Neueste Artikel

Schau Dir das mal an!

Die Idee zur heutigen Geschichte steht im Zusammenhang mit einer Aufforderung meiner Mutter: „Schau Dir das mal an!“, aber letztendlich gab ein späteres Erlebnis und Gespräch mit meinem Mann den eigentlichen Ausschlag:
Wir waren in Berlin und fuhren durch die Straßen, als wir an der Ampel eine junge Frau stehen sahen, deren Bekleidung uns auffiel…

„Das ist schon eigenartig“, meinte mein Mann,“früher hätte man gesagt, dass diese Aufmachung schlampig sei. Naja, so ändern sich die Zeiten!“
Keine Ahnung, was oder ob ich überhaupt geantwortet habe, denn meine Gedanken waren in diesem Moment schon ganz wo anders. In diesem Augenblick wurde nämlich die neue „Professor Konfusi-Geschichte geboren:
Herr und Frau Konfusi sind gerade mit dem Flugzeug auf dem Heimatflughafen gelandet. Sie waren für zwei Wochen im Urlaub. Da sie beide nicht mehr so gut die Hitze vertragen, hatten sie für ihren Urlaub ein nordisches Land ausgesucht, Schweden. Es hat ihnen sehr gut gefallen und so steigen sie nun rundum zufrieden und erholt aus dem Flieger.
„So, jetzt wollen wir nur noch hoffen, dass auch unsere Koffer heil angekommen sind“, meint Frau Konfusi, als sie gemeinsam mit ihrem Mann vor dem Gepäckband steht.
„Ich glaube, dort vorne liegt schon dein Koffer“, sagt Professor Konfusi beruhigend und und deutet auf ein rotes Gepäckstück. „Deine Kleidung wäre also schon einmal gerettet!“
Nachdem er auch den zweiten Koffer vom Band gehoben hat, marschieren die Beiden in Richtung Ausgang, wo sie auch schon Marcos Vater erblicken, der die zwei älteren Herrschaften abholt und nach Hause in die Villa bringt.
„Gut sehen Sie aus“, verteilt dieser sofort Komplimente. Sogar eine leichte schöne Bräune haben Sie.“
„Oh ja, wir hatten ja auch herrliches Wetter,- nicht zu heiß und nicht zu kalt“, erklärt Frau Konfusi. „Aber lassen wir den Wetterbericht beiseite, mich würde brennend interessieren, ob es hier Neuigkeiten gibt“, fügt sie schnell hinzu.
„Wirklich viel ist hier nicht passiert“, gesteht Marcos Vater und überlegt krampfhaft, was er an Neuigkeiten berichten könnte.
„Ach ja, das wissen Sie noch gar nicht“, ruft er plötzlich aus und schlägt sich gegen die Stirn. „Oma Schmidt hat überraschend Besuch bekommen.“
Als er merkt, dass vier Augen gebannt auf ihn gerichtet sind, kostet er noch ein paar Sekunden die scheinbare Neugierde von Herrn und Frau Konfusi aus, bevor er weiter spricht:
„Die jüngste Enkelin von Oma Schmidt ist aus Amerika ganz überraschend hier eingetrudelt.“
„Ach, die Mary ist da!“, ruft Frau Konfusi freudestrahlend aus. „Das ist aber eine schöne Überraschung!“ Doch plötzlich hält sie in ihrer Freudensbekundung inne. „Es ist doch hoffentlich nichts passiert?! Die gesamte Familie wollte doch erst zum 90. Geburtstag von Oma Schmidt in ein paar Monaten anreisen.“
„Nein, nein. Es ist alles in Ordnung. Mary möchte in Deutschland studieren und schaut sich hier die Uni ein bisschen genauer an. Sie nimmt sogar schon an ein paar Vorlesungen als Gasthörerin teil,“ erklärt Marcos Vater, während er die beiden älteren Leutchen nach Hause chauffiert.
„Wir sollten Oma Schmidt und Mary in den nächsten Tagen zum Kaffee einladen“, schlägt Frau Konfusi vor. „Ach, am besten Sie kommen mit ihrer Frau und Marco auch gleich mit. Ich backe uns einen schönen Kuchen.“
„Lass uns doch gleich klingeln und uns zurück melden“, sagt Professor Konfusi als sie das Haus betreten. Er bleibt vor Oma Schmidt’s Tür stehen und drückt den Klingelknopf.
Ihnen öffnet eine verzweifelt dreinblickende Oma Schmidt.
„Gut, dass Sie wieder da sind!“, stöhnt sie und bittet das Ehepaar auf einen Sprung in die Wohnung zu kommen.
Herr und Frau Konfusi, die sich nicht erklären können, was Oma Schmidt so aus der Fassung gebracht hat, erkundigen sich sofort, ob alles in bester Ordnung ist und wo denn Mary stecke.
„Das Kindchen ist in der Uni“, erklärt die Großmutter. „Sie ist ja so ein nettes Persönchen. Ein bisschen mehr essen müsste sie schon, so dünn wie sie ist. Und die Kleidung, die sie aus Amerika mitgebracht hat, lässt wirklich zu wünschen übrig. Ich muss unbedingt ein paar Ausbesserarbeiten vornehmen, aber ich sehe so schlecht, dass ich den Nähfaden fast nicht mehr durch das Nadelöhr bekomme. Außerdem zittern meine Hände auch ein bisschen. Liebe Frau Konfusi, wenn sie bitte…“
Mit diesen Worten hält ihr Oma Schmidt Nadel und Faden hin.
„Heute Vormittag habe ich schon eine Hose geflickt. Sie ahnen ja nicht wie die ausgesehen hat. Es war eine ziemlich aufwendige Arbeit, das alles wieder einigermaßen hinzubekommen. Schauen Sie sich das nur mal an!“
Frau Konfusi nimmt die ihr hingehaltene Hose in die Hand und betrachtet die notdürftig zugenähten Löcher und Risse rund um das Knie. Danach reicht sie die Hose an ihren Mann weiter. Doch bevor irgendjemand etwas sagen kann, hat sie schon ein weiteres Exemplar von Oma Schmidt in die Hand gedrückt bekommen.
„Schauen Sie sich das nur mal an! Unzählige aufgescheuerte Stellen und auch noch ausgefranste Hosensäume, da kann ich ja bis heute Nacht sitzen und nähen. Meine Enkelin wird sich wundern, wenn sie die geflickten Hosen morgen in ihrem Zimmer vorfindet. Aber was tut man nicht alles für die Enkel…“,erklärt Oma Schmidt. „Oder meinen Sie, die Arbeit lohnt sich gar nicht und ich sollte die Hosen zur Altkleidersammlung geben und Mary einfach Geld für neue Hosen schenken.“
Professor Konfusi, der sich bis jetzt zurückgehalten hat, nimmt seiner Frau die Hosen aus der Hand und betrachtet Oma Schmidt’s Näharbeit.
„Ich glaube wirklich, dass Sie sich viel Mühe gegeben haben, liebe Oma Schmidt. Aber mit Sicherheit wird sich ihre Enkelin nicht darüber freuen. Möglicherweise bekommt sie sogar einen Wutanfall.“
„Den habe ich schon beim Nähen bekommen“, erklärt die alte Dame.
„Schauen Sie, diese Löcher und Risse sind sehr modern, man nennt solche Hosen „Destroyed Jeans“ und diese verfranzten Hosen sind sogenannte „Distressed Jeans“, versucht Professor Konfusi aufzuklären.
„Hören Sie auf mit diesen amerikanischen Worten, die ich sowieso nicht verstehe! Das ist alles billiges „Gelump“ und taugt nichts“, schimpft Oma Schmidt.
In dem Moment, als Professor Konfusi Oma Schmidt vorsichtig zu erklären versucht, dass sie wohl gemeinsam ihre Näharbeit wieder auftrennen müssen, bemerken sie Mary. Diese steht vollkommen entgeistert im Türrahmen und ruft erschrocken aus:
„Oh grandma, you have destroyed my brandnew „Destroyed Jeans!“

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Professor Konfusi

Nobody is perfect!?

