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Unbeschriebenes Blatt

 

„Hallo“, ruft das unbeschriebene Blatt,
„ich habe es unendlich satt,
denn ich liege einfach hier nur so rum
und das ist mir dann doch zu dumm.“

Pinsel, Stift und auch die Schreibfeder
verstehen nicht dies Gezeter,
denn bald kommt gewiss auch ihr Einsatz,
drum gehört Abwarten zum Grundsatz.

„Ach, lass doch das Meckern sein,
siehst aus so sauber und rein,
so perfekt und vollkommen unschuldig,
drum sei doch nicht so ungeduldig.

Mensch und Muse werden erscheinen,
uns alle in Text oder Bild vereinen.
Warten wir lieber auf der Stunde Gunst, 
um zu erstrahlen als Poesie oder Kunst.“

„Will auch ich nun still und geduldig sein,
was meine Bestimmung wird sein,
übe mich in Vorfreude und Hoffnung
auf die kreative menschliche Schöpfung.“

Stift, Pinsel, Feder beginnen mit ihrem Tanz,
zaubern damit prachtvollen Glanz,
auf das einst unbeschriebene, traurige Papier,
erfüllen es mit Stolz und schöner Zier.

 

 

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Trendfrisuren

Lange habe ich überlegt, wie ich meinen heutigen Post nennen soll. Zur Auswahl stand noch der Titel: „Tierisch gestylt“, aber dieser  kommt demnächst an die Reihe.

Der Pony liegt schon immer voll im Trend.

Er sieht richtig sportlich aus, – egal, ob von vorne oder seitlich gesehen. Nur lang muss er sein.

Auch die Igelfrisur ist allseits beliebt.

In der Sommerhitze wird „kurz geschoren“ besoders gern getragen.

Sehr modisch haben sich diese Beiden stylen lassen.

Dieser „Bubikopf“ hat mich total begeistert. Chic, oder?! Ich finde: Einfach phänomenal!

Seid alle herzlich gegrüßt und habt ein schönes Wochenende.

 

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*Das Hundefoto hat unser Sohn fotografiert.

 

 

Juhuu!!!

Die folgende Geschichte gehört wieder einmal in die Sparte „Erinnerungen“. Sie passt hervorragend in diese Jahreszeit und ganz speziell sogar zu der momentan vorherrschenden Hitze. Eigentlich kann ich nur wiedergeben, was mir mein Mann seit Jahren in regelmäßigen Abständen erzählt, denn nicht ich, sondern er hat diesem Ereignis beigewohnt.
Lange Rede, kurzer Sinn: Heute ist es wieder einmal soweit und mein Mann beginnt zu erzählen:
„Eigentlich ist es schade, dass die Kinder zur Zeit keine Schule haben?“
Noch ahne ich nicht, worauf mein Peter hinaus will und frage deshalb leicht irritiert:
„Wieso das denn? Jetzt sind Sommerferien, –  genau richtig bei dieser Affenhitze.“
„So entgeht ihnen aber die schönste Seite des Schullebens.“
„Und die wäre?“
„Na, das ist doch ganz klar. Bei Hitze gibt es Hitzefrei. Und da fällt mir auch sogleich ein gemeinsamer Schulkamerad von uns ein.“
„Aha und wer soll das sein?“
Mein Gatte kratzt sich am Kopf und erklärt mir mit todernster Miene:
„Den Namen kann ich Dir leider nicht nennen. Nicht, weil ich ihn nicht mehr wüsste, aber die neuen Datenschutzrichtlinien verbieten es mir. Nennen wir ihn einfach mal V. !“
Inzwischen ist mir schon ziemlich klar, um welche Begebenheit es sich handelt und von wem Peter spricht.
„Ach, du meinst V…!“
„Psst!“ 
Mit gespieltem Entsetzen hält er den Zeigefinger vor den Mund, um mir anzudeuten, keinen Namen zu nennen. In der nächsten Sekunde jedoch beginnen wir beide zu grinsen. 
Man sollte es nicht für möglich halten, aber im selben Moment springt bei mir das Kopfkino an und ich sehe unseren ehemaligen Klassenkameraden in unserer Schule, die wir in der Oberstufe gemeinsam besuchten, vor mir. Schon damals, ungefähr zwei Jahre vor dem Abitur, war unser Klassenkamerad ein großer und kräftiger junger Mann, der allerdings noch in einer fast kindlichen Art einigen Unfug im Kopf hatte, also irgendwie ein sogenannter Kindskopf war. Besonders in dieser Situation, ließ er seinen manchmal überschwänglichen Gefühlen freien Lauf.
„Wir hatten gerade Pause, glaube ich“, beginnt Peter seine Erzählung. „Zumindest waren wir im Gang vor dem Klassenzimmer. Wahrscheinlich war es uns draußen zu warm oder die Pause näherte sich dem Ende. So genau weiß ich das alles nicht mehr.“
„Ist auch völlig belanglos!“, treibe ich ihn zum Weitererzählen an. Auch wenn er mir die Geschichte schon unzählige Male ausgemalt hat, höre ich ihm erwartungsvoll zu.
„In dem Moment, als ich noch zwei Schritte vor der Tür und er genau im Türrahmen stand, ertönte eine Durchsage aus dem Lautsprecher.“
„Ich nehme an, dass niemand ins Lehrerzimmer gerufen wurde“, vermute ich.
„Da vermutest du richtig. Es kam die Durchsage, dass es an diesem besagten Tag hitzefrei gibt.“
„Da freut sich jedes Schülerherz!“
„Ja und V. auch. Man kann seine Reaktion am besten folgendermaßen beschreiben: 

Juhu!!! 

Hüpf!!! 

Peng!!! 

Boing!!!“

„Und was bedeutet diese Comicsprache übersetzt? Wenn schon, dann will ich jetzt auch die ausführliche Version hören“, gebe ich meinem Mann zu verstehen.
„Wie gesagt, V. stand direkt im Türrahmen, als sich seine überschwänglichen Gefühle bezüglich der Durchsage äußerten. Er schrie voller Freude und Begeisterung 

‚Juhuu!!!‘

Im selben Moment hüpfte er mit Schwung und Elan hoch, also:

‚Hüpf!!!‘

Dabei knallte er mit ungehinderter Wucht mit dem Kopf an den oberen Türrahmen, also:

‚Peng!!!‘

Eine Sekunde später fiel er stangenlang um, also:

‚Boing!!!’

