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Aurelia und Albert (10)

Eule Aurelia, die alles von ihrem Aussichtspunkt aus beobachtet hat, breitet ihre Flügel aus und schwingt sich in die Lüfte. Sie fliegt über Berge und Täler über Flüsse und zugefrorene Seen.

Nein, sie fliegt nicht ziellos umher. Sie weiß genau, wohin sie will und als sie ihr Ziel erreicht hat, setzt sie sich auf den höchsten Baum. Sie beginnt ein lautes Geschrei. Immer und immer wiederholt sie ihr Rufen.

„Was ist denn hier für ein Tumult!“, wundert sich der Bewohner eines einsam stehenden Hauses mitten in einem tiefen und dunklen Wald. Er sieht ein bisschen wie Albert Einstein aus, doch der ist ja schon lange tot. Aber alle, die diesen alten Mann hier im Wald kennen, nennen ihn wegen seiner Ähnlichkeit, aber auch wegen seiner Weisheit nur Albert. Mit seinem richtigen Namen wird er niemals gerufen. Möglicherweise kennt diesen sogar keiner mehr.

„Ich sollte unbedingt einmal nachsehen. Es hört sich nach Aurelia, der klugen Eule an. Aber normalerweise ist sie ein eher stiller Vertreter ihrer Art“, denkt Albert und geht nach draußen.

„Weiser alter Mann! Albert, hörst Du mich?!“ schallt es ihm entgegen.

„Aurelia? Was ist denn los? Wieso bist Du so aufgeregt?“

„Bruno, der Teddybär, Hugo, der Waldmensch und Kurt, der Schneemann …“, Aurelia muss erst einmal Luft holen. Sie ist total außer Atem. „… sind auf dem Weg zu Dir!“

„Oh, wie schön, ich bekomme Besuch!“, freut sich Albert. „Da sollte ich meine Hütte aufräumen, es ist nämlich wieder einmal dringend nötig. Vor lauter Denken, Erfinden und Grübeln kommt man ja nicht zum Aufräumen…“

„Dazu bleibt keine Zeit!“, schreit die Eule verzweifelt. „Kurt, der Schneemann braucht Deine Hilfe, sonst stirbt er!“

Aurelia berichtet schnell alles, was Albert wissen muss. Dieser wirft vorsichtshalber einen kleinen Schlitten mit Rädern auf sein Gefährt, da er dieses schon für den Winterbetrieb mit Kufen ausgestattet hat.

„Man kann ja nie wissen, wozu er gut ist“, meint er und springt auf sein düsenangetriebenes Gefährt. Diesen Antrieb hat er sich selbst ausgedacht und gebaut. Er ist eben ein kluger Mann, der weiß, wie man schnell vorankommt. 

„Hoffentlich ist Dein Fahrzeug auch schnell genug, damit wir noch rechtzeitig ankommen und Du den Schneemann Kurt retten kannst!“, hofft Aurelia. Sie schwingt sich neben Albert auf den Beifahrersitz. Zum Glück kennt die Eule den Weg und kann dem weisen alten Mann somit ein bisschen helfen. Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck düsen die Beiden los…

Fortsetzung folgt …

Der Aufsatz

Eva muss Hausaufgaben machen. Sie soll einen Aufsatz schreiben, aber das Thema gefällt ihr gar nicht. Die Lehrerin hat den Schülern einfach nur das Wort „Zahlen“ an die Tafel geschrieben und gesagt, dass sie ihre Fantasie spielen lassen sollen. 

Jetzt sitzt Eva schon eine ganze Weile vor ihrer leeren Seite. Nichts, aber auch gar nichts will ihr einfallen, da kann sie sich ihr Gehirn noch so sehr zermartern. Doch plötzlich horcht sie auf, denn jemand betritt ihr Zimmer.

„Ach Opa, du bist es“, sagt sie fast schon ein wenig erleichtert. „Gut, dass du kommst. Bestimmt kannst du mir helfen.“

„Um was geht es denn?“, erkundigt sich Opa Waldemar. „Hast du Probleme bei den Hausaufgaben?“

„Das kann man wohl sagen. Wir sollen einen Aufsatz schreiben, irgendetwas mit Zahlen.“

„Bei den Mathehausaufgaben könnte ich dir helfen, aber im Aufsatzschreiben war ich in der Schule nicht gerade eine Leuchte.“

Enttäuscht sieht Eva ihren Großvater an, doch bei seinem nächsten Satz beginnt sie zu strahlen.

„Ich würde vorschlagen, wir machen einen kleinen Spaziergang an der frischen Luft. Dann wird der Kopf frei und du kannst hinterher besser denken.“

Eva und Opa Waldemar gehen in den nahegelegenen Stadtpark. Auf der Parkbank unter der großen Linde sitzt ein Mann, den Opa kennt und mit dem er ins Gespräch kommt. Eva steht dabei und hört zunächst ein wenig gelangweilt zu. Allerdings je besser sie hinhört, umso interessanter wird die Sache auch für sie.

„Ich musste jetzt unbedingt mal Zuhause raus und einfach nur alle Viere von mir strecken. Bei uns ist mir im Moment zu viel Trubel. Du weißt doch, dass meine Tochter und ihr Mann für ein paar Wochen bei uns zu Besuch sind.“

„Das ist schön!“, meint Opa Waldemar.

„Ja, vom Prinzip schon, aber es dreht sich immer nur um ein Thema. Die Schwangerschaft unserer Tochter ist Gesprächsthema Nummer eins.“

„Schön!“, sagt Evas Großvater wieder, aber zu mehr Worten bleibt ihm keine Zeit, denn sein Gesprächspartner redet nahezu ohne Luft zu holen weiter.

„Die Beiden erwarten Zwillinge. Der Arzt meinte sogar, dass alle guten Dinge drei wären und er könne noch nicht mit Gewissheit sagen, ob sich vielleicht doch noch ein drittes Baby hinter den zwei anderen versteckt hält. Das könne erst der nächste Ultraschall eindeutig klären.“

„Toll! Drillinge!“, entfährt es Eva.