Igitt! Muss das sein?

Manchmal frage ich mich …

Und wieder einmal melde ich mich aus meiner Plauderecke. Setzt Euch gemütlich zu mir und macht Euch über alles Mögliche und Unmögliche Gedanken mit mir.

Heute möchte ich einfach ein paar Fragen an Euch weiterreichen und zur Diskussion stellen, die mir manchmal so durch den Kopf gehen. Wahrscheinlich habt Ihr Euch die eine oder andere Frage auch schon gestellt. Ich würde mich über einen kleinen Gedankenaustausch sehr freuen.

Als wir letztes Jahr in Bangkok waren, entdeckte ich diesen Bücherstand. Ich fand nicht nur den Bücherstand sehr originell, zumal er auf mich nicht besonders stabil wirkte. Aber noch etwas fiel mir auf und warf in mir Fragen auf:

Hat das gute alte gedruckte Buch inzwischen schon ausgedient und den Kampf gegen das Handy, die Hörbücher und die computerbestimmte Welt verloren?

Ist uns die Lust am Lesen vergangen?

Ich liebe meine Bücher und ich kann mich auch nur schwerlich von ihnen trennen. Sie stehen ordentlich in den Regalen und werden niemals lieblos behandelt. Es ist für mich ein ganz besonderes Lesegefühl, wenn ich ein Buch in der Hand halte und die Seiten umblättern kann. Trotz E-Book, das auch seine Vorteile hat und man somit einen ganzen Bücherschrank mit in den Urlaub nehmen kann.

Apropos Urlaub:

Warum gelingt es uns oftmals nicht im Alltag die kleinen Dinge zu sehen und uns an ihnen zu erfreuen?

Nimmt uns der Alltagsstress so gefangen, dass wir in Bezug auf diese Schönheiten schon fast erblindet sind?

Wir hechten von Termin zu Termin und übersehen, das was uns in diesem Moment nicht interessiert.

Oder nehmen wir diese Dinge als eine Selbstverständlichkeit hin?

Würden wir bemerken, wenn sie plötzlich nicht mehr da wären?

Gehen wir nur im Urlaub und der Freizeit mit offenen Augen durch die Welt und haben ansonsten Scheuklappen vor den Augen?

 

Vielleicht sollten wir tatsächlich manchmal innehalten und uns gegenseitig augenzwinkernd ein Lächeln zuwerfen. Dann geht alles viel leichter und besser.

Ich bin mir sicher, wenn man sein Gegenüber anlächelt, kommt ein Lächeln zurück.

Aber warum nur ist Lächeln oder gar Lachen so ansteckend?

Macht der Mensch sich selbst zum Griesgram oder macht ihn das Leben dazu?

Sollten wir mehr lachen?

Ein Kind lacht bis zu 400mal am Tag.

Wo nur haben wir dieses Lachen verloren?

Auf unserem Weg zum Erwachsenwerden?

Ich lache gerne und  auch recht oft, aber an das Lachen der Kindheit komme ich trotzdem nicht annähernd heran. Schade!

Auch wenn man nicht auf alles eine eindeutige Antwort finden kann, würde ich mich freuen, wenn Ihr Euch an unserem kleinen Meinungsaustausch in meiner Plauderecke beteiligen würdet.

Auf jeden Fall schicke ich Euch lächelnde Grüße und wünsche uns allen ein Wochenende, das das Lachen nicht untergehen lässt.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Corpus Delicti

In den Schuhen des Anderen

Der lange Weg nach Hause

 

 

Der Liebe Lächeln

Fräulein Rosa und Mister Blu’
rufen jedem Gast ein herzliches Willkommen zu.
So stehen die Beiden hier,
einfach nur zu jedermanns Freude und zur Zier.

Beide sind hübsch anzusehen,
mit den blumigen Hüten sind sie nicht zu übersehen.
So wirft auch Mister Blu’
seiner Rosa verliebte und bewundernde Blicke zu.

Fräulein Rosa ganz schüchtern,
errötet, als sie hört von Mister Blu’ ein verliebtes Flüstern.
Ihre Augenlider sie sittsam senkt
und überglücklich Mister Blu’ ihr Herz nun schenkt.

Verliebt stehen sie beisammen,
sie gehören eindeutig bis in alle Ewigkeit zusammen.
Der Liebe Glück lässt erstrahlen
und wärmt das Herz mehr als tausend Sonnenstrahlen.

Fräulein Rosa und Mister Blu’
geben weiter dieses Lächeln, das spürst doch auch du?!
Nimm es und verschenke es
in der Welt, denn der Liebe Lächeln ist was ganz Besonderes.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Hui!!!

Schön ärgerlich

Tänzchen gefällig?

 

Verwunschener Garten (Teil 3)

Ich danke Euch recht herzlich, dass Ihr mit uns durch diesen verwunschenen Garten spaziert seid. Bestimmt haben wir noch nicht jede einzelne Ecke ausgespäht, aber trotzdem möchten wir heute beim letzten Teil unseres Spazierganges einen Blick in das Innere der verschiedenen Gebäude werfen.

Kommt einfach mit und schaut Euch gemeinsam mit uns um:

Auf unserem Weg entdecken wir ein Hinweisschild, dem unser Blick folgt. Es verweist uns auf eine antike Küche…

… und tatsächlich erhalten wir einen kurzen Eindruck , wie es in vergangenen Zeiten hier in der Küche ausgesehen haben muss: Richtig gemütlich, – zum Kochen, leben, wohnen, sich begegnen, gemeinsam speisen und sich wohlfühlen.

Auch einen Einblick in das ehemalige Herrenhaus darf nicht fehlen:

Sogar ein Schlafzimmer dürfen wir durch eine Glasscheibe bewundern: Das Schlafzimmer, in dem laut Infotafel am 15. September 1860  Königin Elisabeth II von Spanien nächtigte. Deshalb nennt man es auch den „Raum der Königin“.

Für den Besuch der Königin baute man extra ein französisches Bad mit Badewanne ein, das man durch eine Tür vom Schlafzimmer aus betreten konnte.

Noch eine Besonderheit konnten wir in diesem Herrenhaus entdecken, nämlich einen großen Eichenstuhl. An diesem Lehnstuhl kann man vorne, hinten und an den Seiten viele Tier- und Menschenfiguren bewundern.

Eine Informationstafel erklärt, dass dieser Stuhl sich schon seit Jahrhunderten in diesem Haus befindet und im 15. Jahrhundert vermutlich in Flandern oder Nordfrankreich hergestellt wurde. Welch eine Kostbarkeit!