Obwohl man in einem solchen Fall nicht lachen, sondern den armen V. bedauern sollte, können wir uns im Nachhinein einen Lacher nicht verkneifen.
„Damals hat keiner gelacht. Wir hatten alle einen tüchtigen Schreck bekommen und machten uns Sorgen um V.  Das Ende vom Lied, beziehungsweise von seinem Begeisterungssprung, war nämlich ein Loch im Kopf. Am nächsten Tag kam er mit einem Verband in die Schule. Die Wunde musste genäht werden.“
„Ohje, der Arme!“, schäme ich mich meines Lachers. „Das hat bestimmt höllisch weh getan!“
„Inzwischen lacht er wahrscheinlich selbst darüber. Dieses Hitzefrei war für ihn sicherlich unvergesslich und möglicherweise erzählt er längst seinen Enkelkindern diese Geschichte.“
„Auf alle Fälle schaut V. erst einmal nach, ob nichts über ihm schwebt, bevor er einen begeisterten Luftsprung macht“, füge ich hinzu.

 

 

 

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Hitzegedanken

Die Sonne brennt uns auf das Haupt,
drum sei ein Schirm als Schutz erlaubt,
damit das Hirn nicht zu glühen beginnt
und jeder geniale Gedanke einfach nur verrinnt.

Mit Schirm oder Sonnenhut beschattet,
dazu noch mit Sonnencreme ausgestattet,
sollten wir uns eine Erfrischung gönnen,
um einen kühlen Kopf bewahren zu können.

Wasser uns dann überaus kostbar ist,
dessen sind wir uns in der Hitze gewiss,
genießen glücklich das einfache Nass,
ob aus Wasserhahn, Flasche oder dem Fass.

Mit den Füßen waten durch den Teich
ist ein Vergnügen ohne jeglichen Vergleich,
wirkt erfrischend und belebend zugleich,
ganz egal, ob man nun arm ist oder reich.

Sucht euch ein nettes schattiges Plätzchen,
neben dem Hund oder kleinen Schmusekätzchen,
genießt die Ruhe und die schönen Sonnentage,
sie entschwinden viel zu schnell,- ohne Frage.

So wünsche ich uns allen in der Hitze hier,
auf alle Fälle der notwendigen Dinge vier:
Frohsinn, Schatten, Wasser und ein kühles Bier.
Doch bedenkt, Durst hat auch das kleinste Tier.

Lieber Wettergott, schenke Sonne und Regen,
dies ist für Mensch, Tier und Natur ein Segen.
Bedenke dabei jedoch, ein Zuviel des Guten
ist von Nachteil und niemand zuzumuten.

Muss das wirklich sein?(2)

Ich muss heute diese Frage noch einmal stellen und möchte mich darüber mit Euch unterhalten.
Schaut Euch doch bitte mal das Beitragsfoto an.
Hübsch, oder?
Naja, wie man es nimmt. 
Die blühenden Pflanzen und der kleine Gingobaum sind von einem Band umschlungen und muten im strahlenden Sonnenschein und vor der grünen Hecke fast schon ein bisschen dekorativ an.  
Es könnte vielleicht die Dekoration für einen Kindergeburtstag, eine Hochzeit oder eine Gartenparty sein. Die Fantasie kennt hierfür keine Grenzen. 
Schaut noch einmal genauer hin. 
Richtig! Es handelt sich um Verpackungsmaterial. Diese mit Luft gefüllten Plastikpolster sollen etwas vor dem Zerbrechen oder Zerkratzen schützen. Nur was?
Um das zu erklären, muss ich in meinen Ausführungen ein wenig ausschweifen:
Ich habe eine kleine Hecken- und Grasschere, die mit einem Akku betrieben wird. Diese ist schon seit etlichen Jahren in meinem Besitz und ich kürze damit die Bodenkriecher in unserem Vorgarten auf die entsprechende Höhe und Länge. Das klappt ganz prima und ich bin mit dieser Schere sehr zufrieden. 
Wie gesagt, es ist auch ein entsprechendes Scherblatt für Gras dabei. Damit kann man die Grasränder abschneiden, die eventuell beim Mähen stehen bleiben. Bisher habe ich es nie gebraucht, da mein Mann immer alles ordentlich abgemäht hat. Doch „Schnuffi“, unser Mähroboter, lässt hier und da doch einige Grashalme am Rand stehen.
Da ich mit dieser akkubetriebenen Schere nicht am Boden entlang kriechen möchte, habe ich mir im Internet (leider war dieses Zubehör des Alters wegen nur noch im Internet verfügbar) den passenden Teleskopstiel hierfür bestellt. Er lässt sich auf 80- 115cm ausziehen und verhindert damit, dass ich Kreuzschmerzen bekomme.
Den Rest könnt Ihr Euch vielleicht denken?!
Auf jeden Fall klingelte zwei Tage später die Postbotin an unserer Haustür.
„Ich habe hier ein kleines Päckchen für Sie!“, lächelte sie mich an und stellte mir einen riesengroßen, aber federleichten Karton vor die Füße. 
„Ohje! Und das ist wirklich für mich?“, fragte ich etwas ungläubig.
„So steht es hier drauf!“, meinte sie und verabschiedete sich, indem sie mir „Ein schönes Wochenende!“ wünschte.
Ich trug den Karton mit einer leisen Vorahnung in den Garten, wo an dem besagten Samstag die restliche Familie versammelt war.
„Was hast du denn da?“, wurde ich sofort gefragt und alle schauten gespannt zu, als ich das Paket öffnete.
„Da ist ja nichts drin!?“, wunderte ich mich.
„Warte mal“, meinte unser Sohn. „Ich helfe dir beim Auspacken!“
Gesagt, getan. Er zog an dem einen Ende des Verpackungsmaterials und zog und zog. Es wurde immer mehr. 
„Das hört ja gar nicht mehr auf!“, riefen wir alle lachend und gleichzeitig kopfschüttend im Chor.
Unser Sohn zog eine meterlange Plastikschlange heraus und irgendwo dazwischen fanden wir dann auch den unscheinbaren Teleskopstil für meine Grasschere. 
„Pass mal auf!“, rief unser Sohn und wickelte sie demonstrativ mehrmals um unseren Gingobaum und die Blumen. 
Obwohl wir uns das Lachen nicht verkneifen konnten, waren wir doch alle sehr verwundert, weshalb man diesen Stiel derartig verpacken musste.
„Damit werden unnötig viel Müll und Kosten erzeugt“, meinte mein Mann und wir anderen konnten ihm nur zustimmen.
Mit Sicherheit wäre auch eine weitaus kostengünstigere, umweltschonendere und weniger aufwendigere Verpackung möglich gewesen. Aber so ging der Verpackungsvorgang wahrscheinlich ziemlich schnell vonstatten, was für den Verkäufer dann wohl doch günstiger kam?!
Ich denke, das ist nur ein Beispiel von vielen anderen unsinnigen Verpackungen. Da heutzutage viel im Internet bestellt wird, kommt es leider auch zu einem enormen Verpackungsmüll. 