„Das sagen meine Frau und der Rest der Familie auch“, erklärt Opas Bekannter. „Sie sind alle total aus dem Häuschen und mir kommt es so vor, als hätte keiner von ihnen noch seine fünf Sinne beieinander. Sie führen sich auf, als hätten sie einen Sechser im Lotto und scheinen alle auf Wolke sieben zu schweben.“

„Da solltest du dich jetzt mal schnell auf dein Fahrrad schwingen, das übrigens einen Achter im Vorderrad hat und schon mal eine Babypuppe kaufen, um dich im Windelwechseln zu üben.“

„Ach du grüne Neune!“, entfährt es Opas Bekanntem. „Dazu kriegen mich keine zehn Pferde!“
Seltsamerweise radelt er nun allerdings recht flott in Richtung Kaufhaus.

Opa Waldemar kommt heute jedoch aus dem Staunen nicht heraus, denn Eva erklärt ihm:
„Ich muss jetzt auch ganz schnell nach Hause! Mir schwirrt nämlich der Kopf voller Zahlen!“

 

 

Habt Ihr die Zahlen 1-10 in der Geschichte entdeckt?

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Des Glückes Gabe

 

Irgendwie ist mir heute so zumute,

dass ich ziehe eine Schnute.

Das Wetter ist nur nass, kalt und trübe,

macht mich lustlos und müde.

 

Ich frage mich schon den ganzen Tag,

hält er auch was Schönes parat?

Oder bleibt er solala und einheitsgrau?

Dann wird mir ganz flau.

 

Das Leben ist nicht immer kunterbunt,

nicht immer läuft alles rund

und wie man es sich wünscht und denkt,

man bekommt nichts geschenkt.

 

Doch unverhofft klopft er dann an,

bei dir, mir und jedermann,

zaubert ein kleines Lächeln ins Gesicht,

bringt ins Leben wieder Licht.

 

Es ist der Moment des kleinen Glück’,

verweilt für einen Augenblick

und hat in seinem Gepäck die gute Laune,

verändert alles im Nu, man staune!

 

Vergessen ist aller Trübsinn sogleich,

Fröhlichkeit mit einem Streich,

erobert des Menschen Herz und Sinn,

mehr als im Lotto ein Gewinn.

 

Nutzt jeden noch so kleinen Moment,

es braucht kein Argument,

um zu ergreifen des Glückes Gabe

in jeder Lebenslage.

 

 

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Tollpatschigkeit

Horst ist in Eile, er muss noch zu einer Behörde und einige Unterlagen abgeben. Er packt alles in seinen Aktenkoffer und eilt mit einem kurzen Gruß, den er seiner in der Küche hantierenden Frau zuwirft, zur Haustür hinaus. Noch bevor er seinen Kofferraum aufmachen kann, muss er allerdings nochmal zurück, weil er etwas vergessen hat. Er stellt seinen Aktenkoffer achtlos ab und geht ins Haus.

Zwei Minuten später schließt er die Wagentür auf, schwingt sich auf den Fahrersitz, lässt das Auto an und stößt nach hinten, um rückwärts aus der Ausfahrt zu fahren.
„Oh nein!“, denkt er erschrocken, als er bemerkt, dass sein Hinterrad über eine Erhöhung rollt. „Was war denn das? Ich habe doch hoffentlich nicht Nachbars Katze überfahren!?“
Automatisch bremst er und haut dann spontan den Vorwärtsgang rein, was jedoch bewirkt, dass das Rad wiederum über dieses Etwas rollt.
„Oh Gott! Lass es bitte nicht Minka sein!“, durchfährt es seine Gedanken.
Horst reißt die Autotür auf, stürzt panisch nach hinten und bückt sich.
„Das war wohl noch mal Glück im Unglück!“, entfährt es ihm als er sieht, was da unter den Reifen geraten ist. Vor Erleichterung, aber auch über seine eigene Tollpatschigkeit beginnt er zu lachen. Seine Frau, die nun vor der Haustür erscheint, stimmt in sein Lachen mit ein, als sie erkennt, was ihr Mann unter dem Auto hervorzaubert. Frustriert und amüsiert zugleich hält er nämlich seinen verbeulten und plattgedrückten Aktenkoffer hoch. 
Später auf dem Amt bekommt er nur mit roher Gewalt das Schloss des Koffers auf und erntet von allen Umstehenden großes Gelächter. Auch Bauer Sonnenschein, den Horst gegen Mittag zufällig an der Dönerbude auf dem großen Parkplatz trifft, kann sich vor Lachen kaum halten.
„Wie kann man nur so tollpatschig sein?! Du musst heute Abend beim Stammtisch unbedingt das Corpus Delicti mitbringen und deine Geschichte zum Besten geben. Die anderen werden sich vor Lachen biegen. Mir tut ja auch schon der Bauch weh“, meint Bauer Sonnenschein. „Aber jetzt muss ich schnell weiter. Ich will nachher noch mit dem Traktor Brennholz holen. – Also dann bis heute Abend! Es wird bestimmt lustig!“
„Und ob der Abend lustig wird, allerdings auf meine Kosten“, denkt sich Horst. „Naja, so ist es eben im Leben. Wer den Schaden hat, braucht für den Spott nicht zu sorgen!“
Am Abend kommt Bauer Sonnenschein beim Stammtisch mitten in eine fröhliche Runde hinein. Er hat sich tüchtig beeilen müssen, denn die Sache mit dem Brennholz hatte doch länger gedauert als gedacht. 
„Hast du schon gehört, was Horst heute angestellt hat? Das kann auch nur ihm passieren!“, fragt sein Kumpel Klaus und will auch schon erzählen.
„Ja, ja!“, sagt Bauer Sonnenschein kurz angebunden, gibt per Zeichensprache dem Wirt zu verstehen, dass er gerne ein Bier möchte und legt gedankenverloren sein Handy auf den Tisch.
„Ist dir wohl runtergefallen“, meint Klaus und nimmt das Handy in die Hand, um die „Spider-App“, die das Display ziert, besser betrachten zu können.
„Ist mir aus der Hosentasche gefallen“, sagt Bauer Sonnenschein kleinlaut.
Inzwischen ist die Unterhaltung und das Lachen der anderen verstummt und alle begutachten den Schaden am Handy.
„Funktioniert es noch?“, fragt Thomas.
Bauer Sonnenschein nickt und nimmt einen heftigen Schluck aus dem Bierglas. „Du hast mich doch vorhin angerufen und wir haben miteinander telefoniert.“
„Aber was hast du denn mit der Rückseite gemacht?, will jetzt auch Michael wissen. „Da sind so komische Kratzer und Eindrücke drauf, – ist dir wohl nicht zum ersten Mal runtergefallen?!“
„Doch, schon, aber…“
„Jetzt rück schon raus mit der Sprache“, ermutigt Horst seinen Freund. „Ich habe dir mein Missgeschick auch berichtet.“
„Ich sag doch, es ist mir irgendwann heute Nachmittag aus der Hosentasche gerutscht.“
„Auf die Vorder- oder auf die Rückseite? Jetzt lass dir nicht die Würmer einzeln aus der Nase ziehen“, mischt sich Thomas ein.
„Auf die Rückseite. Allerdings auf einen Kiesuntergrund“, gibt Bauer Sonnenschein zu.
„Das erklärt die Kratzer, aber nicht die Eindrücke und die Spider-App auf der Vorderseite“, gibt Thomas nicht auf.
„Okay, okay, ich gebe alles zu!“, beginnt Bauer Sonnenschein mit einem zerknirschten Gesicht. „Ich habe es nicht gleich bemerkt. Erst als Thomas mich angerufen hat und durch das Klingeln habe ich es auf dem Kiesweg gefunden. Es lag direkt vor dem Traktor, allerdings nachdem …“
„…du bereits einmal mit dem Traktor drüber gefahren warst?!“, meint Klaus grinsend. 
„…zweimal“, korrigiert Bauer Sonnenschein.
„Soviel zum Thema Tollpatschigkeit!“, klatscht Klaus fröhlich in die Hände.
Fast unmerklich nickt Bauer Sonnenschein und zieht alle Lacher auf sich. *

