Brummen sehr intensiv ist und wohl einem etwas größerem Resonanzraum zu entstammen scheint, vermute ich, dass es sich um einen fetten Brummer handelt.
Was sich im Freien so schön mit dem Zwitschern der Vögel vermischt und zum Genießen der wiedererwachten Natur gehört, empfinde ich im Innern des Hauses als ziemlich lästig. Aus diesem Grund haben wir auch bei den Terrassen- und Balkontüren sogenannte Fliegengittertüren angebracht. Aber leider verirrt sich mancher Brummer doch in die Innenräume. So auch jetzt wieder.
Ich öffne das besagte Fliegengitter und die Terrassentür, damit ich wieder ins Haus kann. Auf diese Gelegenheit scheint der Brummer allerdings nur gewartet zu haben. Schneller als ich, ist er in den Innenräumen und fliegt kreuz und quer. Rastlos irrt er in der Diele hin und her.
„Nicht mit mir!“, versuche ich ihm zu drohen.
Im Eiltempo hasste ich zu meiner Küchentür, um sie zu schließen und ihm den Weg zu versperren. Zu spät. Zielsicher steuert er durch den kleinen Spalt und direkt zu einem meiner drei Küchenfenster. Hier donnert er mit Wucht gegen die Scheibe.
„Na warte!“, rufe ich aus. „Ich kriege dich schon!“
Bewaffnet mit einem Wasserglas und einem dünnen Pappdeckel, gehe ich auf Fliegenjagd. Es wäre nicht das erste Mal, dass ich auf diese Art die eine oder andere Fliege oder auch schon mal eine Wespe einfange, um sie wieder sicher und wohlbehalten nach draußen zu befördern. Doch bei diesem Brummer habe ich jetzt keine Chance. Er fliegt von einem Fenster zum nächsten, immer dem Licht entgegen. Logisch und irgendwie schlau, denn dort vermutet er die große Freiheit. Aber auch irgendwie dumm, denn er müsste doch eigentlich aus seiner eigenen Erfahrung lernen. Nichts desto trotz donnert er immer wieder gegen das geschlossene Fenster. Leider ist er unermüdlich in seinen Fehlversuchen und gibt mir keinerlei Gelegenheit mein Glas zum Einsatz zu bringen, denn dafür müsste er sich eine Ruhepause gönnen und sich irgendwo niederlassen.
„Setz dich doch endlich mal hin!“, befehle ich dem dicken Brummer, was allerdings keinerlei Wirkung zeigt.
Ich denke mir: „Wenn du unbedingt zum Fenster hinaus willst, dann mache ich es dir eben auf. Dann bin ich dich endlich los!“
Gesagt, getan. Nur los bin ich den Brummer immer noch nicht. Entweder er versteht meine Sprache nicht oder er will einfach nicht. Ich vermute, beides ist der Fall. Also muss ich mir eine andere Strategie überlegen, um ihn durch das geöffnete Fenster zu scheuchen. Mittlerweile bevorzugt er nämlich die beiden anderen geschlossenen Fenster.
Ich schnappe mir ein Geschirrtuch, das griffbereit am Haken hängt und wedele damit in der Luft herum. Ich versuche ihn damit in Richtung des geöffneten Fensters zu lenken.
„Was veranstaltest du denn hier?“, ertönt die mir etwas überflüssig erscheinende Frage von meinem Mann, der in die Küche gekommen ist, um sich schnell einen Kaffee zu machen.
„Das siehst du doch!“, gebe ich ein bisschen schnippisch zurück und wedele weiter.
Weder mein Glas noch mein Geschirrtuch haben sich bewährt. Der Brummer hat sich entschieden wieder durch die geöffnete Küchentür zurück in die Diele zu fliegen.
„Na toll! Ich bin echt begeistert“, gebe ich meinem Mann in einem Tonfall zu verstehen, der keinerlei Missverständnisse aufkommen lässt. Ich stelle mir nämlich gerade vor, dass der Brummer jetzt durch unser Treppenhaus nach oben in die anderen Räume entweicht.
„Den werden wir jetzt nie mehr los!“
„Wieso?“, fragt mein Mann kopfschüttelnd. „Mach doch einfach die Haustür auf und schwuppdiwupp ist er draußen. Die Öffnung ist doch wahrlich nicht zu übersehen.“
„Das denkst auch nur du!“, sage ich, als auch schon besagter Brummer zielsicher gegen das verschlossene Oberlicht donnert.
„Ich hole jetzt die Fliegenklatsche!“, beschließe ich genervt und eile in den Hauswirtschaftsraum, gefolgt von dem dicken Brummer.
Siegessicher schwinge ich das besagte Teil in meiner Hand und wende meinen Blick nach oben, um den Brummer zu fixieren. Und was sehe ich? Es ist einfach nicht zu fassen! Zu dem dicken Brummer haben sich zwei kleinere Stubenfliegen dazu gesellt.
„Ich begreife es nicht! Wo kommt ihr denn her?“
Langsam bin ich mit meiner Weisheit, was die Fliegenjagd betrifft und mit meinen Nerven am Ende.
„Ja, ja!“, gibt mein Mann zum Besten. „Wenn Fliegen hinter Fliegen fliegen, dann fliegen Fliegen Fliegen hinterher!“
„Hör auf mit den Sprüchen!“, schimpfe ich und habe doch tatsächlich das Geschwader aus den Augen verloren.
„Siehst du, jetzt hast du mich abgelenkt und ich weiß nicht mehr wo sie hin sind.“
„Dort!“, grinst mein Göttergatte frech und deutet mit dem Zeigefinger in Richtung Diele.
Ich hechte hinterher, in einer Hand die Fliegenklatsche und in der anderen das Geschirrtuch und einer Mordswut im Bauch. Mein Blick ist fest auf das fliegende Trio geheftet, während ich mein Gehirn nach weiteren Fliegenjagdstrategien durchforste. Doch plötzlich bleibe ich mit offenem Mund stehen und rühre mich nicht mehr vom Fleck.
Das Dreiergespann fliegt doch tatsächlich zielgerichtet und ohne Umwege direkt in Richtung der geöffneten Haustür. Ich halte die Luft an und wage weder zu atmen noch zu hoffen. Doch man glaubt es kaum: Die zwei kleinen Fliegen fliegen hinter der dicken Fliege schnurstracks zur Haustür hinaus, als wenn sie schon immer genau diesen Fluchtweg gekannt hätten.
Ich hechte hinterher und werfe die Haustür mit Schwung zu, damit auch keiner der Drei wieder zurück fliegen kann.
„Uff!“
Froh diese Plagegeister endlich aus dem Haus zu haben, atme ich erst einmal tief durch.
„Komm, jetzt trinken wir erst einmal einen Kaffee!“, schlägt Peter vor.
„Lass uns damit auf unseren Sieg anstoßen“, lache ich nun.
Doch schon in der nächsten Sekunde vergeht mir das Lachen. Mein Blick fällt nämlich beim Betreten der Küche auf das geöffnete Küchenfenster. Direkt davor auf meiner Küchenplatte erblicke ich nämlich einen alten Bekannten,