Bestimmt war dies kein Einzelfall und auch Ihr habt schon solche oder ähnliche Erfahrungen gemacht?

Erzählt doch mal!

 

 

 

*Diesen Beitrag habe ich übrigens bei Traude (Rostrose) ANL verlinkt (https://rostrose.blogspot.com/2018/07/anl-31-loblied-auf-ein-feines-fruchtchen.html)

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Muss das wirklich sein?

Schon lange habe ich mich nicht mehr aus meiner kleinen Plauderecke gemeldet. Heute ist es wieder einmal soweit, denn mir ist etwas aufgefallen, das mich beschäftigt und worüber ich meine Verwunderung äußern möchte. 

Regelmäßig mache ich mit meiner Mutter einen Großeinkauf. Hierbei ist dann der Einkaufswagen schon recht voll, das muss ich zugeben. Aber es muss sich ja auch lohnen.
Stehen wir dann an der Kasse und legen alles auf das Förderband, haben wir  eine ganze Menge zu tun. Wir müssen uns echt beeilen, um alles auf das Band zu legen, denn vorne an der Kasse beginnt der/die Kassierer(in) schon seine/ihre Arbeit. 
In Windeseile zieht er/sie die Waren über den Scanner und meine Mutter schiebt schnell den zum Glück inzwischen leeren Einkaufswagen nach vorne an das andere Ende des Förderbandes, wo sich schon Einiges angesammelt hat. 
Sie beginnt einzuräumen, kommt aber mit dem Tempo des/der Verkäufers(in) nicht mit. Selbstverständlich übernehme ich das Einräumen, aber ich muss zugeben, dass auch ich mich beeilen muss, um mit dem/der rekordverdächtigen Verkäufer(in) mitzuhalten.
Ich sehe ja ein, dass auch noch andere Kunden abgefertigt werden müssen und man die Waren nicht gleich in die Einkaufstaschen legen kann. Das ist ja auch nicht das Problem. Aber muss es sein, dass man die Kunden in einem solchen Tempo abfertigt, dass es ihnen kaum noch gelingt alles ordentlich in den Wagen zu legen?
Meine Mutter ist inzwischen nur noch ein Jährchen von den Neunzig entfernt. Auch wenn man ihr dieses Alter nicht ansieht, aber ein bisschen Rücksicht sollte man schon gegenüber älteren Menschen nehmen, die sich dann in solchen Situationen doch schnell überfordert fühlen und nervös werden.
Um die Weihnachtszeit hatte ich ebenfalls einmal einen übereifrigen  Kassierer im Supermarkt. Dieser hoffte meiner Meinung nach anscheinend, dass diese Disziplin bei der nächsten Olympiade aufgenommen wird. Ich hatte meine liebe Mühe, um einigermaßen meine Geschwindigkeit dem Piepsen des Scanners anzupassen. Hinterher schwirrte mir so der Kopf, dass ich meine Geheimnummer für die EC-Karte vergessen hatte und einen erneuten Versuch starten musste. Ich konnte es mir damals nicht verkneifen ihm ein 
„Sie haben mich aber auch vollkommen meschugge gemacht!“ 
zuzuraunen. Das brachte mir das verständnisvolle Lächeln, der hinter mir stehenden Kunden ein. Diese konnten sich allerdings ebenfalls nicht ausruhen, denn fast zeitgleich mit meiner Verabschiedung, begrüßte er schon den nächsten Kunden und zog die ersten Waren über den Scanner.

Muss das wirklich sein?
Oh nein! Denn ich habe das Gegenteil von Hektik und Stress ebenfalls schon erlebt. Kassierer(innen), die freundlich und zuvorkommend sind, auch abwarten, bis der Kunde /die Kundin seine Sachen verstaut hat und nicht zur Eile drängen. Ihnen will ich ein Lob aussprechen und freue mich über dieses menschliche Entgegenkommen.
Also gibt es zwischen Herumtrödeln und übermäßiger Hektik doch auch noch ein angemesseneres Tempo, das etwas mehr Rücksicht den Kunden gegenüber einräumt.

Habt ihr auch schon ähnliche Situationen erlebt? 

 

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Was sagt man dazu?

Lass es dir schmecken (2)