 

 

*Man glaubt es kaum, aber für diese Geschichte gaben mir zwei Ereignisse aus unserem Freundeskreis die Vorlage.

 

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Besuch bei Tante Else und Onkel Emil

Onkel Emil und der Pfeil des Amors

Das bisschen Haushalt

Frau Konfusi hat entsetzt ihren Blick auf das Küchenfenster gerichtet. Die Sonne scheint in den Raum. Das ist eigentlich eine recht erfreuliche Sache, denn jetzt in der Winterzeit ist es draußen eher kalt und trüb. Heute jedoch zeigt sich der Himmel in seinem schönsten Blau und zu allem Überfluss lacht auch noch die Sonne. Sie steht allerdings zu dieser Tageszeit schon recht tief und wirft ihre Strahlen zum Fenster hinein.
Das hat zur Folge, dass Frau Konfusi klitzekleine Staubpartikelchen in der Luft schweben sieht und auch bemerkt, dass ihre Scheiben dringend einer Reinigung bedürfen. Allerdings sollte das Fensterputzen bei Minus 5 Grad weder angenehm noch besonders vorteilhaft sein. Zumindest von außen.
„Ich könnte aber wenigstens die Scheiben auf der Innenseite putzen“, überlegt sie sich, denn gerade ergreift sie ein unwiderstehlicher Putzzwang. „Und die Vorhänge würden sich auch freuen, wenn sie mal wieder in der Waschmaschine ein paar Runden schwimmen dürften.“
Sofort marschiert sie in den Abstellraum, ergreift sich einen Eimer, einen Lappen und das Fensterleder. Wieder in der Küche angekommen, stellt sie erst einmal das Radio an, denn mit Musik geht bekanntlich alles viel besser und leichter.
Singend und voller Elan steigt sie auf einen Stuhl, den sie an das Küchenfenster gerückt hat. Sie muss sich allerdings tüchtig strecken, um an die Gardinenstange zu gelangen und die Gardinen abzuhängen.
„Ich hole mir doch lieber mal die Leiter. Immerhin passieren die meisten Unfälle im Haushalt und auf Stühle sollte man nicht steigen. Sie könnten ja kippen“, denkt sie sich, klettert wieder herunter und läuft abermals in die Abstellkammer. 
„Jetzt ist es ein Kinderspiel die Gardinen abzuhängen“, sagt sie ein paar Augenblicke später zu sich selbst, als sie auf der Leiter steht. 
Wie das nun mal so ist, im ungünstigsten Moment klingelt es. Heute ist es nicht der Postbote oder die Nachbarin vor der Haustür, sondern das Telefon kündigt einen Anruf an.
„Kannst du bitte mal rangehen!“, bittet sie ihren Mann rufend, der im Arbeitszimmer einige Unterlagen sortiert. „Ich kann gerade nicht!“
Beim vierten Klingeln hört sie ihren Gatten in die Diele kommen, wo der Apparat steht. 
„Ja, Konfusi!?, meldet er sich freundlich und fragend zugleich.
Einen kurzen Augenblick herrscht Stille und Frau Konfusi überlegt sich, wer wohl am anderen Ende der Leitung sein mag. Doch nun hört sie ihren Göttergatten sagen: „Da gebe ich Ihnen am Besten mal meine Frau!“
Schon öffnet sich die Küchentür. Professor Konfusi hält immer noch den Hörer an sein Ohr und gibt dem Gesprächspartner zu verstehen: „Sekunde, – ich übergebe an meine Frau!“
Mit diesen Worten reicht er seiner verdutzten Gattin den Hörer.
„Ja, bitte?!
„Schön, dass ich Sie erreiche.“
„Aha!?“
„Ich rufe im Auftrag eines Marktforschungsinstitutes an. Wir hätten da ein paar Fragen ….“
„Das ist im Augenblick etwas ungünstig“, unterbricht Frau Konfusi kurzerhand.
„Es dauert auch nur zwei, drei Minuten…“
„Es ist wirklich äußerst ungünstig,…“
„Ich verspreche Ihnen es dauert tatsächlich nicht lange.“
„…ich stehe gerade auf einer Leiter“, vollendet Frau Konfusi ihren zuvor angefangenen Satz.
„Oh, dann beenden wir doch besser das Gespräch!“, klingt es blitzschnell und fast ein wenig ängtlich aus dem Telefonhörer und augenblicklich vernimmt Frau Konfusi ein Tuten, das ihr das Beenden des Gespräches signalisiert.
Sie reicht ihrem Gatten das Mobilteil zurück und fragt:
„Wieso übergibst du mir immer diese Meinungsumfragen, – noch dazu, wenn ich auf der Leiter stehe. Ich habe gar nicht richtig hingehört. Was wollte er eigentlich?“
„Ich glaube, es ging um eine Umfrage zur Unfallverhütung im Haushalt“, grinst Professor Konfusi und versucht sich rechtzeitig in Sicherheit zu bringen, da ihm ein feuchter Putzlappen entgegenfliegt.

