Meine Plauderecke

Absicht oder Unachtsamkeit?

In meiner Jugend habe ich es bei meiner Großtante festgestellt, bei der Großtante meines Mannes und auch noch bei anderen Personen. Schnell war man dann einer ganz bestimmten Meinung und diese tendierte dahin, dass man glaubte, derjenige habe es mit Absicht gemacht.

Doch heute, Jahre, sogar Jahrzehnte später habe ich plötzlich eine ganz andere Ansicht. Wieso das denn? Naja, man kann ja seine Meinung gegenüber gewissen Gegebenheiten ändern. Vielleicht, weil die Sicht der Dinge eine andere geworden ist. Aber auch, weil man plötzlich ähnliche Situationen erlebt hat. Nein, das ist nicht ganz korrekt ausgedrückt. Ich meine natürlich, weil man selbst auf einmal derjenige ist, welcher…
Erst neulich ist es mir passiert. Wir waren in Lübeck. Diese Stadt zu besuchen und ohne das köstliche Marzipan gekostet zu haben, wieder wegzufahren, geht gar nicht. Lübeck und Marzipan gehören einfach zusammen. Die Lieben zu Hause freuen sich dann natürlich auch über ein Mitbringsel und was wäre besser geeignet als eine Schachtel dieser Köstlichkeiten.
„Schaut mal, was wir euch mitgebracht haben“, sage ich zu der Freundin unseres Sohnes und reiche ihr die Schachtel.
„Oh, lecker!“, meint sie erfreut, „da sind ja sogar verschiedene Sorten drin.“
Da die Aufzählung dieser unterschiedlichen Geschmacksrichtungen auf der Rückseite der Schachtel benannt ist, dreht sie diese automatisch um. 
Ja, was soll ich sagen? Genau in diesem Moment sehe ich es. Ein kleines Schildchen.
„Oh,oh!“, rufe ich peinlich berührt aus und nehme ihr die Schachtel wieder weg. 
„Da habe ich wohl etwas vergessen!“, erkläre ich ihr und versuche das kleine Preisschildchen zu entfernen. „Na hoffentlich ist mir das bei unseren Nachbarn nicht auch passiert. Ihnen haben wir nämlich ebenfalls eine Packung mitgebracht.“
„Jetzt ist es also auch bei mir schon soweit“, denke ich und mir fallen die Mitbringsel und Geschenke ein, die man früher von diversen älteren Verwandten und Bekannten bekam. „Ich vergesse nachzusehen, ob irgendwo ein Preisschild klebt und entferne es demzufolge nicht.“
Inzwischen denke ich, dass dies jedem passieren kann und bestimmt auch schon passiert ist. Unachtsamkeit, Eile, Gedankenlosigkeit, es gibt bestimmt viele Gründe. 
Aber zwei Gründe treffen bei mir nicht zu: Ich bin weder „vertüdelt“, wie man bei uns so schön sagt, noch handelt es sich um Absicht. 
„Eigentlich muss mir das doch überhaupt nicht peinlich sein“, so überlege ich.
Jedermann weiß, dass man das Mitbringsel gekauft hat und das hat nun mal seinen Preis. Nur welchen Preis, das will man nicht unbedingt kundtun, denn es geht um die Geste des Schenkens und nicht um den Preis. 

Kennt Ihr ebenfalls solche Situationen und ist es Euch selbst schon passiert? Wie denkt Ihr darüber? Warum ist das eigentlich eine peinliche Situation?

Lasst uns ein bisschen darüber plaudern!