Meine Mutter sitzt mir gegenüber. Wir haben gerade unseren Nachtisch verspeist, der uns in Erinnerungen schwelgen lässt. Die Sache mit dem Grießbrei hat mir meine Mutter bereits berichtet, doch anscheinend ahnt sie inzwischen, dass auch ich eine Episode aus meiner Kindheit zu erzählen habe. Diese hat sie allerdings nicht hautnah miterlebt und ich habe sie ihr möglicherweise noch nicht erzählt. Vielleicht hat sie diese Begebenheit aber auch nur vergessen. Sie schaut mich zumindest etwas verwundert an und erwartet meine Geschichte….
„Als ich noch ein Kind war, musstest du einmal für längere Zeit ins Krankenhaus“, beginne ich zu berichten.
Meine Mutter nickt schweigend. Da wir allerdings nicht über Krankheiten sprechen möchten, fahre ich auch sogleich mit meiner kleinen Erinnerungsgeschichte fort:
„Da du und Papa in dieser Zeit wohl sehr um mein leibliches Wohl besorgt wart,…“
„Naja“, unterbricht mich meine Mutter. „Essen hat ja auch nicht gerade zu deinen Lieblingsbeschäftigungen gezählt…“
Dieses Mal pflichte ich ihr nickend bei, gehe aber nicht auf diese Bemerkung ein.
„… habt ihr die Nachbarin beauftragt mich in ihre Obhut zu nehmen. Zum Glück nur zur Mittagessenszeit.“
Ich grinse, obwohl mir damals alles andere als zum Grinsen zumute war. Ich musste nämlich immer nach der Schule direkt zu dieser schon etwas älteren Dame, damit sie auf mich aufpassen konnte, beziehungsweise überwachen konnte, dass ich auch genügend esse. Nein, sie musste nicht für mich kochen, denn das Essen wurde von einer anderen Nachbarin, die in einer Metzgerei arbeitete, mitgebracht. Dort wurde nämlich Mittagstisch angeboten, den sie dann extra für mich in einem Henkelmann mitbrachte und bei der besagten Dame abgab. 
Diese war nicht nur eine ältere Frau, sondern auch noch die Oma meines zukünftigen Tanzpartners in der obligatorischen Tanzschule, was ich zu dem damaligen Zeitpunkt allerdings noch nicht wissen konnte. Jahre später betete ich jedoch inständig, dass sie nie meinem Tanzpartner davon erzählt hat.
„Sie hat mir immer gegenüber gesessen und genau beobachtet wieviel ich esse“, erkläre ich meiner Mutter, die meinem Gesicht mit Sicherheit meine Begeisterung ansehen kann.  Diese hielt sich nämlich ziemlich in Grenzen, wie sich wohl jeder vorstellen kann. Es kam mir vor, als würde ein General mit am Tisch sitzen, der alles unter Kontrolle halten will.
„Das war schon in Ordnung so“, verteidigt meine Mutter auch heute noch diese elterliche Entscheidung. „So konnten wir sicher sein, dass du gut versorgt warst. Papa ist ja immer erst am Abend von der Arbeit nach Hause gekommen.“
„Ach egal“, sage ich. „Viel schlimmer war, dass ich auch Sachen essen musste, die ich gar nicht mochte. Und auch heute noch nicht mag“, füge ich hinzu.
„Alles, was gesund ist, hast du nicht gemocht“, hält mir meine Mutter vor.
„Inzwischen mag ich ja vieles davon, aber das, was ich damals mehr oder weniger gezwungenermaßen heruntergewürgt habe, esse ich heute noch nicht“, gebe ich zu.
„Und das wäre?“, fragt sie mich.
„Rosenkohl!“
„Der ist doch lecker!“, klärt mich meine Mutter auf.
„Ich kann mich nicht erinnern, dass ich dieses Geschmackserlebnis hatte. Aber ich kann mich auch nicht erinnern, wie er überhaupt geschmeckt hat.“
„Dann versuch ihn doch einfach mal!“, schlägt sie mir vor.
„Nein!“, erwidere ich ganz bestimmt. „Ich habe ihn damals die ganze Zeit auf dem Teller hin und her geschoben, in der Hoffnung ihn nicht essen zu müssen. Allerdings hat die Oma von U. mir keine Ruhe gelassen und mit Adleraugen und strengem Blick darüber gewacht, dass ich meinen Teller leer esse. Kein einziges Rosenkohlkügelchen durfte übrig bleiben. Brrrrr!“
„Vielleicht schmeckt er dir heute!“, startet meine Mutter einen erneuten Überredungsversuch.
„Keine Chance!“, gebe ich ihr zu verstehen. „Diesbezüglich geht nichts bei mir. Da ist einfach eine Sperre.“
Meine Mutter gibt auf und zuckt mit den Schultern, da sie meine Meinung nicht so recht teilen kann. Sie ist eine Gemüseliebhaberin und da gehört eben auch der Rosenkohl dazu.
„Und in einer leckeren Gemüsesuppe?“, hinterfragt sie nochmals meine Entscheidung.
„Neulich erst habe ich eine ‚Quer-durch-den-Garten-Suppe‘ gekocht und da war auch Rosenkohl dabei, den ich noch in der Gefriertruhe hatte“, gestehe ich nun.
„Na also!“
„Nichts ‚na also‘“, lache ich. „Die Suppe habe ich püriert, damit ich nicht sehe, was darin ist.“
„Dann kochst du uns morgen wieder so eine gute Suppe und die lassen wir uns schmecken“, beschließt meine Mutter ungeachtet meines eigenen Speiseplans für morgen.

 

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Mmmmh lecker!!!

 

 

Lass es dir schmecken! (1)

Wieder einmal ist meine Mutter zu Besuch. Gerade haben wir zu Mittag gegessen und sie sitzt mir gegenüber. Heute gab es nur mal etwas Schnelles, aber nicht minder Leckeres, nämlich eine Broccolisuppe. Und dann noch einen Nachtisch, so wie ihn jeder mag. Zur Auswahl stehen eine kleine Quarkspeise und ein kleiner Becher kalter Grießbrei. 
Ich greife ganz automatisch zur letzteren Auswahlmöglichkeit und wünsche meiner Mutter einen guten Appetit:
„Lass es Dir schmecken!“
Nachdem sie mir dasselbe gewünscht hat, erinnert sie sich: 
„Du hast schon immer gerne Grießbrei gegessen.“
Ich ahne schon, dass jetzt eine kleine Anekdote aus meiner frühen Kindheit folgt, an die ich mich selbst nicht mehr erinnern kann. Allerdings habe ich sie schon so oft gehört, dass ich mich inzwischen bildlich als noch nicht einmal Einjährige vor meinem inneren Auge sehe. Auch in dieser Vorstellung sitzt mir meine Mutter gegenüber und schaut mich an. Sie hält einen Löffel in der Hand und vor mir steht ein gefüllter Teller. Man muss jetzt sicher nicht viel überlegen, um zu erraten, dass es sich bei der Speise um Grießbrei handelt.
„Du warst als Kind so ein kleiner Suppenkasper, der nicht alles gegessen hat“, erklärt mir meine Mutter. „Das war ich ja schon gewöhnt von dir.“
„Das scheint sich wohl vererbt zu haben, denn das Problem hatte ich bei unserem Sohn auch“, gebe ich ihr grinsend zu verstehen.
„Deshalb habe ich dir dann halt das gegeben, was du gerne mochtest.“
Ich nicke ihr zustimmend zu, weil ich im Grunde genommen die Geschichte schon kenne und mich in derselben Lage als Mutter befunden habe.
„Das war halt zum Beispiel der gute Grießbrei.“
Inzwischen ist meine Mutter tief in ihren Erinnerungen versunken.
„Ich habe dich gefüttert, aber bereits bei dem ersten Löffel hast du alles wieder herausgedrückt. Beim zweiten Versuch, zu dem ich dich trickreich und liebevoll quasi überreden musste, hast du nur: ‚Brrrr!‘ gemacht und der Grießbrei ist durch die Gegend gespritzt.“
„Kein Wunder!“, sage ich, um mich im Nachhinein gewissermaßen noch zu verteidigen. 
Meine Mutter geht jedoch gar nicht auf meine Äußerung ein, sondern erzählt einfach weiter.
„Der dritte Löffel ging gar nicht mehr. Du hast einfach den Mund nicht mehr aufgemacht. Ich war schon ganz verzweifelt und meinte nur: ’Ach Astridchen, willst du jetzt den guten Grießbrei auch nicht mehr essen? Komm, nimm noch einen Löffel für den Papa.‘ Es war aber absolut nichts mehr zu machen. Dein Mund blieb fest verschlossen und du hast das getan, was kleine Kinder ziemlich schnell können, nämlich den Kopf geschüttelt.“
Plötzlich setzt meine Mutter ein Grinsen auf, das sich aber sogleich in einen mitleidigen Gesichtsausdruck verwandelt.
„Weil ich mir diese Sache nicht erklären konnte, nahm ich den Löffel und führte ihn zu meinem Mund. Tja, und nun wusste ich warum du deinen geliebten Grießbrei nicht essen wolltest. Ich hatte anstelle von Zucker Salz hineingeben.“
Meine Mutter hält einen kurzen Moment inne, bevor sie weiter berichtet.
„’Ach, arme Astrid!‘, hab ich zu dir gesagt. ‚Das kann man ja auch nicht essen. Es ist alles gut. Die Mama kocht dir einen neuen Brei, aber dieses Mal mit Zucker.’“
Anscheinend habe ich mich von diesem einmaligen Geschmackserlebnis nicht abschrecken lassen, denn ich mag Grießbrei noch heute und ab und zu koche ich mir dann auch eine ordentliche Portion davon. Unser Sohn isst ihn ebenfalls gerne, mein Mann allerdings nicht. Und meine Mutter zieht Reisbrei eindeutig vor. Im Krankenhaus, wenn man zum Beispiel nach einer OP gefragt wird, ob man Grießbrei oder Haferschleim möchte, gibt es für mich nur eine Antwort. Für meine Mutter auch. Allerdings ziehe ich das erste und meine Mutter das zweite Angebot vor.
„Aber heute magst du ihn nicht mehr ganz so dick wie in Kinderzeiten?!“
Einerseits klingt dieser Satz meiner Mutter nach einer Frage, aber anderseits auch nach einer Feststellung.
„Nein!“, lache ich. „So fest muss die Konsistenz nicht mehr sein.“
„Als Kind hast du immer zu mir gesagt: ‚Mach ihn aber richtig fest.’“
„Ja!“, bestätige ich. „Ich wollte, dass der Löffel darin steckenbleibt. – So hat er mir eben am besten geschmeckt und so hat halt jeder seine Vorlieben, aber auch seine Abneigungen gegenüber bestimmten Speisen, die ein Leben lang bestehen bleiben.“
Anscheinend ahnt meine Mutter, dass auch ich eine Episode aus meiner Kindheit zu erzählen habe, die sie allerdings nicht hautnah miterlebt hat und die ich möglicherweise auch noch nicht erzählt habe. Vielleicht hat sie es aber auch nur vergessen. Sie schaut mich zumindest etwas verwundert an und erwartet meine Geschichte….