 

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Professor Konfusi

Ärger mit dem verflixten kleinen Ding

Fräulein Tussnelda

5 Uhr 30

Es hat sie tatsächlich einst gegeben,

eine Zeit ohne Dich in meinem Leben.

 

Damals hätte ich es niemals gedacht,

dass du einst wirst haben diese Macht.

 

Seit du bist an meiner Seite immerzu,

nimmst du mir meine innere Ruh’.

 

Zwiegespalten ist mein Verhältnis zu dir,

weder Liebe noch Hass erhältst du von mir.

 

Ich kann dich nun einfach nicht lieben, 

zeige es dir deutlich mit kräftigen Hieben.

 

Ich kann dich aber auch nicht hassen,

denn ohne dich würde ich viel verpassen.

 

Mit einem Eid kann ich es beschwören, 

manchmal würde ich dich gerne überhören.

 

Wenn du mir deinen Dienst wirst versagen,

werde ich mich ganz bitterlich beklagen.

 

Dann kann ich auch niemand dafür bestrafen,

ohne dich, meinen Wecker, werde ich verschlafen.

 

Drum bleibe bitte getreu an meiner Seite,

griffbereit und keinesfalls außer Hörweite.

 

 

 

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Ich beneide dich

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Der Wald voller Bäume

Manchmal sieht man den Wald vor lauter Bäumen nicht. Dieses sonderbare Phänomen tritt nicht nur bei einem Sonntagsspaziergang auf, nein auch im ganz normalen Alltag. Ich weiß wovon ich spreche, denn erst neulich ist es bei mir wieder aufgetreten:

Es ist später Nachmittag und draußen ist es schon recht dämmrig. Naja, eigentlich ist es der Jahreszeit entsprechend schon nahezu dunkel. 

„Klar“, wird jetzt jeder denken, „bei Dunkelheit passiert es schon mal, dass man etwas übersieht.“

Das mag ja sein, aber da wo ich mich gerade befinde, ist es taghell, fast schon zu hell. Ich bin im Supermarkt und muss noch schnell etwas einkaufen. Mein Einkaufszettel liegt wie immer zu Hause auf dem Tisch. „Aber egal, ich habe ihn selbst geschrieben, dann habe ich auch alles im Kopf“, überlege ich und überfliege diesen Zettel gedanklich. 

„Zu den Frikadellen gibt es morgen Rotkraut und Kartoffelbrei“, überlege ich. Ein Blick in den Einkaufswagen bestätigt mir, dass alle notwendigen Zutaten bereits darin liegen.

„Ach“, fällt mir da plötzlich ein, „ich brauche noch Röstzwiebel, die schmecken so gut zum Kartoffelbrei.“

Stände ich jetzt in dem Supermarkt, in dem ich für gewöhnlich einkaufe, wäre das auch nicht dramatisch. Ich befinde mich allerdings in einem Einkaufscenter, der im Untergeschoss auch einen Lebensmittelladen besitzt. Tja und da beginnt mein Problem. Hier kenne ich mich nicht so wirklich aus. Aber dann kommt die Logik ins Spiel und somit kann ich zumindest einen kleineren Bereich bei meiner Suche eingrenzen. 

„Nudeln, Ketschup, Tomatenmark, diverse Fixprodukte… ja dort irgendwo müssten auch die Röstzwiebeln versteckt sein. Oder vielleicht doch eher in der Nähe der Gewürze?“ überlege ich hin und her und marschiere durch die Reihen. Dabei ist mein Blick an die Inhalte in den Regalen geheftet. Allerdings muss ich nach dem dritten Rundgang kapitulieren.

„Entweder sie stehen an einer anderen Stelle oder der Markt führt dieses Produkt nicht“, denke ich und steuere auch schon auf eine Verkäuferin zu, die gerade ein Regal mit Waschpulver bestückt.

„Entschuldigen Sie bitte. Wo finde ich Röstzwiebel?“, frage ich höflich, erhalte aber keine Antwort. 

Die Verkäuferin dreht sich wortlos um und geht davon. Unwillkürlich zucke ich mit den Schultern, denn nun bin ich ratlos. Während ich noch überlege, ob die Verkäuferin vielleicht taubstumm ist, laufe ich ihr automatisch einfach nach. Mein Glück, denn nun bleibt sie abrupt stehen und deutet auf das untere Regalbrett neben den Ketschupflaschen.

„Oh, Dankeschön, das habe ich total übersehen“, gestehe ich ihr, doch sie hat sich schon einer anderen Kollegin zugewandt und siehe da, sie kann mit ihr sprechen, lachen und auch antworten.

Da mir inzwischen noch eingefallen ist, dass ich für den Kuchen, den ich backen will, frische Hefe brauche, gehe ich nun zum Kühlregal. Das Angebot ist reichhaltig. Joghurt, Quark, Butter, Milch… alles da. Aber wo nur hat sich die Hefe versteckt. Meine Augen schweifen durch die Fächer des Kühlregals.

„Heute habe ich wohl Tomaten auf den Augen“, schimpfe ich innerlich mit mir. „Also muss ich wohl wieder um Mithilfe bei meiner Suche bitten. Aber dieses Mal suche ich mir eine andere Verkäuferin aus“, beschließe ich. „Dort drüben bei den Backwaren ist eine, also nichts wie hin …“

„Entschuldigung!“, unterbreche ich sie bei ihrer Arbeit. „Wissen Sie vielleicht, wo ich frische Hefe finde?“

Sie dreht sich zu mir um und lächelt mich an: „Ja natürlich“, sagt sie, „das weiß ich.“

Jetzt strahlt sie mich regelrecht an und sagt erst einmal für ein paar Sekunden nichts, bevor sie fragt: „Soll ich es ihnen verraten?“

Jetzt muss auch ich lachen. „Oh ja bitte!“

„Na, dann kommen Sie mal mit!“

„Vielen Dank für Ihre freundliche Hilfe! Ich habe wohl den Wald vor lauter Bäumen nicht gesehen“, erkläre ich ihr, als sie mir den Hefewürfel reicht.