Doch nun wollen wir wieder hinaus auf den Innenhof, von welchem wir weitere Gebäude, bzw. Gebäudeteile betreten oder auch nur durch die geöffnete Tür bestaunen können:

Selbstverständlich gehört auch eine kleine Kapelle zu diesem Anwesen.

Aber wir haben auch noch andere interessante Dinge hier entdeckt, die ich Euch zeigen möchte:

Hier ist zum Beispiel die Ölmühle zu nennen, wo das Mahlen der Oliven für die Auspressung des Öls erfolgte.

Auch einige altertümliche landwirtschaftliche Geräte sind zu sehen und die einstigen Unterkünfte für die Tiere und die Arbeiter können besichtigt werden.

Mal ganz ehrlich: Ich finde es schon bei Tag hier unten recht gruselig. Schlafen würde ich hier nicht wollen, ich würde kein Auge zutun. Aber diese Zeiten sind ja längst vergangen, heute schlafen alle luxuriöser.

Ein letzter Blick zurück und wir verabschieden uns von den „Jardines de Alfabia“.

Ich hoffe Ihr seid wieder gerne mit uns gegangen und freue mich schon jetzt auf Eure Kommentare.

Seid alle herzlich gegrüßt.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Ach du liebe Zeit!

Streifzug

Kulinarische Köstlichkeiten

 

Verwunschener Garten (Teil 2)

In meinem letzten Post habe ich Euch zu einem Spaziergang durch einen verwunschenen Garten auf Mallorca eingeladen. Heute möchte ich noch ein bisschen mit Euch in diesem Garten herum laufen. Es gibt nämlich auf diesem Gelände, das zu einem ehemaligen Gutshof gehört, viel zu entdecken und zu bestaunen.

Zu einem Gutshof gehören selbstverständlich Tiere.

So begrüßen uns schon direkt am Eingang einige Vierbeiner. Während wir von dem Hund neugierig, aber aus einem sicherem Eck beobachtet werden,

ignorieren uns Esel und Pferd.

Auch Schweine inmitten von Zitrusfrüchten haben wir auf dem Weg durch den Garten angetroffen.

Diese Schweine sind anscheinend von der Hitze total müde geworden, denn sie schlafen friedlich. Ob sie auch träumen?

Ziegen und Schafe dürfen selbstverständlich auch nicht fehlen.

Während unseres Spaziergangs erfreuen wir uns nicht nur an den Tieren, sondern bestaunen die üppige Vegetation,

die Verschlingungen…

und faszinierende „Baumkunstwerke“.

Spürt Ihr sie auch, die besondere Atmosphäre dieses verwunschenen Gartens?

Ich hoffe Ihr begleitet uns auch beim dritten Teil unseres Spazierganges.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Gedankenverloren

Die zwei Alten

Kleiner Spaziergang durch die Märchenwelt

 

Verwunschener Garten (Teil 1)

Heute möchte ich mit Euch einen Spaziergang machen. Ich will Euch wieder einmal auf die Insel Mallorca entführen und dort mit Euch einen botanischen Garten besuchen. Diesen Garten haben wir schon vor vielen Jahren entdeckt und dieses Jahr haben wir ihn nochmals aufgesucht. Auch dieses Mal hat er uns sehr gut gefallen, weil er irgendwie einen verwunschenen Eindruck macht.

Diese „Jardines de Alfabia“ liegen direkt vor dem Tunnel nach Sollér. Der Eingang ist ganz unscheinbar, lediglich ein kleines Schild verweist auf diesen botanischen Garten. Ich kann mir gut vorstellen, dass er von vielen Touristen unentdeckt bleibt.

Kommt einfach mit und lasst Euch ohne viele Worte von dem Flair des Gartens verzaubern:

Auf Knopfdruck kann man die Wasserspiele selbst starten und sie entweder einfach nur beobachten oder sich zwischen den einzelnen Wasserstrahlen hindurch schlängeln. An einem heißen Tag kann dies sehr angenehm und erfrischend sein.

Auch die leuchtenden Farben der Pflanzen verzaubern.

Dieser kleine Tümpel weckt Erinnerungen bei uns. An dieser Stelle standen wir vor ungefähr einem Jahrzehnt an einem sehr schwülen Tag. Die Luftfeuchtigkeit war extrem hoch und so gab unsere damalige Videokamera genau hier ihren Geist auf.

Lasst uns die verschlungenen Pfade weiter wandern, denn es gibt noch viel zu sehen.

Dies war Teil 1 unseres Spazierganges, aber es gibt noch sooooo viel zu sehen und das zeige ich Euch in den nächsten Teilen.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Bergeweise weißes Gold

Steine der Erinnerungen

Anton

 

 

Wo geht es hier zur …?

Heute geht es zwar gewissermaßen auch um den Orientierungssinn, aber hauptsächlich um eine häufig gestellte Frage und einen ganz bestimmten Ort. Diesen Ort suchen wir alle auf, egal wo wir auch sind und ob wir arm oder reich sind.

„Wo geht es hier zur Toilette?“ Diese Frage habe ich bestimmt schon tausendmal und in jeder von uns besuchten Stadt gestellt, egal in welchem Land.

Manchmal ist man heilfroh, wenn man mitten in einer verlassenen Gegend dieses Örtchen findet.

Zum Glück gibt es überall auf der Welt Hinweisschilder, die uns den Weg weisen.

Auch sind sie allgemein verständlich.

Manchmal humorvoll gestaltet.

Manchmal sind sie allerdings auch ein bisschen verwirrend.

Ob Toilette, WC, OO, Klosett, Boxi-das Mobil WC,

Latrine …

oder Pipi Lounge …

dieser Ort ist heiß begehrt und wird gut besucht.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Strandkorbgrüße

Streifzug

Ein Traum in Blau-Weiß

 

 