… Fortsetzung folgt …

 

 

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Knut Knopf

 

 

*Das Beitragsbild habe ich von einem Poster in einem Restaurant abfotografiert. Mir ist der Künstler etc. nicht bekannt.

Im Eifer des Gefechts

Heute müssen Herr und Frau Konfusi getrennte Wege gehen. Nein, sie haben sich nicht gestritten, aber manchmal will es das Leben, dass man nicht alle Dinge in trauter Zweisamkeit machen kann. Sie würden gerne beide an der Feier eines befreundeten Ehepaares teilnehmen. Emil und Herta feiern heute ihre Goldene Hochzeit. Anlässlich dieser 50 gemeinsamen Jahre haben sie Freunde und Bekannte eingeladen. 
Am frühen Nachmittag findet ein Gottesdienst zu Ehren des Ehepaares statt, in welchem sie nochmals ihr Jawort von einst wiederholen und bekräftigen möchten. Danach gibt es noch Kaffee und Kuchen in einem schmucken kleinen Café im Schlosspark.
„Ich würde so gerne bei Euch sein, doch leider erhält genau zu dieser Zeit ein früherer Kollege die Ehrendoktorwürde und man hat mich gebeten die Laudatio zu halten“, hatte Professor Konfusi bei der Einladung durch das Jubelpaar erklärt. „Ich habe schon lange zugesagt.“
Zum Glück hatten die Freunde Verständnis für Professor Konfusi und schließlich beschlossen sie eine Art Kompromiss. 
„Elisabeth, dann komm doch wenigstens du. Wir würden uns sehr freuen“, baten die beiden Freunde. 
„Sonst würde uns etwas fehlen. Immerhin gehört ihr zu unserem Leben, seit Herta und ich uns kennen“, fügte Emil damals hinzu.
Naja, und so haben Herr und Frau Konfusi beschlossen sich gewissermaßen aufzuteilen. Wenn möglich würde Herr Konfusi später noch dazu stoßen, aber das konnte er nicht versprechen.
Alles ist bestens geplant für diesen Tag und trotzdem kommt schon am frühen Morgen etwas Unvorhergesehenes dazwischen. Das Telefon im Wohnzimmer des Ehepaares Konfusi klingelt um halb acht.
„Guten Morgen, entschuldigen Sie bitte die frühe Störung“, krächzt eine weibliche Stimme in das Ohr von Elisabeth Konfusi.
„Hier ist Marianne, ihre Friseurin. Ich bin leider ganz plötzlich erkrankt und muss ihren Frisörtermin für heute absagen. Ich liege mit 38 Grad Fieber im Bett.“
Frau Konfusi weiß, dass niemand einspringen kann, denn der Frisörsalon „Lockenwickler“ ist nur ein „Einmannbetrieb“ oder besser gesagt ein „Einfraubetrieb“. Die Chefin ist Marianne und sie hat keine Angestellten. 
„Ach, es ist ja lediglich eine Wasserwelle nötig und das kann ich auch selbst machen. Ich danke für ihre rechtzeitige Benachrichtigung und wünsche Ihnen eine schnelle Genesung. Machen Sie sich bitte keine Sorgen und kommen Sie bald wieder auf die Beine“, sagt Frau Konfusi aufmunternd.
Sie wird sich ein bisschen sputen müssen, aber sie wird alles rechtzeitig schaffen, dessen ist sich die ältere Dame sicher. Nur die Sache mit der Reinigung kann sie nicht mehr erledigen. Auf dem Rückweg vom Frisör wollte sie nämlich den dunklen Anzug ihres Mannes abholen.
„Darum kümmere ich mich“ verspricht sofort ihr Gatte. „Mach du dich nur hübsch, damit du rechtzeitig fertig bist, wenn Emil und Herta dich auf dem Weg zur Kirche abholen.“
Nach dem gemeinsamen Frühstück, das seltsamerweise auch länger als sonst gedauert hat, fährt Herr Konfusi in die Stadt, um seinen Anzug abzuholen. In der Zwischenzeit springt seine Elisa, wie er seine Frau liebevoll nennt, unter die Dusche. In aller Ruhe dreht sie sich hinterher die Haare auf Lockenwickler, setzt sich unter die Trockenhaube und zieht anschließend ihr neues Kostüm an. Zur Feier des Tages wagt sie auch sich ein kleines bisschen zu schminken, – nur ein schmaler Lidstrich, Wimperntusche und ein dezenter Lippenstift.
„Du siehst in deinem Alter noch recht passabel aus“, flüstert sie ihrem Spiegelbild zu. „Und Rouge brauchst du auch nicht. Die Aufregung hat für die passende zarte Rötung der Wangen gesorgt.“
Frau Konfusi dreht und wendet sich vor dem Spiegel und ist mit sich sehr zufrieden. „Schade, dass mich mein Mann nicht so sieht“, denkt sie noch und schon eilt sie zum Garderobenschrank, um sich die passende Tasche zum Kostüm auszusuchen. 
„Das schöne Seidentuch, das ich zum Geburtstag geschenkt bekommen habe, würde sicherlich auch ganz chic aussehen“, denkt Elisa und schon spurtet sie in Schlafzimmer und durchwühlt die Schublade. 
„Ach ja, ich darf das Geschenk nicht vergessen. Oh, verflixt! Es ist ja noch gar nicht eingepackt. Hoffentlich habe ich noch genügend Geschenkpapier und Schleifen da. Das hätte ich doch wirklich schon gestern alles erledigen können“, ärgert sie sich über sich selbst und macht sich geschwind an die Arbeit.
Ein Blick auf die Uhr sagt ihr, dass es inzwischen Zeit ist, um nach unten zu gehen und auf das Jubelpaar zu warten. Es wäre doch peinlich, wenn sie wegen ihr zu spät zum Gottesdienst kommen würden.
Frau Konfusi schnappt sich ihre Handtasche, das inzwischen tadellos verpackte Geschenk und einen kleinen Blumenstrauß, wirft die Wohnungstür hinter sich zu und eilt die Treppen hinunter. 
„Zum Glück sind Herta und Emil noch nicht da!“, atmet sie erleichtert auf, als zwei Mädchen gickelnd an ihr vorbei marschieren. Im selben Moment sieht sie ihren Gatten um die Ecke kommen. Aufgeregt winkt er mit dem einen Arm, während über dem anderen der in Plastikfolie gehüllte Anzug hängt.
„Hübsch siehst du aus, meine Liebe, aber komm bitte noch einmal ganz kurz mit mir nach oben“, flüstert er ihr ins Ohr.
„Nein, das geht nicht mehr“, widerspricht ihm Elisa. „Ich werde jeden Moment abgeholt.“
„Eben! Genau deshalb solltest du schnell noch einmal mitkommen!“
„Na gut“, gibt seine Gattin verwundert nach. „Ich habe ja noch fast zehn Minuten!“
„Die reichen vollkommen aus“, erklärt ihr Herr Konfusi und zieht seine Frau ins Haus zurück.
„Was ist eigentlich los?“, fragt diese völlig außer Atem, als der ältere Herr die Wohnungstür öffnet und seine Frau sanft vor den Garderobenspiegel schiebt.
„Ach du liebe Zeit!“, ruft diese entsetzt aus.
„Reg dich nicht auf. Im Eifer des Gefechtes kann das schon mal passieren“, versucht er seine Gattin zu beruhigen und hilft ihr die Lockenwickler aus den Haaren zu drehen.