den dicken, fetten Brummer.

Fortsetzung folgt …

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Gustav von Blech

Gestatten, ich bin Gustav von Blech,
mein Grinsen ist ziemlich frech,
aber ich bin ein lieber Geselle,
aus einer kleinen Gartenparzelle.

Ich stehe auf einer Insel im Mittelmeer
und grüße Euch alle sehr.
Viele Menschen bleiben vor mir steh’n,
um mich zu bestaunen und zu seh’n.

Meine Harke habe ich stets dabei,
wo auch immer ich sei.
Gekleidet in des Gärtners grüner Tracht,
verhelfe ich den Pflanzen zu ihrer Pracht.

Wenn die Sonne vom Himmel lacht,
Gartenarbeit Freude macht.
Ich strahle mit der Sonne um die Wette,
erfreue mich an meiner Arbeitsstätte.

Drum lasst uns nicht mehr länger warten,
geht hinaus in den Garten.
Mit einem frohen Lied auf den Lippen,
klappt das Harken und auch das Schippen.

Die Arbeit an der frischen Luft,
und der Blumen zarter Duft,
macht uns alle froh und munter
und die Welt ein Stückchen bunter.

Euer lieber und treuer Gustav von Blech
wünscht ganz frech,
eine frohes und erfolgreiches Gelingen,
um die Blumen zum Blühen zu bringen.

 