Wenn Zwei träumen

Es ist mitten in der Nacht. Im ganzen Haus und auf der Straße herrscht Stille. Alles ist dunkel. Alle schlafen. Ich glaube jedoch meine Mutter zu hören, die vom Gästezimmer in das Bad geht. Wieder ist alles ruhig. Wie sollte es auch anders sein, denn alle schlafen doch, selbst ich. Darüber bin ich mir sehr bewusst.
Plötzlich ertönt ein lautes mehrmaliges Hupen. Davon scheine ich zu erwachen und frage mich insgeheim, warum um diese Zeit jemand vor unserem Haus hupt.
„Das kann nur die Müllabfuhr sein“, überlege ich, denn am Abend hat mein Mann noch vor dem Zubettgehen die Mülltonne auf den Bürgersteig gestellt. „Logisch!“
Überhaupt ist im Moment alles vollkommen logisch.
Ganz automatisch rufe ich lautstark den Namen meines Mannes:
„Peter!“
Er rührt sich nicht und schläft seelenruhig weiter. Das geht aber nicht, denn das Hupen hat signalisiert, dass jemand etwas von uns will. Nicht unseren Nachbarn, sondern uns hat das Hupen gegolten. Das steht außer Frage, jedenfalls für mich und in diesem Augenblick. Mir ist auch schlagartig klar, worum es geht. Ein Auto von uns steht im Weg. Peters Auto. Mein Auto steht in der Garage, das weiß ich genau.
Also rufe ich noch einmal nach meinem schlummernden Göttergatten, denn er muss etwas unternehmen. Auf eine andere Idee komme ich erst gar nicht.
„Peter!“
„Warum weckst du mich? Mach mich doch nicht wach!“, knurrt er wenig erfreut zurück.
„Dein Auto versperrt den Weg. Du musst es wegfahren!“
„Lass mich schlafen. Ich werd sonst sauer!“
„Hast du nicht gehört, dass es gehupt hat?“
„Niemand hat gehupt“, nuschelt er in sein Kissen.
„Peter! Du musst jetzt aufstehen!“, sage ich ganz bestimmend.
„Stimmt, die chinesische Delegation wartet schon auf mich. Die haben gerade angerufen, dass ich kommen soll“, gibt er mir zur Antwort.
„Was?“, rufe ich aus und öffne schlagartig meine Augen.
Alles ist still um uns herum. Mein Mann liegt neben mir im Bett und schläft friedlich, zumindest bis zu diesem Zeitpunkt. Jetzt reißt er nämlich auch seine Augen auf.
„Du hast mich zwei oder dreimal gerufen“, erklärt er mir. Mach mich doch nicht wach! Ich kann sonst nicht mehr einschlafen!“
„Du musst aber aufwachen, weil es draußen gehupt hat.“
„Nichts hat gehupt, du hast geträumt. Aber dein Rufen hat genau zu meinem Traum gepasst, denn ich habe in diesem Moment geträumt, dass ich sowieso wegen der chinesischen Delegation aufstehen hätte müssen.“
„Welche Delegation?“, frage ich leicht verwirrt.
„Keine Ahnung!“, gibt mein Mann schlaftrunken zurück.
Ich muss lachen, denn irgendwie scheinen sich unsere beiden Träume miteinander vermischt zu haben. Gut, ich habe schon oft gelesen, dass sich langjährige Ehepaare irgendwie einander anpassen. Aber dass sie auch ihre Träume schon gemeinsam träumen, ist mir bislang vollkommen unbekannt gewesen. Ich bekomme einen richtigen Lachanfall.
„Ruhe!“,fordert mein Mann mich murmelnd auf und in der nächsten Sekunde schnarcht er schon wieder vor sich hin.
Ich allerdings bin inzwischen hellwach und nutze die Gelegenheit die Toilette aufzusuchen. Als ich jedoch den Türgriff zum Badezimmer herunter drücken will, bemerke ich, dass die Tür verschlossen ist und innen Licht brennt. Meine Mutter ist im Bad.
Verwirrt schüttele ich den Kopf.
Sollte ich das alles doch nicht geträumt haben?
Ich habe also tatsächlich gehört, wie sie ins Bad ging?
Hat es dann doch gehupt?
Doch draußen ist alles friedlich und still. Man kann kein Motorengeräusch vernehmen und schon gar nicht ein Hupen. Außerdem ist es noch stockfinster und keine Menschenseele ist auf der Straße. Auch meine Mutter scheint nichts gehört zu haben, aber sie hat ja auch ihr Hörgerät nicht an.
Am Morgen, als ich aufstehe, werfe ich einen Blick auf die Straße vor dem Haus. Dort steht die Mülltonne noch ungeleert vor dem Haus. Alles ist so, als wäre tatsächlich nichts gewesen. Doch ich kann mich noch ganz genau an das nächtliche Hupen erinnern. Es klingt noch in meinen Ohren. Wie schon so oft, wenn ich im Traum ganz realistische Geräusche höre, wie zum Beispiel das Telefonläuten oder das Klingeln an der Haustür. Seltsam!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Das sind wir

Der Knuddelhund erzählt

Klammeräffchen und Co.

 

 

Man lernt nie aus

Als ich neulich meine Blogrunde drehte und bei Martina vorbeisah, las ich ihren Post über das „ß“ (kluempche). Schon bei den ersten Sätzen machte es in meinem Kopf „Klick!“ und ich war in der Vergangenheit. Mein Kopfkino sprang an. Ich sah mich wieder die Schulbank drücken und dreimal dürft ihr raten, um was sich der Unterrichtsstoff drehte.

Genau, um das „ß“. Ich will Euch die Geschichte erzählen, die mich schon ein bisschen stolz macht. Auch nach so vielen Jahren, beziehungsweise Jahrzehnten:
Klein- Astrid sitzt also im Unterricht. Sie ist in der zweiten Klasse und weil sie schon vor ihrem ersten Schulstart wusste, dass sie einmal Lehrerin werden will, sitzt sie ganz aufmerksam und mit „hochroten Wangen“ (Originalwortlaut des Lehrers) im Klassenzimmer und lauscht den Ausführungen des Lehrers.
Heute gibt er die Hefte zurück, die er einen Tag zuvor eingesammelt hat. Sie hatten sich Sätze ausdenken und aufschreiben müssen. Klein-Astrid hatte einen Satz gewählt, in dem ein wirklich schwieriges Wort vorkam. Zum Glück hatte ihre Mutter gewusst, wie man es schreibt. Oder doch nicht?
Der Lehrer hat schon einige Hefte zurückgegeben und immer auch etwas zu dem betreffenden Schüler gesagt. Klein-Astrid ist ganz aufgeregt, was er wohl zu ihr sagen wird. Ob es ein Lob ist? Eigentlich hat sie sich ja angestrengt. Aber ist auch der Lehrer von ihrer Leistung überzeugt?
Da, er hält das Heft mit dem roten Umschlag in der Hand und blickt in ihre Richtung.
„Astrid“, sagt er zu ihr. „Es war gar nicht so einfach Deine Hausaufgabe zu korrigieren.“
Astrid bekommt einen Schreck. Hat sie doch alles falsch gemacht?
„Aber Mutti hat doch die Hausaufgaben durchgesehen“, denkt sie und bemerkt, wie ihr abwechselnd heiß und kalt wird.
„Wegen dir haben wir extra eine Lehrerkonferenz einberufen“, spricht der Lehrer weiter.
Inzwischen ist es mucksmäuschenstill im Klassenraum. Alle Schüler lauschen und fragen sich insgeheim, was Klein-Astrid angestellt hat. Doch schon mit dem nächsten Satz zerstreut der Lehrer alle Bedenken von Klein-Astrid und schürt gleichzeitig noch ein wenig mehr die Neugier der anderen Schüler.
„Durch dich habe ich wieder einmal etwas gelernt“, richtet er sich an das Mädchen und zu allen sagt er: „Auch ein Lehrer kann nämlich nicht alles wissen und außerdem könnt ihr euch merken, dass man niemals im Leben ausgelernt hat.“
Und dann nimmt er die Kreide und schreibt ein Wort an die Tafel:

„bi?chen“

Jetzt erklärt der Lehrer, dass sie sich im Kollegium nicht ganz einig waren, wie man dieses Wort richtig schreibt. Mit „ss“ oder mit „ß“ ? Deshalb haben sie alle ganz genau im Rechtschreibduden nachgeschlagen.
„Ja und wir haben festgestellt, dass Astrid dieses schwierige Wort absolut richtig geschrieben hat“.
Die Wangen von Klein-Astrid werden noch ein wenig röter. Sie ist total stolz, dass sie alles richtig gemacht hat und noch dazu ein Wort geschrieben hat, das der Lehrer selbst falsch geschrieben hätte. Jetzt aber weiß er es, weil sie es ihm beigebracht hat.
Dieses Wort wird sie nie im Leben vergessen, geschweige denn falsch schreiben:

„bißchen“

Ja, ihr habt richtig gesehen. Damals als ich in der zweiten Klasse war und noch viele Jahre danach, schrieb man dieses Wörtchen mit „ß“. Viele Kinder und auch Erwachsene haben es falsch geschrieben, weil sie kein „ß“ sondern „ss“ eingesetzt haben.
Was damals ein Fehler war, ist heute richtig. Heute schreibt man dieses Wort mit „ss“ und es ist falsch, wenn man es mit „ß“ schreibt:

„bisschen“

Man lernt also nie aus.
Und es kommt noch besser: Jetzt gibt es sogar „das große ß“.
Ich kann nur sagen, das Leben ist ein lebenslanger Lernprozess. Wer weiß, wie man dieses Wörtchen in dreißig Jahren schreibt…?!