Frische Luft…

Es ist ein kühles und verregnetes Wochenende. Der Samstag ist mit Erledigungen und organisatorischen Dingen dahingegangen. Nicht gerade das, was man sich unter einem schönen Wochenende vorstellt. Genau das ist auch der Grund, warum ich am Sonntag unbedingt frische Luft brauche. Gelegentlicher Nieselregen, kein Sonnenschein, sondern eher Trübnis heben meine Laune nicht zum Jubeln empor. Trotzdem muss ich unbedingt raus an die frische Luft, um neue Energie zu tanken. Meinem Mann würde es sicherlich auch guttun, denn sonst würde er nur wieder über Akten grübeln, E-mails verfassen, Vorlesungen vorbereiten und, und, und. Gesund ist das sicherlich nicht.

„Lass uns wenigsten einen kleinen Spaziergang machen und anschließend irgendwo in einem Café einkehren!“, schlage ich deshalb vor.

„Und wo willst du hin?“, fragt er mich.

„Keine Ahnung, nur ein bisschen Abwechslung. Mich macht diese trockene Heizungsluft wahnsinnig.“

„Draußen ist es definitiv feuchter, da hast du recht“, entgegnet er mir und schlägt den Aktendeckel zu. „Und mit einem Tässchen Kaffee und vielleicht noch ein Stück Kuchen dazu, lasse ich mich immer locken.“

Kurz und gut, eine paar Minuten später sitzen wir im Auto. Wollten wir nicht spazieren gehen? Na, inzwischen hat es angefangen richtig heftig zu regnen. 

„Meinst du, wenn wir in die Stadt reinfahren, dass es dort nicht regnet?“, erkundige ich mich und schnalle mich an. „Dann gehen wir eben zuerst in das Café, irgendwann hört es hoffentlich wieder auf zu regnen.“

„Ich hab‘ eine andere Idee“, meint mein Mann begeistert. „Wir schauen uns erst einmal den neuen Tunnel an!“

Mir schwant da etwas. Bei uns wird der Bahnhof umgebaut und in diesem Projekt wurde auch der Fußgängertunnel, der zu den Gleisen führt, ebenfalls umgestaltet.

„Puh, wie langweilig“, denke ich mir, will aber Peter nicht die Freude nehmen und nicke deshalb nur still.

„Schön ist er geworden, gefällt mir echt gut“, muss ich eine halbe Stunde später zugeben. „Sieht jetzt alles viel großräumiger und moderner aus. Wird bestimmt toll, wenn alles fertig ist.“

„Die Umgestaltung wird noch eine Weile dauern, aber sie wird gut. Schau nur  und hier wird…“, erklärt mir mein Mann und ich lausche interessiert seinen Ausführungen.

„Ich muss mir jetzt aber erst mal was zu trinken holen“ erkläre ich ihm und deute auf den geöffneten Drogeriemarkt. 

Während ich noch etwas in dem ebenfalls neugestalteten Markt herumstöbere, geht mein Mann mit den Getränken zum Bezahlen an die Kasse und verlässt danach das Geschäft. Als ich Minuten später ebenfalls in die Bahnhofshalle zurückkehre, steht er vor der Anzeigetafel und studiert die Informationen.

„In 10 Minuten fährt ein Zug nach Berlin“, sagt er. „Wollen wir mal kurz hin und heute Abend wieder zurück?“

„Ernsthaft?“, frage ich noch etwas ungläubig, während er schon zur Bahnauskunft eilt.

„Ziehen sie sich am besten am Automaten ein Berlin-Brandenburg-Ticket“, höre ich gerade noch den Mann hinter dem Schalter sagen.

„Machst du das?“, erkundigt sich Peter. „Musst dich aber beeilen.“

„Ja!“, rufe ich aus und renne zum Automaten.

Ich tippe gerade so auf dem Display herum, da schalt es von hinten.

„Können wir mit? Wir bezahlen auch die Hälfte, bleiben aber dann in Berlin.“

Zwei uns völlig unbekannte Frauen stehen da und lächeln uns an. 

„Klar“, sage ich. „Es können ja bis zu fünf Personen fahren.“

Tja, und so kommt es, dass wir alle vier zum Zug nach Berlin eilen. 

Freudestrahlend und ein bisschen erstaunt über unsere eigene Spontanität lassen wir uns in die Sitze fallen. 

„Dann gehen wir halt in Berlin spazieren…“, denke ich und nachdem der Zug den Bahnhof verlassen hat, zücke ich mein Handy.

„Wie? Echt? Wann kommt ihr an?“, fragt unser Sohn am anderen Ende und ich merke wie sich ein Grinsen über seinem Gesicht ausbreitet.


Einzug mit Hindernissen


Mona räkelt sich behaglichen in ihrem Bett. Neben ihr liegt Lisa, ihre Zwillingsschwester. Sie muss lächeln, denn ihr fällt beim Anblick ihres Ebenbildes wieder einmal ein, wie sie beide zu ihren Namen gekommen sind. 
Ihre Eltern waren sich vor dem berühmten Ölgemälde von Leonardo DaVinci im Louvre zum ersten Mal begegnet und hatten sich auf den ersten Blick ineinander verliebt. Als ein Jahr später die Zwillinge geboren wurden und es zwei Mädchen waren, kamen keine anderen Namen in Frage als Mona und Lisa.

Mona lässt ihren Blick weiter durch das sonnendurchflutete Zimmer schweifen. 

„Das ist nun also meine neue Wohnung“, überlegt sie. „Und ich hatte sogar einen wunderschönen Traum, in dem ich meine große Liebe gefunden habe. Was man in der ersten Nacht im neuen Heim träumt, soll ja angeblich in Erfüllung gehen“, denkt Mona und steht leise auf. 