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Meine Mutter sitzt in der Küche und blättert in einer Zeitschrift. Sie sucht das Kreuzworträtsel, denn sie hat das Rätseln als ihr Hobby auserkoren und ist auch sehr gut darin. Ich schaue ihr über die Schulter und sehe, die aufgeschlagene Seite, allerdings handelt es sich hierbei nicht um die Rätselseite.
„Lass doch mal sehen“, sage ich. „Das sind ja alles Heilsteine!“
„Willst du den Artikel dazu lesen?“, fragt sie mich, als ich mich über die Doppelseite beuge.
„Nein, lass mal. Mach du erst einmal dein Kreuzworträtsel.“
Mir ist in diesem Moment nämlich etwas in den Sinn gekommen und ich muss sofort nach oben und danach suchen. Es dauert auch nicht lange und ich halte das besagte Etwas in den Händen. Sofort flitze ich wieder nach unten zu meiner Mutter.
„Schau mal, was ich hier habe.“
„Oh!“, sagt sie. „Das ist aber ein hübsches Silberarmband. Woher hast du das?“
Anscheinend kann sie sich nicht mehr daran erinnern, aber es ist ja auch schon ziemlich lange her. Es muss wohl so in meiner Pubertät gewesen sein oder vielleicht auch schon ein bisschen früher.
„Das hat mir doch Tante Ritsch geschenkt!“, erzähle ich ihr.
Tante Ritsch war eigentlich meine Großtante und hieß Maria, doch so hat sie niemand genannt. Sie war die Schwester meines Opas väterlicherseits. Sie lebte mit ihrer Mutter, meiner Uroma, in einem kleinen Häuschen in Rottach-Egern am Teegernsee. Als ich noch ein Kind war, fuhren wir jeden Sommer für ein paar Wochen zu den Beiden nach Bayern. Auch später, als ich schon erwachsen war, bin ich mit meinem Mann und dann auch noch mit unserem kleinen Sohn nach Rottach-Egern gefahren. Unser Sohn durfte noch meine Tante Ritsch kennenlernen.
„Schau mal die Steine“, sage ich zu meiner Mutter und zeige sie ihr. „Ein Rosenquarz, ein Tigerauge, ein Jadestein und ein Amethyst.“
Wir vergleichen die Steine mit den Abbildungen in dem Artikel und ich freue mich, dass ich dieses Armband besitze, obwohl ich es ehrlich gesagt schon lange nicht mehr getragen habe. Da es aber absolut up to date ist, werde ich es von nun an wieder öfter um mein Handgelenk legen.
„Dieses Armband ist ein Unikat“, erkläre ich meiner Mutter, die mir aufmerksam zuhört. „Du ahnst nicht, woher die Steine stammen.“
„Du machst mich jetzt echt neugierig, denn ich kann mich daran wirklich nicht mehr erinnern. Also erzähl schon, was es mit den Steinen auf sich hat“, fordert sie mich auf.
„Damals gab es an einer namhaften Tankstelle eine Aktion und man erhielt dort wohl fürs Tanken solche Steine zum Sammeln. Seltsam, aber Tante Ritsch hatte doch gar kein Auto“, wundere ich mich selbst ein wenig, schiebe diese Ungereimtheit aber gleich wieder zur Seite. Vielleicht hat sie diese als Beifahrerin vom Fahrer bekommen, der keinerlei Sinn für solche Steine hatte. Egal, meine Tante jedoch wusste etwas damit anzufangen.
„Tante Ritsch hat die Steine fassen und an ein Silberarmband machen lassen und bei einem unserer Besuche hat sie mir dieses Armband geschenkt.“ Schon damals wirkte Schmuck jeglicher Art eine große Anziehungskraft auf mich aus, was auch meine Mutter weiß.
„Du warst schon als kleines Kind immer begeistert, wenn die Schwester deiner Uroma kam. Sie war mit vielen Ketten, Ringen, Ohrringen und Armbändern behängt und du warst davon total fasziniert.“
„Ja“, bestätige ich, „das muss mich irgendwie geprägt haben, denn ohne Schmuck fühle ich mich fast nackt. Allerdings behänge ich mich nicht derartig übermäßig. Aber zurück zu dem Armband…“, lenke ich das Gespräch wieder auf das besagte Schmuckstück.
„Ich habe es im Studium auch getragen, was allerdings meinem Pädagogikprofessor etwas missfiel.“
„Wieso das denn? Das Armband ist doch wirklich sehr hübsch“, wundert sich meine Mutter.
„Das schon, aber wir sollten in seinen Seminaren immer Protokolle anfertigen. Wir mussten also sehr viel schreiben und die Steine schlugen bei jeder noch so geringen Armbewegung auf der Tischplatte auf und klimperten und klapperten. Da ich auch ziemlich in seiner Nähe saß, schienen ihn irgendwann diese Geräusche zu nerven. Auf jeden Fall forderte er mich nach einer gewissen Zeit auf, doch bitte das Armband auszuziehen. Da ich es mir mit ihm nicht verscherzen wollte, immerhin hatte ich noch Prüfungen bei ihm, zog ich es sofort aus. Ich habe es nie wieder in seinen Vorlesungen oder Seminaren getragen, aber auch nie diese Begebenheit vergessen.“
Dieses Armband mit seinen Steinen ist zwar nicht kostbar, wenn man seinen Wert am Geld festmachen würde, aber für mich ist es mit vielen schönen Erinnerungen verbunden. Somit hat es vielleicht einen geringen materiellen Wert, aber einen hohen ideellen Wert für mich persönlich.
Ausgelöst durch diese Erinnerungen, durchstöbere ich gemeinsam mit meiner Mutter jetzt einige Fotoalben, denn ich suche ein ganz bestimmtes Foto. Dieses eine Foto, das mir im Kopf herum schwirrt, finde ich zwar nicht, aber zumindest eines, das ähnlich ist. Es ist auf dem Grundstück meiner Großtante entstanden. Dort befand sich neben dem Wohnhaus noch ein Holzhaus.
„Dieses Häuschen habe ich als Kind geliebt“, lasse ich meine Mutter wissen.
Das Holzhaus hatte zwei Räume, die eingerichtet waren. Dort haben meine Eltern und ich übernachtet, wenn wir meine Großtante und meine Uroma in den Sommerferien besucht haben. Das erste Zimmer war eine Art Wohnzimmer mit einer Couch, die zu meinem Bett wurde und im Nebenzimmer standen dann zwei Betten für meine Eltern. Es gab noch eine kleine Kammer, in der dann später auch noch eine Dusche und ein WC eingebaut wurden. Leider kamen meine Eltern und ich eines Sommers wieder nach Rottach-Egern und meine Tante erzählte uns, dass das Holzhaus ein paar Wochen zuvor abgebrannt war.
„Das machte mich ziemlich traurig, denn das Häuschen hatte so etwas Heimeliges und Gemütliches.“
Schade! Ich hätte es gerne meinem Mann und unserem Sohn gezeigt, doch da existierte es nicht mehr. Aber die herrliche Gegend rund um den Tegernsee, den Blick auf den Walberg und vom Walberg ins Tal herab habe ich ihnen gezeigt.
„Wenn ich daran denke, packt mich schon ein bisschen die Sehnsucht“, gestehe ich meiner Mutter, die ich gerade mit auf meine Erinnerungsreise genommen habe.
Auch an die Menschen, die ich dort kennengelernt habe und die Freunde, mit denen ich gespielt habe, denke ich sehr gerne. Vor langer Zeit, als unser inzwischen erwachsener Sohn noch ein kleines Kind war, trafen wir dort zufällig meine bayrische Freundin aus Kindertagen mit ihrer kleinen Tochter. Das war eine große Freude.
Das Haus meiner Großtante gibt es nicht mehr, an seiner Stelle steht jetzt ein anderes Haus. Geblieben sind nur die Erinnerungen und die Dankbarkeit an eine schöne Zeit, die ich dort verleben durfte.
„Welche Erinnerungen doch so ein paar Steine auslösen können“, sage ich zu meiner Mutter, lege das Armband um mein Handgelenk und schließe den Verschluss.