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

„Deutsche Sprache-schwere Sprache“

Hängemattengedanken

Aus der Schulzeit meiner Mutter

Was klappert denn da?

Frau Erna Schimmelpfennig hat heute Waschtag. Sie leert gerade die Hosentaschen ihres Mannes, denn er hat immer allen möglichen Krimskrams in seinen Taschen versteckt. Manchmal sind es Schrauben, dann wieder irgendwelche Merkzettel. Heute ist es jedoch ein Fünfzig-Centstück. Sie nimmt es heraus und legt es achtlos auf die Waschmaschine. Plötzlich klingelt es an der Haustür. Tilly steht davor. Sie hat einen 20 Euroschein in der Hand.
„Hallo Tilly“, begrüßt Frau Schimmelpfennig ihre Nachbarin. „Willst du mir Geld schenken, weil du so mit dem Schein wedelst?“
„Ach“, sagt Tilly ganz außer Puste. „Ich wollte für unseren jüngsten Enkelsohn ein Geschenk basteln, aus lauter Kleingeld.“
„Ich ahne schon, was du von mir willst. Ich soll für dich den Wechselautomaten spielen“, lacht Erna, woraufhin Tilly verlegen mit den Schultern zuckt und noch zwei Zehn- und zwei Fünf-Euroscheine aus der Jackentasche zieht.
„Na, da will ich mal sehen, was ich für dich tun kann.“
Erna und Tilly sitzen sich mittlerweile am Küchentisch gegenüber. Zwischen ihnen steht eine Dose, in der es schon beim Hochheben verdächtig klimpert.
„Erwin leert manchmal sein Portemonnaie“, erklärt Erna der Nachbarin. Er mag das viele Kleingeld nicht. Nur 50 Centstücke und das Silbergeld behält er. Mal sehen, wie weit wir kommen.“
Eine ganze Weile ist es still in der Küche, denn die beiden Frauen sind mit dem Zählen der Münzen beschäftigt. Dann ziehen sie einen Schlussstrich und stellen fest, dass Erna fast 50 Euro in ihrer Büchse gesammelt hat.
„Wahnsinn, was da doch so zusammen kommt“, stellt Erna fest. „Es fehlen nur noch 50 Cent, dann wären die 50 Euro komplett. Aber warte mal, da fällt mir was ein.“
Geschwind läuft sie in den Hauswirtschaftsraum und holt die Münze, die sie kurz zuvor aus der Hosentasche ihres Gatten gefischt und auf die Waschmaschine gelegt hat.
„Schade, dass diese Münze so verdreckt ist. Es scheint rote Farbe zu sein. Keine Ahnung woher Erwin die Münze hat. Gestern hat er allerdings mit rotem Lack an unserem Auto etwas ausgebessert. Ach, ist ja egal“, sagt sie zu ihrer Nachbarin.
Tilly marschiert nach Hause und macht sich auch gleich an die Bastelarbeit. Doch diese eine rote Münze würde alles verderben, so tauscht sie das Geldstück noch mit einem anderen Geldstück aus, das sie noch in einer Schublade gefunden hat. Das verdreckte 50-Centstück legt sie einfach auf das Fensterbrett.
Zwei Stunden später wird die Haustür aufgerissen und ihre achtjährige Nichte stürmt herein.
„Tante Tilly!“, ruft sie schon im Flur. „Mama ist nicht da und ich habe meinen Schlüssel vergessen. Kann ich solange bei dir warten?“
Tilly schiebt ihrer Nichte einen Teller Suppe hin und freut sich nicht alleine Mittag essen zu müssen.
„Warum malst du dein Geld an?“, fragt die kleine Lisa als sie die Münze auf dem Fensterbrett entdeckt.
„Ach die habe ich von meiner Nachbarin bekommen. Vielleicht ist sie in einen Farbtopf gefallen.“
„Darf ich die Münze haben?“, möchte das Mädchen wissen.
Und so verschwindet das 50 – Centstück in Lisas Jackentasche.
Am nächsten Tag trifft sich Lisa mit ihrer Freundin Anna. Die beiden schlendern durch den Ort und kommen an der Eisdiele vorbei.
„Wollen wir uns ein Eis kaufen?“, fragt Anna und so stellen sie sich in der Schlange an, die sich an diesem warmen Sommertag vor der Eisdiele gebildet hat.
„Ach“, sagt Anna plötzlich, „mein Geld reicht nicht. Kannst du mir noch 50 Cent leihen? Du bekommst sie ganz bestimmt wieder.“
„Ich habe auch nur einen Euro, der Rest von meinem Taschengeld. Aber warte mal…“
Lisa greift in ihre Jackentasche und holt das rote 50-Centstück heraus.
„Das habe ich gestern von Tante Tilly bekommen, aber ich glaube nicht, dass man damit bezahlen kann.“
„Warum nicht?!“, meint Anna. Lass es uns versuchen!“
Die beiden Mädchen bestellen jeder eine Kugel Eis. Zitrone und Schokolade. Lisa bezahlt ihr Eis und nachdem Anna 50 Cent auf die Theke gelegt hat, legt Lisa die rote Münze daneben.
„Das kann ich aber nicht annehmen“, sagt die Verkäuferin.
„Wieso? Ist doch Geld!“, erklärt Anna und sieht die Verkäuferin flehend an.
„Na gut, ausnahmsweise“, meint diese und denkt sich: „Ich werde sofort bei passender Gelegenheit versuchen diese Münze wieder loszuwerden.“
Gesagt, getan. Schon beim übernächsten Kunden bietet sich die Gelegenheit. Es ist der Schornsteinfeger aus dem Nachbarort. Ohne sein Wechselgeld näher zu betrachten, steckt er es in sein Portemonnaie und geht mit seinem Eis seines Weges.
Nach Feierabend wechselt das Geld erneut seinen Besitzer. Es landet nämlich beim Metzger Würstl, wo sich der Schornsteinfeger für das Abendessen ein Paar Wiener kauft. Mit den anderen Münzen landet es in der Kasse. Von dort wandert es zu Frau Heinrich, die ihre Rechnung von 9,50 Euro mit einem 10-Euroschein begleicht.
„Verflixt!“, denkt sie, als sie später die Münze in ihrer Geldbörse entdeckt. „Was habe ich mir denn da andrehen lassen?!“
So kommt es, dass das Geldstück schon am nächsten Tag wiederum seinen Besitzer wechselt, da es niemand behalten will. Jetzt landet es bei der Toilettenfrau Karla auf dem bereitgestellten Teller. Karla steckt es zu dem anderen Klimpergeld in ihre Schürzentasche und denkt sich nichts dabei, dass dieses Geldstück rote Farbe abbekommen hat. Geld ist für sie nämlich Geld und dient lediglich dem Bezahlen. Trotzdem ist sie bestrebt diese Münze weiterzugeben.
Am Nachmittag nach Dienstschluss kauft sie davon Futter für ihre Katze und die Münze landet in der Kasse der Tierhandlung. Von dort wandert sie weiter zu Karin Hoffmann aus der Friedrichstraße. Sie holt immer das Vogelfutter für ihre beiden Kanarienvögel in der Tierhandlung.
Karin ist eine Kundin von Sabine Müller, der Schneiderin, die in der gleichen Straße wohnt wie Tilly und Erna. Und wie das Leben eben so spielt, wechselt hier das 50- Centstück wiederum seinen Besitzer.
Der Zufall will es, dass in der Woche darauf Tilly sich bei Karin Hoffmann einen Rock enger nähen lässt.
Ja, Ihr denkt jetzt: Auf diesem Wege landet die Münze wieder in Tillys Geldbörse und seltsamerweise auch wieder bei Erna Schimmelpfennig.
Falsch!
Tilly bezahlt ihre Schneiderrechnung nicht mit Bargeld, sondern mit Karte. Allerdings begegnen sich Tilly und Erwin Schimmelpfennig auf der Treppe, als die eine die Schneiderei verlässt und der andere diese aufsuchen möchte. Erwin will ebenfalls etwas abholen. Er holt seine neue Arbeitshose ab, die gekürzt werden musste.
Zuhause angekommen schlüpft er sofort in die neue Hose und macht sich in der Garage wieder an die Autoreparatur, wobei einige Flecken auf die funkelnagelneue Hose geraten. Dies hat wiederum zur Folge, dass die Hose schon am gleichen Abend in der Waschmaschine landet. Erwin Schimmelpfennig hat sie selbst mit dem T-Shirt und seiner Jeans hinein gelegt und zur großen Freude seiner Frau auch gleich das Waschprogramm gestartet. Nur hat er eines vergessen.
Dieses Etwas wiederum lässt Frau Schimmelpfennig von ihrem Sofa voller Schreck hochfahren. Als sie ein sehr seltsames und lautstarkes Geklapper aus dem Hauswirtschaftsraum hört, läuft sie schnell zur Waschmaschine, da sie befürchtet, das letzte Stündlein ihrer Maschine habe geschlagen. Händeringend steht sie vor der Waschmaschine und drückt in Windeseile die Stopptaste. Nach dem Öffnen des Bullauges kullert ihr etwas entgegen, das ihr irgendwie bekannt vorkommt.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Waschmaschinengespräche