Sie schleicht sich aus dem Schlafzimmer, um ihre Schwester nicht zu wecken. Mona möchte ihr neues Zuhause noch ein kleines Weilchen alleine genießen. So schlängelt sie sich zwischen den Kisten, Koffern und Tüten hindurch, die überall verteilt sind. 

„Wahnsinn, was sich in meinem neunundzwanzigjährigen Leben bisher alles so angesammelt hat. – Obwohl ich schon tüchtig aussortiert habe“, fügt sie noch ihrem Gedankengang hinzu. „Hoffentlich bekomme ich auch alles in den drei Zimmern unter.“

„Guten Morgen, Schwesterchen!“, wird Mona plötzlich von Lisas fröhlicher Stimme unterbrochen. „Bist du auch vom Kitzeln eines Sonnenstrahls geweckt worden? Herrlich, du hast die Morgensonne in deinem Schlafzimmer. – Komm her, ich muss dich umarmen!“

Lachend tänzeln die beiden Schwestern zwischen den Kisten hin und her. Am Ende ihres Tanzes sind sie im Badezimmer angekommen, wo sie sich nach einer wohltuenden Dusche in ihre Jogginganzüge werfen und sich der großen Herausforderung des Tages stellen wollen.

„Lass uns aber erst einmal auf deinem Balkon ein Tässchen Kaffee trinken“, schlägt Lisa vor und öffnet auch schon die Balkontür. Dort haben die Möbelpacker gestern gleich zwei Stühle und einen kleinen Tisch aufgebaut. 

„Ich habe in der Küche eine Tüte mit einer neuen Packung gemahlenen Kaffees!“, fällt es Mona jetzt ein. „Warte nur, in ein paar Minuten ist die Wohnung von frischem Kaffeeduft erfüllt.“

Lisa hat auf einem Stuhl Platz genommen und reckt ihr Gesicht mit geschlossenen Augen der Sonne entgegen. Ihr süßes Näschen beginnt nach einer Weile zu schnüffeln, doch von dem versprochenen Duft kann diese nichts erkennen. Lisa öffnet die Augen und sieht eine enttäuschte Mona vor sich stehen.

„Was ist? Wo ist der Kaffee? Ist die Kaffeemaschine kaputt?“

„Das nicht! Aber ohne Schere bekomme ich die Packung nicht auf“, sagt Mona und hält das zugeschweißte kleine Päckchen hoch, in dem sich das braune Pulver befindet.

Beide Frauen stürmen nun in das Wohnzimmer, um nach und nach die unterschiedlichsten Kisten aufzureißen und nach einer Schere zu suchen. 

„Ich weiß genau, dass ich eine neue gekauft habe. Nur kann ich mich nicht erinnern, in welcher Kiste ich sie verstaut habe“, meint Mona, genau in dem Moment als Lisa das gesuchte Stück gefunden hat.

„Hier! Ich hab sie!“

Leider ist die Freude der Schwestern nur von kurzer Dauer. Von der Suche erschöpft lassen sie sich wieder auf die Balkonstühle fallen. Auf dem Tisch zwischen ihnen liegt die Schere, die sie fassungslos anstarren.

„Wie kann man nur als Hersteller eine Schere so verpacken und verkaufen, dass man eine Schere braucht, um sie aus der verschweißten Plastikverpackung wieder herauszuschneiden?!“, macht Lisa ihrer ehrlichen Entrüstung Luft.

Gerade als sich Mona und Lisa überlegen zum Bäcker auf der gegenüberliegenden Straßenseite zu gehen, um dort aus einem Pappbecher ihren Kaffee zu trinken, klingelt es an der Wohnungstür.

„Erwartest du jemand?“, will Lisa wissen.

„Nein und außerdem kenne ich ja noch niemand hier.“

Neugierig laufen die Beiden zur Wohnungstür, um diese zu öffnen. Das Zwillingsschwesternpaar blickt entgeistert in die Augen zweier Zwillingsbrüder.

„Wir wohnen gleich nebenan und wollten die neue Mieterin begrüßen!“, sagt der Eine und überreicht Mona eine mit köstlichen Leckereien gefüllte Kuchenplatte. „Bestimmt habt ihr ein Tässchen Kaffee für uns. Danach helfen wir auch gerne beim Auspacken und Verräumen.“

Noch bevor Mona oder Lisa irgendetwas antworten können, zückt der andere Zwillingsbruder eine Schere und meint:

„Wir haben unbeabsichtigt euer Gespräch auf dem Balkon mitbekommen. Das Problem mit dem Öffnen der Verpackungen dürfte somit gelöst sein.“  

Neujahrswünsche

Nun ist es wieder mal soweit,

darum macht euch alle bereit.

Schlag zwölf die Gläser klingen,

und alle fröhlich „Prosit“ singen.

Das alte Jahr ist dann beendet,

vom neuen sind wir geblendet.

Neues Spiel erhofft neues Glück,

für jeden ein ganz großes Stück.

Schlagen ein neues Kapitel auf

und so nimmt 2019 seinen Lauf.

Möge es uns allen Freude bringen

und Friede auf Erden uns gelingen.

Gesundheit möge alle begleiten,

Frohsinn durch das Jahr leiten.

Wünsche mögen sich erfüllen,

Lachen unser Leben umhüllen.

Viele frohe, bunte, lustige Feste,

vom Leben nur das Allerbeste,

dass 2019 wird ein Meisterwerk

wünscht von Herzen Astrid Berg.

Alles Gute!

Ich wünsche Euch einen guten Rutsch in das Neue Jahr.

2019 möge ein schönes und friedvolles Jahr werden, das für jeden nur das Beste bereithält.

Bleibt gesund und munter und erfreut Euch des Lebens.

Ich bedanke mich recht herzlich für Eure Treue und freue mich auf ein weiteres Jahr in der Bloggerwelt mit vielen gegenseitigen Besuchen.

Ganz herzliche Grüße

Astrid Berg

Besuch im Weihnachtsland (13)


Sie hören es plötzlich alle, dieses seltsame Geräusch, das immer lauter wird und anscheinend auch näher kommt.  Die ganze Engelschar, die Helferlein und selbst Rudi werden ganz aufgeregt. 