 

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Tickt ihr noch richtig?

Zu verschenken

Ich habe nichts zu verschenken,
wird gar mancher Mensch jetzt denken.
Doch es ist kein Geld und kein Gut,
man braucht dazu noch nicht einmal Mut.

Es ist nicht groß, eher recht winzig,
du kannst es geben auch noch mit neunzig.
Diese Gabe macht nicht arm, aber reich
und zwar im selben Moment und sogleich.

Gib es Menschen, die du kennst,
aber auch solchen, die du Fremde nennst.
Du bekommst es sicher zurück,
es schenkt allen ein Stückchen vom Glück.

Sogar du kannst dich beschenken,
selbst dann wird es dir niemand verdenken.
Zu jeder Stund’ und Tageszeit
es ist willkommen überall und sogar weltweit.

Jeder wird es sofort verstehen,
Keine Bedenken: Es wird nicht schiefgehen.
Es ist in dir selbst verborgen,
drum beginne damit schon am frühen Morgen.

Ein kleines Lächeln ist es nur,
gib dir einen Ruck und sei nicht so stur.
Es tut dir gewiss nicht weh,
ist zart und rein wie der Kuss einer Fee.

Drum lächele jeden einzelnen Tag,
es allen Freude und Kraft zu geben vermag.
Ich schicke mein Lächeln zu Dir,
gib es weiter, so kommt es auch wieder zu mir.

 

 

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Lach mal wieder

Es ist einer jener Sommertage, an denen man von Vogelgezwitscher geweckt wird und die Sonnenstrahlen einen schon vor dem Aufstehen an der Nase kitzeln. Einfach herrlich! Da macht es gar nichts aus früher als gewöhnlich aus dem Bett zu hüpfen und in den Tag zu starten.