 

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Hoch hinauf

Heute möchte ich mit Euch hoch hinauf.

Als wir unsere Piratenfahrt rund um die schöne Insel Teneriffa machten, zeigte man uns die Masca-Schlucht, zumindest die Stelle, an der diese Schlucht sich zum Meer hin öffnet.

Das machte uns selbstverständlich neugierig. Im Hotel erzählte uns ein Gast, dass er diese Schlucht durchwandert habe. Er berichtete, dass man unbedingt schwindelfrei sein müsse, um diesen mehrstündigen Marsch zu überstehen. Er war mit einer Touristengruppe im Bus nach oben in das Bergdorf Masca gefahren und von dort die Schlucht nach unten gelaufen, wo sie mit dem Schiff abgeholt worden waren.Wir entschieden uns mit dem Auto zu dem mehr als 600 Meter hohen Bergdorf zu fahren. Schaut Euch nur die Straßenführung an, die sich durch das Tenor-Gebirge schlängelt. Schon die Fahrt in das Dorf kann als erlebnisreich bezeichnet.Uns begegnete ein Bus und als wir beobachten konnten, welches waghalsige Manöver der Busfahrer vollführen musste, um durch so manche Kurve zu kommen, war ich mehr als froh, nicht in einem Bus zu sitzen.Auf unserem Weg nach oben hielten wir gelegentlich an und genossen die atemberaubende Aussicht.Und dann erreichten wir Masca, das nur aus ungefähr 80 Häusern und kaum mehr als hundert Einwohnern besteht.Malerisch lagen die Häuser verstreut an den Berghängen vor uns.Selbst Ruinen wirkten in dieser Umgebung und bei Sonnenschein einfach nur malerisch.Die kurvenreiche und abenteuerlich Fahrt hoch zu diesem Bergdorf hatte sich gelohnt.Schnell noch einen Blick hinunter zum Meer und auf die Schlucht. Inzwischen war es schon Abend geworden und ich war heilfroh nicht irgendwo in dieser Schlucht zu stecken und den Weg nach unten suchen zu müssen.Ein letzter Rundgang auf dem inzwischen menschenleeren Dorfplatz,bevor wir nach einem erfüllten und wunderschönen Tag wieder zu unserem Hotel die vielen Kurven den Berg hinunter fuhren.

 

 

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Herzlichen Glückwunsch