Dumme Socke

Zwiegespräche

 

Die Schatztruhe

Vielleicht könnt Ihr Euch noch erinnern.
Vor nun bereits zwei Jahren schrieb ich drei Postkarten. Es waren Ansichtskarten von einem Bergdorf auf Mallorca, um genau zu sein von Valdemossa. Damals habe ich meiner Mutter und unserem Sohn am 7. Juni jeweils eine Ansichtskarte geschrieben, aber auch an unsere eigene Heimatadresse schickte ich eine Karte ab. Ich dachte, es sei eine schöne Überraschung und Urlaubserinnerung, wenn wir diese Karte in unserem Briefkasten finden würden. Ich weiß das Datum so genau, weil meine Mutter an diesem Tag auf einer Hochzeitsfeier eingeladen war.
Diese Karten habe ich in einen offiziellen Postbriefkasten mitten im Ort eingeworfen.
Es war ein Experiment. Ich wollte wissen, ob die Karten schneller in Deutschland ankommen, als die Karten, die man für gewöhnlich im Hotel abgibt. Ich habe nämlich die Erfahrung gemacht, dass die Ansichtskarten meistens erst nach drei Wochen beim Adressaten ankommen. Oftmals waren wir dann schon wieder aus dem Urlaub zurück.
„So ein offizieller Postbriefkasten“, so dachte ich mir damals, „wird doch sicherlich regelmäßig mehrmals in der Woche geleert.“
Mein Mann hatte Beweisfotos gemacht, auf denen man sehen kann, wie ich die Karten einwerfe.
Da Mallorca meine Lieblingsinsel ist, haben wir sie auch dieses Jahr schon wieder einmal besucht. Mir gefällt es einfach zu gut dort. Auch in Valdemossa waren wir wieder. Tja und stellt Euch vor, der besagte Briefkasten steht immer noch an Ort und Stelle. Doch dieses Mal habe ich ihn nicht mit Post gefüttert.
Trotzdem habe ich ein weiteres Experiment gewagt.
Ich habe jedoch nur eine einzige Karte geschrieben, nämlich an meine Mutter. Als ich sie im Hotel abgeben wollte, zeigte man mir eine Schatztruhe auf der das deutsche Wort „Post“ stand.
„Oh weh“, sagte ich innerlich zu mir. „Die kommt bestimmt nie an. Wer weiß, was mit dem Inhalt der Schatztruhe passiert. Wahrscheinlich wird sie nur einmal pro Saison geleert.“
Mein Mann meinte sogar: „Das wird alles nur gesammelt und dann einfach entsorgt. Mach dir mal keine großen Hoffnungen, dass die Karte überhaupt bei deiner Mutter ankommt.“
Was soll ich sagen?
Wahrscheinlich könnt Ihr es schon erraten:
Die Schatztruhe wurde tatsächlich geleert. Der Inhalt wurde nicht entsorgt. Die Karte kam ungefähr eine Woche nach unserer Rückkehr aus dem Urlaub an.
Und was ist aus den drei Karten von damals geworden, wollt Ihr wissen?
Naja, ob der Briefkasten tatsächlich jemals geleert wurde, kann ich nicht sagen. Auf jeden Fall ist bis zum heutigen Tag weder die Karte für meine Mutter noch die Karte für unseren Sohn angekommen. Ganz zu schweigen von der Karte, die an uns selbst gerichtet war. Möglicherweise ist der Briefkasten noch nicht voll und die Karten werden noch gesammelt. Vielleicht werden die Ansichtskarten niemals in die Welt hinaus gehen, weil sie schon längst entsorgt wurden. Eventuell sind sie bei fremden Menschen gelandet. Vielleicht sind sie in andere Länder verschickt worden. Es wäre möglich, dass sie niemals ankommen. Unter Umständen erreichen sie meine Mutter, unseren Sohn und uns erst nach vielen Jahren. Es gibt bestimmt tausend Erklärungen und Gründe…
Ich habe gelesen, dass eine Postkarte sogar erst nach 14 Jahren den Adressaten erreichte. Also gebe ich die Hoffnung noch nicht auf.
Eines kann ich Euch auf alle Fälle versprechen: Ich werde sofort berichten, wenn eine, zwei oder alle drei Karten angekommen sind.

Mich würde interessieren, welche Erfahrungen Ihr so mit dem Verschicken von Karten und Briefen aus dem Ausland, aber auch aus dem Inland gemacht habt.

Habt Ihr schon einmal eine Flaschenpost verschickt oder gefunden?

Habt Ihr schon einmal eine Nachricht an einem Luftballon gebunden und in die Lüfte steigen lassen?

Lasst uns einfach ein bisschen plaudern und erzählen, was Ihr in dieser Hinsicht erlebt, gehört oder gelesen habt.