„Du weißt schon, dass du mich jetzt gleich zur Uni fahren musst“, sagt mein Mann.
„Na, so vergesslich bin ich nun auch noch nicht“, antworte ich lachend. „Wir haben doch erst gestern dein Auto in die Werkstatt gefahren.“
Das mit der Vergesslichkeit scheint allerdings eine ganz spezielle Sache zu sein. Manchmal überdecken die Geschehnisse des Alltags Dinge, an die man normalerweise ganz selbstverständlich denkt. Irgendwie passiert es dann, dass genau diese Selbstverständlichkeiten durch die Maschen des Gehirns fallen, irgendwo in den Gehirnwindungen verschwinden oder gar steckenbleiben. Und genau das ist an diesem so schönen Tag passiert. Ich habe meinen Mann vergessen.
Nein, nicht ihn. An ihn denke ich doch immer. Während ich mit meiner Mutter am Spätnachmittag telefoniere, überlege ich, warum mein Mann noch nicht zu Hause ist, obwohl er eigentlich bereits da sein wollte oder zumindest jetzt bald nach Hause kommen sollte. 
„Wird es heute denn wieder so spät?“, hatte ich ihn noch am Morgen gefragt und er hatte diese Frage verneint und sogar gemeint, dass er heute nicht so viele Termine habe.
Mitten im schönsten Telefonat mit meiner Mutter vernehme ich ein Klopfen in meinem Ohr.
„Ach Mutti, es ruft gerade noch jemand an“, erkläre ich ihr.
„Dann lass uns schnell auflegen“, sagt sie und wir beenden unser Gespräch.
Ein Blick auf das Display meines Handys zeigt mir, dass mein Mann anruft. Nichtsahnend nehme ich das Gespräch an.
„Hallo“, flöte ich fröhlich in das Gerät.
„Sag mal, hast du mich vergessen? Wann holst du mich denn endlich ab?!“, dringt seine etwas unwirsche Stimme an mein Ohr.
„Wieso? Ich warte hier schon die ganze Zeit, dass du endlich heimkommst“, antworte ich.
„Du wartest?! Du musst mich abholen. Ich habe doch kein Auto. Denk mal nach: Mein Auto ist in der Werkstatt.“
„Oh!“, lache ich verlegen in den Hörer. „Das hab dich tatsächlich vergessen.“
Verwundert bin ich jedoch schon. Am wenigsten allerdings über meine Vergesslichkeit, sondern hauptsächlich über den leicht säuerlichen Ton in der Stimme meines Mannes. So kenne ich ihn ja gar nicht und die Situation, dass er auf mich warten muss auch nicht. Eher verhält sich normalerweise die Sache umgekehrt.
„Ich bin in zehn Minuten da!“, rufe ich zum anderen Ende der Telefonverbindung. „Du kannst schon runtergehen und vor dem Gebäude auf mich warten.“
„Okay, ich steh dann also draußen und warte“, kommt es etwas versöhnlicher von meinem Mann.
Bevor ich losdüse, berichte ich allerdings noch schnell meiner Mutter, dass das Anklopfen im Handy von meinem Peter kam, den ich vergessen habe abzuholen.
„Na, dann lass ihn nicht länger warten“, meint sie.
Im selben Moment, in dem ich auflege, klingelt mein Handy erneut.
„Wo bleibst du eigentlich? Ich stehe schon die ganze Zeit hier und warte!“
„Ich komme ja schon und wieso bist du eigentlich so unfreundlich?“, will ich noch sagen, aber da hat er bereits aufgelegt.
Schnell gehe ich noch einmal für kleine Prinzessinnen und dann schlüpfe ich in meine Schuhe, stecke das Handy in meine Handtasche, ziehe meine Lippen nach, suche fix meine Autoschlüssel und öffne auch schon die Haustür.
Während ich den Schlüssel von außen im Schloss drehe, um die Tür zuzuschließen, höre ich unsere Nachbarin lauthals lachen.
„Oh, B. hat mal wieder gute Laune“, denke ich. Mehr aber auch nicht, denn sie lacht gerne und viel.
Als ich mich umdrehe, sehe ich sie am Auto stehen und den Kofferraum beladen. Sie lächelt mir zu. Ich lächele zurück und will geschwind zu meinem Auto, da fällt mein Blick ein Haus weiter auf die gegenüberliegende Straßenseite. Von dort blicken mich sechs Augenpaare überaus freundlich, um nicht zu sagen „fröhlich“ an. An sich ist dies kein ungewöhnlicher Anblick für mich, jedoch jetzt und genau in diesem Moment schon. Ein Augenpaar gehört S. unserer anderen Nachbarin, die nun freudestrahlend zu mir herüber winkt. Das zweite Augenpaar gehört S. ihrem Mann, der jetzt ebenfalls die Hand zum Gruß hebt. Beide stehen in ihrem Vorgarten hinter dem Zaun. Und wer steht vor dem Gartenzaun?
„Wie kommst du denn hier her?“, rufe ich erstaunt und renne auch schon zu den drei auf mich wartenden Personen.
„Das hat jetzt aber lange gedauert“, lacht B., die erste Nachbarin und schließt ihren Kofferraumdeckel.
„Wieso?“ frage ich sie verwirrt und schiebe gleich eine weitere Frage in Richtung der anderen Nachbarn hinterher: „Wie lange stehst du eigentlich schon hier?“, rufe ich der Person vor dem Gartenzaun entgegen.
„Seit meinem ersten Anruf“, grinst mein Mann. Herr K. von gegenüber hat mich mitgenommen. Wolltest du mich nicht schon längst an der Uni abgeholt haben? Die zehn Minuten sind bereits deutlich überschritten und erst jetzt willst du losfahren?!“
Die gesamte Nachbarschaft bricht in schallendes Gelächter aus, einschließlich meiner Wenigkeit. Und so beginnt wieder einmal ein lustiger und unterhaltsamer Plausch am Gartenzaun.

Schau mal!

Ich sitze in meinem Arbeitszimmer am Schreibtisch.  Um mich herum liegen Unterlagen und Papiere, die ich bearbeiten muss. Doch eine Akte, die ich hierfür dringend benötige, fehlt mir noch. Ein Blick zu meinem teilweise geöffneten Bücher- und Aktenschrank bestätigt mir, dass ich sie dort finden kann.