„Was ist das?“

„Das habe ich noch nie gehört!“

„Sollten wir uns in Sicherheit bringen?“

„Wenn doch nur Weihnachtsmann Willi hier wäre, er wüsste, was zu tun ist. Aber Willi macht gerade ein kleines Nickerchen bevor er wieder zu seiner nächsten Tour aufbrechen muss“, denkt Rudi erschrocken. „Ihn dürfen wir nicht wecken.“ Rudi würde sich am liebsten verkriechen. Aber wo? Hinter dem Berg von eingepackten Geschenken? 

Noch ehe jemand von ihnen die Gelegenheit hat sich ein Versteck auszudenken, geschweige denn sich dorthin zu begeben, wird es dunkel und etwas scheint über ihnen zu schweben.

„Das kann nur ein riesiges Ungeheuer sein und das seltsame Geräusch wird dann wohl sein Fauchen sein“, überlegt sich Rudi.

Bevor Rudi seine Gedanken ordnen kann, kommt dieses eigenartige Ding näher und setzt zur Landung an. Es sieht aus, wie eine Mischung aus Schlitten und Flugzeug.

„Hallo, hallo!“, schallt es auf einmal aus diesem merkwürdigen Gefährt. „Sind wir hier richtig im Weihnachtsland?“

„Ja! Hier ist das Weihnachtsland“, rufen alle zurück. 

Jetzt nimmt Rudi allen Mut zusammen und stellt die zwei entscheidenden Fragen: 

„Wer seid ihr?“    und     „Was wollt ihr?“

„Wir suchen den Weihnachtsmann Willi“, antworten die Fremden.

„Wer sucht mich hier?“, tönt es auf einmal aus der hintersten Ecke des Weihnachtslandes, wo Willi sich für sein kurzes Schläfchen zurückgezogen hat.

Ein alter Mann übernimmt jetzt die Gesprächsführung: „Ich bin es, Albert. Und das sind meine Freunde: Bruno, der Teddybär, dessen Wunsch es ist dich, Willi zu treffen und dich einmal auf deiner Tour begleiten zu dürfen. Das sind Kurt, der Schneemann, Hugo, der Waldmensch und die Eule Aurelia.“

„Oh, mein Freund Albert“, ruft Willi voller Freude aus und kommt zu dem kleinen Grüppchen. „Wie schön dich wiederzusehen. Und das sind also deine Freunde. Ich habe schon gehört, dass ihr den langen Weg zu mir auf euch genommen habt. Seid alle herzlich willkommen im Weihnachtsland.“

Jetzt bricht unter den Anwesenden Jubel und Heiterkeit aus. Alle beginnen zu singen und zu jubilieren und fast hätten sie vergessen, dass es eigentlich noch so viel Arbeit bis zum Fest zu erledigen gibt. Doch Willi wäre nicht der Weihnachtsmann, wenn er nicht an die vielen Kinder denken würde, die sehnsüchtig auf ihn und die Geschenke warten.

„So leid es mir tut, aber wir müssen wieder an die Arbeit“, erklärt er und angeführt von Rudi begeben sich alle Engelchen und Helferlein wieder in die Engelswerkstatt. „Wir haben schon viel zuviel Zeit verloren und brauchen im Grunde genommen ein kleines Wunder, um alles noch rechtzeitig zu schaffen.“

„Ich habe da mal eine Idee!“, meldet sich sein Freund Albert ganz bescheiden zu Wort. „Willi nimm doch einfach mein düsenangetriebenes Gefährt. So bist du viel schneller bei den Kindern und Teddybär Bruno hilft dir beim Verteilen der Geschenke. Dann kann er auch einmal ein richtiger kleiner Weihnachtsmann sein. Und wir anderen helfen in der Engelswerkstatt. Mit vereinten Kräften schaffen wir das schon.“

„Du bist tatsächlich so klug und weise, wie alle behaupten, lieber Albert!“, lacht Willi und klopft seinem Freund auf die Schulter. Er winkt Bruno herbei, gibt ihm ein kleines Weihnachtsmannkostüm und schon düsen sie mit Höchstgeschwindigkeit los. Im Gepäck haben sie die Geschenke für die Kinder und selbst die Rentiere und Hirsche dürfen mitfahren. 

„Für dich, Bruno, habe ich noch eine Überraschung“, sagt Willi. „Ich will nämlich ganz zum Schluss noch zu einem niedlichen Jungen, dessen sehnlichster Wunsch es ist einen kleinen Weihnachtsmannteddybär zu bekommen und auf unserer Fahrt dorthin kannst du mir deine Geschichte erzählen.“

„Lieber Weihnachtsmann Willi …“, beginnt Bruno, der Teddybär.

Ich bedanke mich bei allen meinen Lesern für die Treue und wünsche Euch ein wunderschönes Weihnachtsfest. Kommt gut in das Neue Jahr und bleibt alle gesund und munter. Ich freue mich auch in 2019 auf unsere gegenseitigen Besuche.

Herzliche Grüße

Astrid Berg


*Das Beitragsfoto habe ich von einer alten Weihnachtskarte der damaligen Firma BMW Rolls-Royce AeroEngines abfotografiert. Der Designer dieser Karte ist mir allerdings nicht bekannt.

Bald ist Weihnachten (12)

Inzwischen ist es schon bald Weihnachten und Teddybär Bruno ist immer noch nicht bei Weihnachtsmann Willi eingetroffen. Die Rettung des Schneemanns ist geglückt und so wird hoffentlich auch alles andere ein gutes Ende finden. 

„Ach, der gute alte Willi“, sagt Albert. „Das ist doch mein bester Freund.“

Bruno und Kurt sind begeistert. Sie fühlen sich fast schon am Ziel ihrer Wünsche und Träume angekommen. Wenn der weise Mann mit Willi befreundet ist, dann weiß er auch wo das Weihnachtsland ist.

„Klar, kenne ich den Weg dorthin. Ich hoffe nur, dass Willi auch da ist, denn seitdem er in den Ruhestand gegangen ist, reist er viel in der Gegend herum. Außerdem habe ich ihn schon lange nicht mehr gesehen. Hoffentlich geht es ihm gut“, meint Albert.