 

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6 Kommentare

  1. ja, lass uns drüber reden, liebe Astrid…ist`s mir schon mal ähnlich passiert?“ – weiß ich nicht, könnte aber durchaus mal sein…es ist keine Schusseligkeit, ein Versehen höchstens – denke ich..normalerweise mach ich die zettelchen gleich beim Kauf oder unmittelbar danach weg, wenn ich die Absicht habe es zu „verschenken“ –
    bekam aber auch schon eine „Aufmerksamkeit mitgebracht“ wo noch ein diverses Aushängeschild mit Preis noch daran klebte. Das ist echt nicht schlimm, mach dir mal keine Gedanken darüber..lacht angel…eher hätt ich bedenken wenn ich meine e-mail oder Postadresse oder gar den LINK auf den Blog vergesse“ das wäre eher beunruhigend für mich, denn dann – wär man schon tüddelig…:-)) – na ja ein wenig…
    wieder eine hübsche Geschichte von dir wie ich sie gerne lese….hab einen schönen Tag – ohne Zettelchenwirtschaft und hab es fein…liebe Grüße angelface….

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Angelface,
      das ist sehr beruhigend, zu lesen, dass es auch anderen schon passiert ist :-).
      Jetzt musste ich bei einem Wort in Deinem Kommentar doch ein bisschen schmunzeln. „Zettelwirtschaft“, – dieses Wort benutzt meine Schwiegermutter auch immer. Meistens muss mein Mann dann diese „Zettelwirtschaft“ durchsehen und erledigen. Hierbei handelt es sich um Schriftverkehr, Rechnungen und diverse andere Schreiben, die es zu sichten, kontrollieren, erledigen und abzuheften geht. Ich dachte immer, es handelt sich dabei um eine Wortkreation meiner Schwiegermutter, aber anscheinend kennen auch noch andere diesen Ausdruck :-).
      Ich wünsche Dir eine gute Nacht und einen schönen neuen Tag.
      Astrid

  2. Und ob das schon passiert ist liebe Astrid. Wohl jedem von uns. Und wirklich ohne Absicht.
    In Lübeck waren wir vor – ich muss überlegen – 3 Jahren? Und natürlich mussten wir Marzipan als Urlaubsmitbringsel kaufen.
    Liebe Grüße von Kerstin.

    • Astrid Berg sagt

      Das ist bestimmt bei vielen Besuchern von Lübeck ein unbedingtes Muss, egal, ob als Mitbringsel für Freunde oder Verwandte oder sogar für den Eigenbedarf. Marzipan ist einfach lecker und ab und zu darf man sich diese Köstlichkeit auch gönnen. 😉
      Herzliche Grüße
      Astrid
      P.S. Meine Antwort kommt zwar spät, aber sie kommt. 🙂 Ich war leider ein paar Tage offline und manchmal hatte ich auch keine so rechte Lust zum Bloggen. Sorry.

  3. Liebe Astrid,
    Mmmmmmmmmmmmmmmarzipan mag ich sehr, ob nun mit oder ohne Preisschild 😉 Ich kenne diese Situation auch sehr gut, sowohl in der einen als auch in der anderen Richtung – sprich ich habe schon Geschenke mit dem Preisaufkleber bekommen und es ist mir genauso passiert, dass ich selbst den Aufkleber übersehen habe. Peinlich ist und ein drangelassenes Preisschild vermutlich vor allem deshalb, weil uns irgendwann mal von unseren Müttern eingebläut wurde, dass „man das nicht tut“…. aber ich finde, es fällt unter „lässliche Sünde“ ;-))
    Alles Liebe, Traude

    • Astrid Berg sagt

      Liebe Traude,
      entschuldige bitte mein langes Schweigen. Das Leben lässt manchmal wenig Zeit zum Bloggen und zum Beantworten der Kommentare. Ich bin jedoch bemüht alle immer zu beantworten, auch wenn es hin und wieder ein bisschen dauert :-).
      Es stimmt, unsere Mütter haben sehr darauf geachtet, dass man die Preisschilder nicht auf den Geschenken kleben lässt. Man sollte wahrscheinlich nicht vom Preis auf eine Art Wertschätzung schließen, vermute ich mal. Ich finde allerdings, dass alleine die Geste des Schenkens zählen sollte. Man will eine Freude bereiten und das hat mit dem Preis nichts zu tun.
      LG
      Astrid

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