Ich stehe auf, um mir die Akte zu holen, doch bevor ich diese ergreife, öffne ich aus einem mir unerfindlichen Grund die mittlere der drei Schranktüren. Hier befinden sich neben unserem Familienstammbuch auch die Bibel, die wir zur Hochzeit bekommen haben, mein Gesangsbuch, das mich bei meiner Erstkommunion begleitet hat und das alte Stammbuch meiner Uroma. Doch alles das interessiert mich im Moment herzlich wenig. Meine Augen erblicken nämlich etwas, das ganz unscheinbar neben diesem Stapel liegt. 
Ich nehme dieses Etwas vorsichtig heraus, als wäre es ein besonderer Schatz, der sehr zerbrechlich ist. Tatsächlich handelt es sich um eine Kostbarkeit. Nicht im herkömmlichen Sinne. Kein Mensch würde dafür auch nur einen Euro hinlegen. Trotzdem ist dieses Etwas sehr wertvoll. Man kann seinen Wert nicht in Geld oder Gold aufwiegen, denn es ist eine Kostbarkeit des Herzens.  
Ich habe diesen Schatz seit mehr als fünfundzwanzig Jahren gut gehütet und dafür gesorgt, dass ihm nichts geschieht. Auch wenn wir dieses Etwas zeitweise vergessen haben, so war es immer gut verwahrt. 
Gerade als auf meiner Handfläche der Schatz mit seinem kaum spürbaren Gewicht liegt und ich mit meinen Gedanken weit, weit weg in der Vergangenheit, bei wohlbekannten Orten und Personen weile, dringt an meine Ohren ein vertrautes Geräusch.
Unten an der Haustür wird gerade der Schlüssel im Schloss umgedreht. Mein Göttergatte kommt nach Hause. Ich spurte die Treppen hinunter und begrüße ihn. 
„Ich muss dir unbedingt etwas zeigen“, trällere ich ihm begeistert entgegen.
„Jetzt lass mich doch erst einmal richtig heim kommen“, meint er und stellt seine Laptoptasche im Flur ab. „Hat das nicht noch einen Moment Zeit?!“
„Hmmm!“, antworte ich sichtlich enttäuscht.
„Nachher, – ich will erst mal entspannen,- es war heute ziemlich stressig.“
„Es wird dich aber interessieren“, versuche ich ihn neugierig zu machen. „Schau es dir doch wenigstens mal an!“
„Na gut, sonst lässt du mir eh’ keine Ruhe!“, gibt mein Peter nach.
„Ich muss nur schnell nach oben und es holen“, rufe ich begeistert und sause auch schon los.
Er lässt sich in den Sessel fallen und wartet ab. Doch lange muss er nicht warten, denn ich bin in Nullkommanichts wieder da und stehe vor ihm. Leider sind meinem Mann inzwischen die Augen zugefallen. Ich frage mich, wie man von einer Sekunde zur anderen einschlafen und auch noch schnarchen kann. Es hilft aber alles nichts. So trolle ich mich still und leise davon und bereite schon mal das Abendessen vor.
Und wie das so ist, habe ich die Sache bis zum späten Abend vergessen. Erst als mein Mann meint:
„Was wolltest du mir eigentlich vorhin so dringend zeigen?“,
fällt mir dieses kostbare Etwas wieder ein.
„Schau mal, was ich hier habe“, sage ich und zeige ihm auf meiner flachen Hand meinen gutgehüteten Schatz.
„Sieht aus wie ein altes, vergilbtes und gefaltetes kariertes Blatt Papier“, begutachtet Peter das Etwas.
„So weit, so gut“, stimme ich ihm zu. „Aber jetzt warte mal ab!“
„Mach es nicht so spannend und gib mir es einfach mal.“
„Nein, ganz sicher nicht!“, entgegne ich. „Du machst es nur kaputt!“
„Was soll an dem Papier schon kaputt gehen. Wie alt ist es denn, wenn du befürchtest, dass es zerfällt?“
Ich kläre meinen Mann darüber auf, dass das Blatt Papier schon über fünfundzwanzig Jahre alt ist. Das bewirkt bei ihm allerdings nur ein verständnisloses Achselzucken. Ich gebe zu, dass dies auch keine Besonderheit ist und falte es langsam und vorsichtig auseinander.
„Aha, da ist also was eingewickelt!“, schlussfolgert er und trifft damit ins Schwarze. Nachdem ich die letzte Lage entfaltet habe, liegt vor uns ein nahezu unbeschädigtes vierblättriges Kleeblatt. 
„Ein bisschen verblasst. Aber man kann es kaum glauben, dass das Chlorophyll doch so über die Jahrzehnte hinweg erhalten geblieben ist!“, staunt er nun. „Und nur, weil das Kleeblatt lichtgeschützt war.“
Und gleich schiebt er eine Frage hinterher:
„Woher stammt das Kleeblatt?“
„Als T. so ungefähr drei oder vier Jahre alt war, ist er mal mit deinem Vater spazieren gegangen. Du kennst doch unseren Sohn: Er braucht nur auf eine Wiese herabzublicken und schon findet er ein vierblättriges Kleeblatt. Das war damals auch schon so. Dein Vater hatte einen Zettel dabei und hat es sorgfältig darin eingeschlagen. Nach dem Spaziergang hat er es mir gegeben und gesagt: ‚Das hat T. für die Mama gefunden!‘ “
„Und du hast es all die Jahre aufgehoben. Wo hattest du es eigentlich?“, will Peter nun noch wissen.
„Ich habe es damals in mein Führerscheinmäppchen gelegt. Dort lag es bis wir diesen grauen ‚Lappen‘ gegen den neuen Führerschein in Kartenform eingetauscht haben. Dann lag es eine Weile im Tresor und nun schon seit vielen Jahren im Schrank in meinem Arbeitszimmer neben dem Familienstammbuch, wo ich es auch gleich wieder hinlege und weiterhin aufhebe.“
„Eine schöne Erinnerung!“, sagt Peter.
Ich nicke und nehme mir vor diesen kleinen Schatz unseren Sohn am nächsten Wochenende zu zeigen. Ich bin mir sicher, dass er sich noch daran erinnern kann und sich über dieses kleine Andenken an einen gemeinsamen Spaziergang mit seinem längst verstorbenen Opa freut.

 

 

 

 

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Du bist an unserer Seite Tag für Tag,
ob man dich hasst oder auch mag.

Unser aller Leben ist geprägt von dir,
umfasst uns sanft oder wie ein wildes Tier.

Wir begegnen dir mit Freude oder Neugier,
packen dich an den Hörnern wie den Stier.

Manchmal sind wir dir überdrüssig fast,
wenn Du uns wirst zur mühsamen Last.

Gar manches Mal gibst du uns Halt,
mit deiner unverkennbaren Gestalt.

Oft wünschen wir uns alle nur das eine,
du würdest uns nicht halten an der Leine.

Dann versuchen wir alle dir zu entfliehen,
wollen einfach nur von dannen ziehen.

Wieso hast du diese unendliche Macht?
Wer hat sich das alles nur ausgedacht?

Manchmal können wir dir entkommen,
dies ist die Ausnahme genaugenommen.

Genießen Tage wie diese voller Freude,
leben ganz entspannt im Hier und Heute.

Dann bist du uns fern und ganz egal,
mal ehrlich, ist das dann unser Ideal?

Der Mensch ist ein seltsames Wesen,
er vermisst, alles was einst ist gewesen.

Eilt pflichtbewusst und treu zu dir zurück,
beginnt erneut des Lebens Theaterstück.

Kaum hast du ihn wieder fest im Griff,
gehorcht er wie der Hund auf den Pfiff.

Wir haben uns schon an dich gewöhnt,
was uns immer wieder mit dir versöhnt.

Dein Name ist überall bestens bekannt,
‚Alltag‘ haben wir dich hierzulande genannt.

 

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Gestörte Ruhe

Wir liegen und dösen hier unter Strauch und Baum,
denn sie geben uns einen gemütlichen Schattenraum.

Doch unsere Ruhe wird plötzlich von jemand gestört,
das ist unerhört und wir sind darüber ziemlich empört.

Auch wenn gar manchem von uns die Neugierde plagt,
ist doch vor Fremden und Unbekannten Vorsicht angesagt.

Uns hilft kein lautes Meckern und auch kein Rabatz,
wir müssen einfach verlassen unseren schönen Platz.

Oh Schreck, bisher ist es noch niemand aufgefallen,
dass zurück bleibt voller Angst das Kleinste von allen.

Es nach Ziegenart ruft ganz laut nach all uns ander’n,
die gemeinsam zum nächsten Ruheplatz hin wandern.

Mama Ziege hört das laute Jammern und Rufen,
beginnt verzweifelt nach dem Jüngsten zu suchen.

Wir Ziegen gemeinsam ein großes Meckern starten,
aufgeregt auf das Kleine in sicherem Abstand warten.

Erst als wir alle sind wieder froh und glücklich vereint,
auch Zufriedenheit und Ruhe bei uns zu sein scheint .

 

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