Und schon wieder ist die Hoffnung der Drei ins Wanken geraten, aber Albert verspricht ihnen, dass er alle mit seinem düsenangetriebenen Gefährt ins Weihnachtsland bringt.

Dort herrscht immer noch ein heilloses Durcheinander und die Engelchen wissen gar nicht, wo sie zuerst anfangen sollen. Überall ist so viel zu tun und alle gönnen sich nicht einen Moment Pause. Nur Rudi, der wegen seines gebrochenen Armes die Oberaufsicht in der Engelswerkstatt hat, ist guter Dinge. Er macht sich überhaupt keine Sorgen, denn bisher hat es jedes Jahr geklappt. 

„Es müssen noch alle Weihnachtskugeln poliert werden!“, ruft er gerade den Engelchen zu, die soeben das Basteln der Strohsterne beendet haben. „Und jeder Engel muss sich noch eine Haarsträhne abschneiden. Ihr wisst doch, dass sich die Menschen freuen, wenn sie Engelshaar am Weihnachtsbaum oder bei den Geschenken finden.“

Alle springen kreuz und quer. Sie erledigen das, was ihnen Rudi aufträgt und stellen die nächsten verpackten Geschenke bereit, die Willi gleich mit seinem Schlitten abholen und verteilen wird. „Dieses Jahr ist viel mehr zu tun, als im vergangenen Jahr“, so denken sie. Allerdings haben sie jedes Weihnachten dieses Gefühl und wie immer nehmen sie sich vor, beim nächsten Mal schon früher mit den Vorbereitungen zu beginnen. Doch dies ist ihnen erst erlaubt, wenn der Advent beginnt und dann muss alles bestens organisiert sein, damit keine Panne passiert. 

„Da kommt er!“, ruft eines der Engelchen aus. „Alle bereithalten zum Geschenkeaufladen! Die Zeit drängt. Er muss gleich wieder weiter!“ Weihnachtsmann Willi kommt von seiner neunhundertsechsundneunzigsten Tour zurück. Er sieht müde aus. Naja, er ist ja auch schon ein alter Weihnachtsmann. Auch die Rentiere und Hirsche, die seinen schwerbeladenen Schlitten ziehen, sind erschöpft und brauchen unbedingt eine Ruhepause. Leider kann diese nur von kurzer Dauer sein, denn es bleibt nicht mehr viel Zeit bis Weihnachten.

„Hört ihr das auch?“, fragt ein anderes Engelchen plötzlich. Alle verharren wie gebannt und lauschen.

„Was meinst du?“

„Na, dieses seltsame Geräusch, das immer lauter wird und anscheinend auch näher kommt …

In letzter Minute (11)

Mit ganz viel Hoffnung im Gepäck fahren Albert und Aurelia mit dem düsenangetriebenen Gefährt los. Der Schneemann muss gerettet werden und so düsen sie mit Höchstgeschwindigkeit dahin. Mit den Kufen kommen sie auch gut durch den Schnee, doch dort wo Bruno, Hugo und Kurt sich momentan aufhalten, liegt kein Schnee. 

Der Teddybär und der Waldmensch ziehen, schieben oder tragen den Schneemann unterdessen mit vereinten Kräften durch die wärmere Zone des Waldes. Sie ahnen noch nicht, dass Albert und Aurelia ihnen entgegen eilen. Albert muss jedoch auf dem letzten Teil der Strecke den Schlitten mit Rädern benutzen, was die Rettung verzögert, da sie damit wesentlich langsamer vorankommen. So holpern sie die Waldwege entlang. Aurelia, die schon voraus fliegt, hat etwas gesichtet.

„Ich kann sie sehen!“ ruft sie aus. „Dort vorne neben der großen Eiche kommen sie. Der Schneemann sieht ziemlich mitgenommen aus. Er braucht dringend Hilfe!“

Buchstäblich in letzter Minute erreichen die Retter die drei Wanderer. Jetzt muss alles ganz schnell gehen. Für viele Worte und Erklärungen bleibt keine Zeit. Der Schneemann Kurt wird auf den Schlitten gelegt und die Eule Aurelia nimmt das Seil in den Schnabel, erhebt sich in die Lüfte und zieht den Schlitten.

„So schnell wie möglich in die kältere Zone!“, ruft Albert ihr noch nach. „Aber pass auf, dass er nicht vom Schlitten fällt!“ Danach machen sich auch Bruno, Hugo und Albert auf den Weg. 

„Tief durchatmen! Alles wird wieder gut!“, versucht Aurelia den Schneemann zu beruhigen, als die beiden endlich die kältere Zone erreicht haben. „Du wirst nicht sterben, nur ein bisschen erholen musst du dich noch!“

„Ich sehe gar nicht mehr aus, wie ein Schneemann. Ganz dünn und auch schmutzig bin ich“, sagt Kurt, als er an sich hinunter blickt. „Und meine Nase fehlt auch.“

„Die habe ich!“, ruft ihm Bruno entgegen, der jetzt mit Hugo und Albert angerannt kommt. 

„Und die Sache mit dem Schmutz und dem Gewichtsverlust haben wir auch gleich erledigt“, erklärt der weise alte Mann. „Leg dich erst einmal in den Schnee! Wir rollen dich hier über die Wiese durch den schönen Pulverschnee und schon bist du wieder ein richtig weißer und kugelrunder Schneemann.“

„Danke!“, strahlt Kurt kurz danach und tastet vorsichtig nach seiner langen Karottennase, die ihm Bruno wieder ins Gesicht gesteckt hat. „Ohne Euch Freunde hätte ich es nicht geschafft. Habt ganz herzlichen Dank, das werde ich Euch allen mein ganzes Leben lang nicht vergessen! Ihr habt mir das Leben gerettet!“

Alle stehen um Kurt herum und freuen sich mit ihm. Jetzt haben sie auch Zeit sich ganz viel zu erzählen und den alten weisen Mann nach dem Weihnachtsmann Willi zu befragen. Hoffentlich weiß Albert den Weg, damit Teddybär Brunos Wünsche in Erfüllung gehen können. Inzwischen ist es nämlich schon bald Weihnachten und die Tage bis zum Fest sind gezählt …

Fortsetzung folgt …