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Das Experiment

Karl und Pingy

Wo die Liebe hinfällt …

 

Das Urlaubsgeschenk

Wenn ich jemand etwas schenke, dann tue ich das gerne. Ich verschenke beispielsweise nur Dinge, die mir selbst auch gefallen. Ich möchte mit dem Geschenk jemand eine Freude machen und hege dabei keinerlei Hintergedanken. Ich erwarte keine Gegenleistung dafür, sonst wäre es eine Art der Bezahlung und kein Geschenk.
Manchmal verschenke ich etwas aus einer Laune heraus und ohne einen großartigen Anlass und ich freue mich, wenn der Beschenkte sich freut. Schenken ist also etwas, das beiden Seiten Freude bereiten sollte.
Wenn wir am Meer Urlaub machen, dann haben wir uns angewöhnt, vor Ort eine Luftmatratze zu kaufen. Am letzten Tag suchen wir uns dann ein Kind oder eine Familie aus, die noch länger am Urlaubsort verweilt und schenken dem / den Betreffenden die Luftmatratze. Wir wollen uns nicht mit unnötigem Gepäck belasten und die betreffende Person kann noch einen Nutzen daraus ziehen, bzw. hat seinen Spaß mit der Matratze im Meer oder im Pool.
Kinder sind hierbei sehr spontan und nehmen gerne das Geschenk an. Erwachsene schauen zuerst zwar etwas skeptisch, nehmen allerdings dann auch gerne die Matratze und paddeln damit davon.
Dieses Mal hatten wir am letzten Abend jedoch noch etwas anderes zu verschenken, bevor wir am nächsten Tag abreisen wollten.
Wir waren schon zum dritten Mal im selben Hotel abgestiegen und mittlerweile so etwas wie Stammgäste. Zur Begrüßung brachte man uns eine Flasche Sekt auf das Zimmer. Ich finde das ist eine sehr nette Geste der Hotelleitung, obwohl wir nicht die Sekttrinker schlechthin sind. Allerdings hatte ich in diesem Urlaub auch noch Geburtstag und so hoben wir uns den Sekt zum mitternächtlichen Anstoßen zu diesem besonderen Anlass auf.
Was wir zu diesem Zeitpunkt noch nicht ahnten, war die Tatsache, dass wir ein paar Stunden später wiederum eine Sektflasche mit zwei Gläsern in unserem Zimmer als Geburtstagsgeschenk vom Hotel vorfinden würden.
Nun gut, irgendwann würden wir vielleicht in diesem Urlaub noch einmal mit Sekt anstoßen. So dachten wir zumindest. Doch am letzten Abend stellten wir fest, dass die Flasche immer noch unangetastet und verschlossen im Kühlschrank stand.
Also schnappten wir uns die Flasche und wollten sie verschenken. Ein Ehepaar, mit dem wir uns im Urlaub angefreundet hatten, war bereits einen Tag zuvor abgereist. Aber das Hotel war gut besucht und es dürfte nicht schwer sein, die Flasche loszuwerden.
Ja, so dachten wir.
Wir suchten uns zwei Frauen aus, die immer abseits der anderen Gäste innerhalb des Hotels saßen und dachten, sie würden sich über unsere Geste sicherlich freuen.
Weit gefehlt. Sie schauten uns fast erschrocken und mit großen Augen an. Nein, nein sie wollten den Sekt nicht haben.
Dachten sie etwa sie sollten ihn uns abkaufen? Wir beteuerten, dass wir die Flasche einfach nur so verschenken möchten. Nein, sie wollten den Sekt nicht.
Nun gut. Also schauten wir uns weiter im Hotel um.
In einer Ecke saßen zwei ältere Paare, die sich unterhielten. Wir traten an den Tisch und brachten unser Anliegen vor.
Ich konnte die Welt nicht mehr begreifen, denn auch sie lehnten ab. Was war denn los? Wir wollten weder eine Versicherung verkaufen, noch irgendeine Gegenleistung. Wir wollten lediglich jemand eine Freude machen, indem wir ihm oder ihnen die Flasche Sekt schenkten. Auch handelte es sich nicht um Antialkoholiker, denn sie hatten jeder ein alkoholisches Getränk vor sich stehen.
Wir waren nach dieser zweiten Ablehnung schon irgendwie geschockt und fühlten uns, als hätten wir etwas verbrochen. Wir wollten doch niemand ein Leid zufügen, sondern nur ganz ohne irgendeinen Hintergedanken oder eine Gegenleistung etwas verschenken. Stattdessen schaute man uns an, als wären wir von einem anderen Stern gekommen und würden etwas vollkommen Verrücktes und Unmögliches von jemand verlangen. Wir verlangten gar nichts. Wir wollten etwas geben, kamen uns aber fast schon wie Bittsteller vor.
Seltsam. Sind die Menschen schon derartig misstrauisch geworden?
Nun gut, wir fanden noch eine kleinere Gruppe von Neuankömmlingen, die zwar auch erst skeptisch schauten, aber nach unseren Erklärungen und Beteuerungen, dass wir lediglich die Flasche Sekt verschenken wollen würden, diese endlich dankend annahmen. Einer der Männer stand auch sofort auf und organisierte Gläser. Wir zogen uns dann zurück, denn wir wollten ja noch nicht einmal mittrinken.
Uns gab dieses Ereignis wirklich zu denken, denn so etwas ist uns noch nie passiert.
Sind die Menschen so skeptisch geworden?
Schenkt man nicht einfach mal fremden Menschen etwas?
Gehört sich das nicht?
Passt es nicht in unser Weltbild?
Muss man sofort mit Misstrauen reagieren, wenn man einfach mal eben etwas geschenkt bekommt?
Was ist nur los, wenn man nicht mal mehr eine Kleinigkeit verschenken kann, ohne für verrückt erklärt zu werden?
Muss man sich jetzt schon dafür schämen, eine Kleinigkeit zu verschenken?

Mich würde interessieren, was Ihr zu dieser Begebenheit sagt. Lasst uns darüber plaudern.

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Der Lümmel aus der letzten Bank

Hängemattengedanken

Mr. Stoneman’s friend

Kleiderordnung

Auf die Idee zu meiner heutigen Geschichte brachte mich eine Radiomeldung, die ich allerdings nur am Rande vernahm. Doch das, was ich noch hörte, fand ich nicht nur witzig, sondern auch so direkt aus dem Leben gegriffen, dass es hier an dieser Stelle einen Platz finden muss. Da ich meinen Blog „lifetellsstories“ genannt habe, gehören Geschichten, die das Leben erzählt hierher. Selbstverständlich habe ich Ort, Personen und Ausschmückungen meiner Fantasie entspringen lassen und hoffe nun, dass Euch die Begebenheit genauso gut gefällt wie mir.
Hans ist Ende Zwanzig, arbeitet bei einer Firma in der Verwaltung und sitzt mit einigen seiner Kollegen in einem Großraumbüro, allerdings mit regem Publikumsverkehr. Ihm macht die Arbeit viel Spaß, da er den Kontakt zu Menschen ebenso liebt, wie die Büroarbeit. Er ist sehr ordentlich und auch gewissenhaft in seinem ganzen Tun. Hans ist kein Griesgram oder gar Besserwisser, sondern ein lustiger und fröhlicher Mensch, der schnell Kontakt findet und mit dem man sowohl privat als auch beruflich gut auskommt. Er ist bei seinen Mitarbeitern ebenso beliebt, wie bei seinen Vorgesetzten.
Seit einer Woche herrschen hochsommerliche Temperaturen, leider nicht nur außerhalb der Firma, sondern seit zwei Tagen auch innerhalb der Räumlichkeiten. Die Klimaanlage ist im gesamten Gebäude ausgefallen und muss erneuert werden. Somit ist sogar das Bleistiftstemmen eine schweißtreibende Arbeit. Alle stöhnen über die extremen Temperaturen.
„Wie gerne würde ich mir jetzt eine kühle Brise um die Nase wehen lassen“, sagt sein Arbeitskollege und öffnet das Fenster.
„Mach das schnell wieder zu!“, ruft eine Kollegin. „Das Öffnen der Fenster bringt nur noch mehr Hitze und Schwüle herein.“
So sitzen sie alle an ihren Schreibtischen und schnaufen.
„Die Frauen haben es echt gut“, meint Hans zu seinem Gegenüber. „Die Damen der Schöpfung haben sich luftige und chice Sommerkleider angezogen, wir Herren jedoch sitzen hier in unseren langen Hosen, mit Hemd und Krawatte.“
Hans findet von seinen männlichen Arbeitskollegen viel Zustimmung und von den weiblichen Mitarbeiterinnen erntet er nur ein mitleidiges Lächeln.
„Das ist einfach eine Ungerechtigkeit“, empört er sich.
Am nächsten Morgen beschließt er jedoch in kurzen Hosen und Poloshirt am Arbeitsplatz zu erscheinen.
„Es fühlt sich wesentlich angenehmer an, als in den langen Hosen und bei diesen Temperaturen wird wohl jeder Verständnis dafür haben“, sagt er zu seiner Freundin, als sie ihn stirnrunzelnd ansieht. „Zumal ich nicht in irgendwelchen abgewetzten Klamotten komme, sondern die Sachen aus einem angesagten Herrenbekleidungsgeschäft stammen. Alles ordentlich, sauber und modern“, fügt er noch hinzu, gibt seiner Freundin einen Abschiedskuss und beide setzen sich in ihre Autos, um in entgegengesetzter Richtung zur Arbeit zu fahren.
Kaum hat Hans seinen Computer angeschaltet, da steht sein Chef vor ihm. Hans kann schon an dessen Gesichtsausdruck ablesen, dass er etwas zu beanstanden hat. In Gedanken durchforstet er den letzten Tag und fragt sich, ob ihm irgendwo ein Fehler unterlaufen sein könnte. Doch da grollt der Donner schon auf ihn ein:
„Was bilden Sie sich ein?! Erscheinen hier in kurzer Hose! Was glauben Sie denn wo Sie sind? Im Schwimmbad, im Urlaub oder vielleicht auf der Strandpromenade? Herr Hans Hansen, Sie arbeiten in einer angesehenen Firma und da zeigt man den Besuchern nicht seine nackten Beine!“
„Ja, aber die Frauen haben doch auch …!“, will Hans zu bedenken geben, doch der Chef hat nur kurz Luft geholt und donnert weiter:
„Sehen sie zu, dass Sie verschwinden und in einer Stunde sitzen Sie hier wieder in angemessener Kleidung, auf jeden Fall nicht in kurzer Hose und T-Shirt!“
Hans ist so perplex, dass er es nicht wagt, zu widersprechen. Seine Arbeitskollegen räuspern sich und beginnen zu tuscheln, denn sie hatten schon gehofft am nächsten Tag ebenfalls in kurzer Hose und T-Shirt an ihren Schreibtischen sitzen zu können.
Hans jedoch sputet sich und fährt mit seinem Auto, in dem die Klimaanlage zum Glück funktioniert, nach Hause, um sich umzuziehen.
Ihm erscheint die ganze Sache etwas unlogisch und ungerecht. Warum in aller Welt, dürfen die Frauen sich in bunte, luftige Kleidchen werfen und ihre nackten Beine zeigen, aber die Herren müssen lange Hosen tragen.
„Nun gut“, denkt sich Hans. „Wenn es nur an den kurzen Hosen und dem T-Shirt liegt, so kann hier Abhilfe geschaffen werden.“
Zuhause angekommen, begibt er sich direkt zum Kleiderschrank. Allerdings öffnet er nicht die linke Seite des Schrankes, sondern …
Eine Dreiviertelstunde später erscheint Hans umgezogen wieder im Büro. Die Blicke nicht nur seiner Arbeitskollegen sind ihm sicher, das ist ihm schon klar als er durch die Eingangstür marschiert. Getuschel, Gekichere und breites Grinsen kommt ihm entgegen. Einer seiner Arbeitskollegen kann es nicht unterdrücken ihm einen anerkennenden Pfiff hinterher zu schicken.
„Wow!“, ruft seine Arbeitskollegin Ingrid aus.
Eine andere Arbeitskollegin mustert ihn von oben bis unten und klatscht dann freudig in die Hände. Begeistert meint sie:
„Immerhin kann sich der Chef jetzt nicht mehr über die kurzen Hosen beschweren. Elegant! Das muss ich schon sagen! Und Beine hast du!“
Eine Sekunde später ist das gesamte Büro mit schallendem Gelächter ausgefüllt und Hans dreht sich grinsend und beschwingt um die eigene Achse, bevor er wie auf dem Laufsteg zwischen den Schreibtischen entlang stolziert.
„Herr Hans Hansen, bitte sofort in mein Büro!“, tönt es da aus dem Lautsprecher.
Erschrocken verstummt das Lachen der Arbeitskollegen, doch Hans marschiert hochgehobenen Hauptes in das Büro des Chefs. Im Großraumbüro herrscht Totenstille. Alle versuchen zu lauschen, ob etwas aus dem Chefzimmer zu vernehmen ist. Bestimmt bricht gleich ein erneutes Donnerwetter herein. Doch nichts passiert.
Nach gefühlten zwei Stunden öffnet sich die Tür erneut und Hans tritt heraus.
Mit ernster Miene stellt er sich vor seine Arbeitskollegen und bittet um Ruhe, obwohl kein einziger Mucks im Raum zu vernehmen ist.
„Ich soll Euch vom Chef etwas ausrichten: Die Klimaanlage kann leider nicht mehr repariert werden und muss ausgetauscht werden.“
Die Kollegen beginnen zu stöhnen.
„Ich soll sofort verschwinden und das Kleid meiner Freundin wieder gegen eine Hose tauschen.“
Die Mitarbeiter drücken sichtliches Bedauern aus, können sich ein Grinsen jedoch nicht verkneifen.
„Eine kurze Hose!“, fügt Hans rasch hinzu. „Und ab der Mittagspause dürfen wir Männer alle in kurzen Hosen und Hemd erscheinen.“
Lauter Jubel bricht im Büro aus und aus dem Nebenzimmer ertönt die Stimme des Chefs:
„Dieser Sieg über die Kleiderordnung ist aber ein Ausnahmezustand und gilt nur solange bis die Klimaanlage wieder funktioniert!“
Mit diesen Worten tritt der Chef grinsend und ebenfalls in kurzen Hosen und Hemd in das Großraumbüro. Donnernder Applaus empfängt ihn.

 

 

 

Vielleicht möchtet Ihr auch das noch lesen:

Dreibein & Co

Aus dem Leben meiner Küchenuhr

„Hat Astrid denn kein Schmuckkästchen?“